Muri
Nachhaltig und sozial als Richtschnur – und er wohnt in einem Strohhaus

Ersatzwahl in den Gemeinderat: Beat Küng, Biobauer, will unabhängig von Parteimeinungen politisieren.

Eddy Schambron
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Beat Küng im Wohnzimmer seines Hauses in den Söriken, das er aus Stroh bauen liess. Der Bio-Bauer macht auch gerne Musik. ES

Beat Küng im Wohnzimmer seines Hauses in den Söriken, das er aus Stroh bauen liess. Der Bio-Bauer macht auch gerne Musik. ES

Eddy Schambron

Draussen wirbeln die Schneeflocken, drinnen im Haus aus Stroh von Beat und Andrea Küng, Söriken, ist es angenehm warm. «Ich würde wieder mit Stroh bauen», sagt Beat Küng, Mitglied der Grünen Partei, der aber aus persönlichen Gründen bei der Ersatzwahl in den Gemeinderat Muri kandidiert und nicht für die Partei, die ohnehin keine Ortssektion hat.

Sie wohnen in einem Strohhaus. Hat sich das bewährt?

Beat Küng: Ich würde es wieder tun. Natürlich würde ich Details anders machen, zum Beispiel nicht mehr so grosse Fensterflächen, weil der Nutzen durch Sonneneinstrahlung im Winter geringer ist als gedacht.

Wie reagierten die Leute eigentlich auf die doch unkonventionelle Bauweise?

Die meisten recht kritisch, aber sehr interessiert. Manchmal kamen wir kaum mehr zum Arbeiten. Deshalb machten wir auch einen Tag der offenen Tür – so
konnten wir nachher wieder in Ruhe
weiterarbeiten.

Ökologie und Nachhaltigkeit ist Ihnen wichtig. Sind Sie jetzt ein Grasgrüner oder ein Rotgrüner?

Ich habe mich vor ungefähr 10 Jahren für die Grüne Partei entschieden, weil ich finde, dass nachhaltiges Wirtschaften vom System benachteiligt wird. Ich lebe und arbeite in diese Richtung. Ich bin sozial eingestellt, aber auch Unternehmer. Bei den Sozialdemokraten kann ich mich wegen ihres gewerkschaftlichen Denkens weniger vorstellen.

Eine Zusammenarbeit mit der SP bei den Gemeinderatswahlen war nicht möglich?

Die Leute bei der SP Muri sind mir alle sympathisch, leider kam es aber nicht zu einer Zusammenarbeit, obwohl ich das Gespräch gesucht habe.

Warum gehört den Grünen ein Sitz im Gemeinderat Muri?

Ich führe meinen Wahlkampf nicht primär als Grüner; wir haben ja nicht einmal eine Ortspartei, sondern nur eine Bezirkspartei. Ich wurde als Person angefragt und kandidiere als Murianer, mit meiner Fachkompetenz und meiner Einstellung für Langfristigkeit und Nachhaltigkeit. Ich habe mir die Kandidatur gut überlegt und auch meine Frau steht dahinter.

Ihre Kandidatur ist also als grün-soziales Engagement für die Gemeinde zu verstehen, das keine Parteiinteressen verfolgt?

Genau. Meine Wahlunterstützung geschieht durch Personen aus ganz verschiedenen Parteien, das Wahlkomitee, das sich für mich einsetzt, ist denn auch parteiunabhängig.

Sie sind ökologisch ausgerichtet, Bauer und Unternehmer. Das passt alles zusammen?

Das ist eine Herausforderung. Aber es ist meine Stärke, das unter einen Hut zu bringen, und ich bin damit erfolgreich. Ich habe weder einen grossen Hof übernommen noch eine Erbschaft gemacht, sondern mit den herrschenden, engen Rahmenbedingungen sehr viel erreicht. In der Politik ist es doch auch so: Man muss mit den Rahmenbedingungen möglichst gut klarkommen und das Beste daraus machen. Diese Herausforderung, mich in Zielkonflikten zu bewegen, macht mir Freude.

Was heisst, Sie haben viel erreicht?

Ich stehe finanziell auf soliden Füssen, kann meine Mitarbeitenden anständig
bezahlen, konnte unter anderem das Strohhaus bauen und mir Freiraum schaffen, mich jetzt für die Gemeinde zu
engagieren.

Schmerzt es Sie nicht, wie Muri mit Wohnbauten massiv überbaut wird?

Doch, natürlich. Der enorme Wachstumsdruck ist eine Herausforderung für die Gemeinde. Verdichtetes Bauen darf nicht heissen, dass alles zubetoniert wird. Die Natur muss auch im Siedlungsbereich ihren Platz behalten. Nebst wirtschaftlichen Überlegungen müssen auch die Folgen für Infrastruktur und für die Lebensqualität in Muri berücksichtig werden. Da braucht es die Knochenarbeit, unter anderem mit den Investoren die Verhandlungen so zu führen, dass gute und faire Lösungen gefunden werden.

Sehen Sie hier Ihre politischen Schwerpunkte?

Ja, es geht darum, vorausschauend zu denken und in Zusammenarbeit mit allen Beteiligten gute Lösungen zu finden. Bei meiner Mitarbeit in der Begleitkommission zur neuen Bau- und Nutzungsordnung (BNO) für die Gemeinde Muri hat es mir sozusagen «de Ärmel inegnoh» für diese Art von Arbeit. Vor meiner Entscheidung für die Kandidatur habe ich mich zudem bei der abtretenden Gemeinderätin Christine Brun eingehend über die Arbeit als Gemeinderat informiert. Ausserdem kenne ich auch die andere Seite: Als Bürger bin ich froh, wenn ich zum Beispiel auf der Abteilung Bau und Planung auf kompetente Dienstleister treffe und nicht auf Bürokraten.

Wo sehen Sie die Stärken der Gemeinde Muri?

Muri ist eine attraktive Gemeinde. Die lebendigen Vereine sind ein ungeheurer Reichtum. Der Gemeinderat leistet gute Arbeit, er kann sich auf eine effiziente Verwaltung abstützen. Was ich sehr schön finde, ist die politische Kultur in Muri. Man redet miteinander, streitet fair und findet trotz unterschiedlicher Ansichten zusammen gute Lösungen. Das ist eben Muri. Und schliesslich ist das kulturelle Angebot hier fantastisch.

Und wo sehen Sie Schwächen?

Es gibt Tendenzen in die andere Richtung. Hier ist Engagement gefragt, damit es in der Gemeinde gut bleibt.

Wenn Sie gewählt werden: Wie lautet Ihr Wahlversprechen, auf das Sie sich behaften lassen?

Ich setze mich immer für die beste
machbare Lösung ein – unabhängig von Parteimeinungen.

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