Was viele in Muri vermissten, kommt zurück: Im nächsten Jahr wird das Singisenforum wiedereröffnet, und zwar mit einer sehr speziellen Ausstellung. Die Räumlichkeiten im Singisenflügel der Klosteranlage sind, bis auf Details, fertig umgebaut. «Das neue Singisenforum wird im Umfeld von Museum Kloster Muri, Museum für medizinhistorische Bücher, dem ebenfalls neuen Museum Caspar Wolf die Brücke zur Gegenwart schlagen», freuen sich Heidi Holdener, Geschäftsführerin von Murikultur, und der Kunsthistoriker Peter Fischer, der als Beauftragter der Murianer Museumsentwicklung das Konzept erarbeitet hat und umsetzt. Als früherer Direktor des Kunstmuseums Luzern und nach fünf Jahren Leitung des Zentrums Paul Klee in Bern bringt der heute selbstständig arbeitende Hitzkircher die entsprechende Erfahrung mit.

Flexibel nutzbar

Das ehemalige Singisenforum musste vor vier Jahren dem heutigen Besucherzentrum weichen. Mit neu zur Verfügung stehenden Räumlichkeiten im Singisenflügel ergab sich die Möglichkeit, dieses Forum wieder einzurichten. Es sind drei Räume, ehemalige Mönchszellen, die miteinander verbunden sind.

Die Stiftung Murikultur habe ein zeitgemässes Projekt für die Fertigstellung des Innenausbaus des Singisenflügels entwickelt, stellt Fischer fest. Sein Herzstück besteht aus dem Museum Caspar Wolf. Als ergänzender Pol lebe das Singisenforum wieder auf. Mit einer flexibel nutzbaren Infrastruktur mache es, zusammen mit dem Singisen-Atelier für Kulturvermittlung, den Singisenflügel zu einem lebendigen Ort der Begegnung. Fischer sieht darin optimale Voraussetzungen, den «kleinen und exquisiten Museumsverbund in Muri zu komplettieren und entsprechend aufzuwerten».

Mit dem Singisenforum öffne sich das Haus für eine vielfältige Nutzung und werde dadurch für unterschiedliche Bevölkerungsschichten und Generationen attraktiv, stellt er fest. Das Forum wird sich zwei Schwerpunkten widmen: Einerseits zeige es interdisziplinäre Wechselausstellungen zu Themen der Murianer Museen, andererseits biete es der aktuellen regionalen Kunstszene eine Plattform und versuche dadurch den aktuellen künstlerischen Ausdruck und das Verständnis für diesen zu fördern.

Tiefe Eintrittsschwelle

Diese Plattform für aktuelle regionale Künstlerinnen und Künstler soll möglichst offen sein. «Aber wir schaffen hier nicht Raum für Hobby-Kunst», steckt Fischer den Rahmen ab. Auch für Holdener ist klar, dass die Eintrittsschwelle «nicht allzu hoch» sein darf, jedoch Kunstschaffende, die hier ihre Werke präsentieren, sich durch eine gewisse Qualität und Professionalität ausweisen müssen. «Es gilt, diesen Weg noch zu finden.»

Auch der Begriff Regionalität soll grosszügig, nicht nur auf die Bezirke Muri und Bremgarten beschränkt, ausgelegt werden. «Wir haben schon heute viele Besucherinnen und Besucher etwa aus dem angrenzenden Seetal oder dem Kanton Zürich, die das kulturelle Angebot in Muri gerne nutzen und geniessen», weiss Holdener. Schliesslich hat der Kanton Aargau Muri 2011 als einen der neun kulturellen Leuchttürme des Kantons ausgezeichnet und unterstützt Murikultur seither mit einem jährlichen Beitrag an den Betrieb der Geschäftsstelle. Mit dem Singisenforum bekommt dieser Leuchtturm (wieder) einen zusätzlichen Lichtstrahl.

Ausstellung und Dokumentation

Für die Eröffnungsausstellung im neuen Singisenforum, die voraussichtlich vom 6. April bis 17. November dauern wird, sind jetzt Freiämter Künstlerinnen und Künstler eingeladen, sich an einer aussergewöhnlichen Kunststafette (vergl. Kontext) zu beteiligen. «Dieses Format vermag mit einer grösseren Zahl von beteiligten Kunstschaffenden ein Publikum in die Murianer Museen zu locken, das vielleicht nicht primär an den klassischen, historischen Themen allein interessiert ist, dafür aber zu begeistern wäre», gibt Fischer seiner Hoffnung Ausdruck.

Zudem ruft die Stiftung Murikultur alle Freiämter Künstlerinnen und Künstler auf, eine Dokumentation ihres Schaffens einzureichen. Diese wird im Kontext des Singisen-Ateliers öffentlich aufgelegt und kann von allen Interessierten eingesehen werden. Erwünscht sind Unterlagen bis Format A4 (Biografie, Werkübersicht, aktuelle Werke, Kataloge oder Publikationen, aber keine Originale). Die Dokumentation kann von den Kunstschaffenden jederzeit aktualisiert werden, sie kann auch in elektronischer Form eingereicht werden (info@murikultur.ch).