«Ich habe drei Geschwister. Zu Hause sprechen wir oft Albanisch», erzählt Kiara*, während sie gerade ein Karteikärtchen beklebt. «Ja, da ist immer viel los», weiss auch Tanja Spring, die die Fünftklässlerin seit Anfang Jahr als freiwillige Nachhilfelehrerin unterstützt. «Darum haben wir unsere Treffen zu mir verlegt.» «Und weil du zwei tolle Katzen hast», ergänzt Kiara lachend. Wie ein Müssen sieht diese Nachhilfestunde nicht aus.

«Nein, ich lerne mega gern mit Tanja», bestätigt Kiara. Früher habe sie immer Angst gehabt vor der Mathestunde oder bei Prüfungen. Jetzt nicht mehr. «Tanja und ich haben einen inneren Helfer gebastelt, den habe ich immer dabei.» Der kleine, rosa Stein, soll ihr Selbstvertrauen stärken und sie daran erinnern, was sie alles gut kann, erklärt Spring. «Es ist, als wäre Tanja in meinem Kopf. Der Unterricht macht viel mehr Spass, wenn ich an Tanja denke», so die Zwölfjährige.

Auch von offizieller Seite gibt es viel Lob für das Nachhilfetandem. «Es scheint sich um eine sehr engagierte Persönlichkeit zu handeln, die sofort den Draht zu Kiara gefunden hat», schreibt Sozialarbeiterin Nicole Sigrist, die die Familie von Kiara betreut, in einem E-Mail an das Jugendrotkreuz (JRK) des Kantons Aargau.

Dass die Chemie bei solchen Nachhilfetandems so gut stimmt, ist kein Zufall. Alicia Portenier vom Jugendrotkreuz Kanton Aargau stellt sicher, dass Nachhilfelehrer und -schüler auch wirklich zusammenpassen. Derzeit betreut sie 29 Tandems. «Wir haben eine lange Warteliste von Familien, deren Kinder gerne von unserer Nachhilfe profitieren würden», so Portenier. Um weiteren Kindern Nachhilfeunterricht zu ermöglichen, ist das Jugendrotkreuz auf zusätzliche Freiwillige angewiesen. Vor allem in der Region Freiamt fehlt es derzeit an freiwilligen Nachhilfelehrern. Interessierte können sich jederzeit direkt beim Jugendrotkreuz Kanton Aargau melden.

* Name geändert

(az)