Letzten Montag – genau eine Woche nachdem die kleine Enja (✝8) auf dem Heimweg von der Schule auf tragische Art und Weise ums Leben kam – tagte in Niederwil der Gemeinderat. Wichtigstes Traktandum: Die Verkehrssicherheit auf der Verbindungsstrasse zwischen der eigenen Gemeinde und dem Nachbardorf Nesselnbach zu erhöhen. 

Brutaler Unfall zwischen Niederwil und Nesselbach

Brutaler Unfall zwischen Niederwil und Nesselbach (12. September 2016)

Ein Autofahrer ist von der Strasse abgekommen und hat ein 8-jähriges Mädchen angefahren. Sie wurde mit schweren Verletzungen ins Spital gebracht.

«Bereits im letzten Frühjahr», erklärt Gemeindeammann Walter Koch auf Anfrage der az, «hat der Gemeinderat eine Befragung zur Ausserorts-Strecke durchgeführt. Schon damals wurden erste Stimmen laut, das Tempo auf 60 Stundenkilometer zu reduzieren.» Das flächendeckende Verkehrsberuhigungskonzept sei von der Stimmbevölkerung jedoch mit einer Zweidrittelsmehrheit abgelehnt worden.

Nach dem traurigen Unfall von vergangener Woche unternimmt die Gemeinde nun also einen neuen Anlauf, die Sicherheit auf dem Schulweg zu verbessern. In einem ersten Schritt sollen Gespräche mit den Verkehrsexperten des Kantons sowie der Regionalpolizei aufgenommen werden. Dabei wolle man alle möglichen Optionen zur Erhöhung der Verkehrssicherheit auf der Niederwilerstrasse abklären, wie Koch erklärt. «Der Gemeindeschreiber ist damit beauftragt, einen Termin im Oktober zu finden», so der Gemeindeammann. 

Tempolimits alleine reichen nicht

Eine wahrscheinliche erste Massnahme auf der Niederwilerstrasse ist die Reduktion des Tempolimits von heute 80 auf 60 Stundenkilometer. Doch wie sinnvoll ist diese Massnahme auf der übersichtlichen Ausserorts-Strecke? Wird die Strasse dadurch wirklich sicherer?

«Geschwindigkeitsbeschränkungen können ein Mittel für mehr Verkehrssicherheit auf der Strasse sein, doch sie müssen auch eingehalten werden», erklärt Kai Schnetzler, Leiter Sektion Verkehrssicherheit beim Departement Bau, Verkehr und Umwelt des Kantons Aargau. Er erinnert daran, dass die maximalen Geschwindigkeiten nur gelten, wenn es die Umstände erlauben. «Jeder Autofahrer muss sein Tempo den Gegebenheiten anpassen und es bei Nebel, Nässe und anderen Gefahren drosseln.»

Um ausserorts die Tempolimite zu ändern, braucht es die Zustimmung des Kantons und die neue Signalisation muss vor Inkraftsetzung öffentlich ausgeschrieben werden.

Interessen berücksichtigen und Kompromisse eingehen

Weitere Massnahmen wie die Ergänzung der Strecke um Führungslinien und Leitplanken oder die Befahrung nur Anwohnern zu gestatten, seien laut Schnetzler alle denkbar. «Es liegt nun an der Gemeinde, nach dem tragischen Unfall die geeignetsten Massnahmen abzuwägen.»

Aus Erfahrung weiss der Experte: «Die Verkehrssicherheit ist den Gemeinden ein grosses Anliegen. Geht sie aber ins Geld, müssen meist verschiedene Interessen berücksichtigt und Kompromisse eingegangen werden.»

War der Unfallfahrer von Niederwil übermüdet?

War der Unfallfahrer von Niederwil übermüdet? (15. September 2016)

Als er das 8-jährige Mädchen überrollte, war der Unfallfahrer auf dem Heimweg von seiner Nachtschicht. Wie gefährlich ist Nachtarbeit?

Diese Diskussionen werden in den nächsten Wochen auch in Niederwil geführt. Gemeindeammann Koch: «Wir sind zuversichtlich, dass wir zum Wohle der Strassen- und der Velowegbenützer die Sicherheit erhöhen können. Meinen Kollegen vom Gemeinderat und mir ist es wichtig, etwas zu ändern, schliesslich ist das auch ein Anliegen vieler Dorfbewohner.»