Waltenschwil

Nachfolge im Garagenbetrieb: Der Junior hat das Steuer übernommen

Der neue Chef Adrian Koller am Steuer eines zum Camper umgebauten Nissan NV300, oben Ruedi Amstutz, am Tisch Röbi und Irene Koller.

Der neue Chef Adrian Koller am Steuer eines zum Camper umgebauten Nissan NV300, oben Ruedi Amstutz, am Tisch Röbi und Irene Koller.

In der Garage Koller + Amstutz AG in Waltenschwil findet einen Generationenwechsel statt. Der bisherige Chef Röbi Koller übergibt die Verantwortung an seinen Sohn Adrian.

«Adrian ist sehr gut ausgebildet und hoch motiviert, meine Nachfolge ist bestens geregelt. Warum soll ich ihm vor der Sonne stehen und bis 70 arbeiten?», sagt Robert «Röbi» Koller von der Garage Koller + Amstutz AG in Waltenschwil.

Der 66-jährige freut sich auf den Ruhestand, von Wehmut ist bei der Geschäftsübergabe nicht viel zu spüren: «Ich bin ja noch da und kann aushelfen, wenn Not am Manne ist. Aber die wichtigen Entscheidungen, die wird künftig mein Sohn treffen. Ich will und werde ihm nicht dreinreden.»

Röbi Koller verlässt nicht einfach eine Garage. Er verlässt einen Betrieb, in dem er 34 Jahre lang tätig gewesen ist. Zuerst als Werkstattchef, dann als Mitbesitzer, und seit 2007 ist er zusammen mit seiner Frau Irene Mehrheitsaktionär der Firma.

Das Landei in der Grossstadt

Der Reihe nach: Der in Oberwil-Lieli aufgewachsene Röbi Koller hat in der Simca Suisse in Zürich Automechaniker gelernt und dort nach der Lehre zehn weitere Jahre gearbeitet.

In der Grossstadt habe er anfänglich zünftig «beissen» müssen: «Als Landei kam ich mir ziemlich fremd vor, und weil ich schulisch vorerst noch nicht auf dem gleichen Niveau war wie meine Kollegen, musste ich in den Zusatzunterricht.»

Seine Schultage hätten deshalb bis 20 Uhr gedauert, was den Heimweg kompliziert machte: «Nach Oberwil-Lieli fuhr um diese Zeit kein Bus mehr. Ich hatte die Wahl, entweder von Birmensdorf oder von Berikon aus nach Hause zu laufen», lacht der Garagist, der vielleicht gerade deshalb heute noch leidenschaftlich gerne zu Fuss unterwegs ist.

Ab 1981 arbeitete Koller, der mit Gattin Irene mittlerweile in deren Heimatdorf Sarmenstorf gezogen war, in der Garage Breitschmid in Wohlen. Bereits drei Jahre später kam der Wechsel in die Garage Elmiger in Waltenschwil.

Durch Zufall: Leni Elmiger, deren Mann Anton schwer erkrankt war, suchte verzweifelt einen Werkstattchef und sprach die ihr gut bekannte Irene Koller darauf an. Röbi gefiel es in Wohlen gut, er zeigte vorerst kein grosses Interesse. Eher seiner Frau zuliebe habe er gesagt: «De gömmer halt emol go luege.»

Es blieb nicht dabei. Am 1. September 1984 war sein erster Arbeitstag in der Garage Elmiger, am 12. September starb der Chef. Leni Elmiger übernahm die administrativen Belange in der gut eingeführten Nissan-Garage, Röbi Koller und Ruedi Amstutz, der nach seinem Lehrabschluss im Mai 1984 in Waltenschwil begonnen hatte, übernahmen die Werkstatt.

Ab 1997 selbstständiger Garagist

Röbi und Ruedi wurden bald ein gutes Team und entschlossen sich schliesslich auch, gemeinsam den Betrieb zu übernehmen, als ihnen dieser von Leni Elmiger zum Kauf angeboten wurde.

Im September 1996 wurde die AK Elmiger AG gegründet, mit Röbi und Irene Koller sowie Ruedi Amstutz als gleichberechtigte Partner. Ab 1. Januar 1997 kam die neue AG zum Tragen: Irene Koller übernahm den administrativen Bereich, Röbi Koller und Ruedi Amstutz blieben in der Werkstatt.

Neun Jahre später der Neubau. Ein Abenteuer, wie sich Röbi Koller erinnert: «Wir haben zuerst eine neue Werkstatt realisiert, dann die alte abgebrochen, an ihrer Stelle den neuen Showroom erstellt. Die Werkstatt blieb nur eine Woche geschlossen. Wir haben im Altbau noch an einem Auto geschraubt, als daneben bereits der Boden aufgerissen wurde.»

Mit dem Neubau änderte ab 2007 auch die Organisationsform: Aus der AK Elmiger AG wurde die Koller + Amstutz AG, in der Röbi und Irene Koller die Aktienmehrheit übernahmen.

Im Hinblick auf eine spätere Entwicklung des Betriebes wurde bald auch eine Nachbarliegenschaft übernommen. Das Haus ist vermietet, ein Teil des Grundstücks wird bereits als Abstellfläche für Occasionsfahrzeuge genützt.

Das Unternehmen hat sich in all den Jahren gut entwickelt. Der Garagenbetrieb geniesst einen sehr guten Ruf und ist vor allem auch für seinen guten Diagnostik- und Servicebereich bekannt. «Für uns war und ist die Kundenzufriedenheit das Mass aller Dinge. Darauf haben wir unsere Firmenphilosophie ausgerichtet und ich bin überzeugt, dass Adrian diese Philosophie so weiterführen wird», sagt Röbi Koller.

Die Branche, erklärt er weiter, sei allgemein härter geworden. Die Margen würden sinken und die Auflagen der Importeure steigen. Damit hätten alle Garagenbetriebe zu kämpfen. Die Chance liege im guten Service und allgemein in der Qualität der Arbeit, ist Röbi Koller überzeugt. Adrian, sagt er weiter, sei mit seiner Ausbildung zum Auto-Diagnostiker und der Weiterbildung zum diplomierten Betriebswirt der Autobranche für die hohen Anforderungen bestens gerüstet.

Er könne ihm den Betrieb mit gutem Gewissen übergeben: «Er hat sicher neue Ideen und wird versuchen, diese umzusetzen. Die bisherige bewährte Philosophie der Garage Koller + Amstutz wird sich aber sicher nicht ändern.»

Röbi Koller zieht sich weitgehend aus dem Erwerbsleben zurück, Gattin Irene wird vorderhand noch die Administration führen. Das Ehepaar bleibt auch im Verwaltungsrat des Unternehmens, den neu der 32-jährige Adrian Koller als Mitbesitzer und Geschäftsführer präsidiert. Das neue Regime gilt seit dem 1. April.

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