Einwohnerrat Wohlen

Nach Pattsituation entschied der Präsident: Das Bahnhofsfest findet statt

Der fertige neue Busbahnhof darf in einem Jahr mit einem grossen Fest gefeiert werden.

Der fertige neue Busbahnhof darf in einem Jahr mit einem grossen Fest gefeiert werden.

Der Wohler Einwohnerrat konnte sich nicht entscheiden. 20 waren für und 20 gegen eine Durchführung des Einweihungsfestes für den neuen Bahnhofplatz. Schliesslich fällte der Präsident den Stichentscheid für ein Bahnhofsfest vom 3. bis 5. September 2021.

In letzter Zeit ist der Wohler Einwohnerrat – wenn er aufgrund von Corona überhaupt tagen darf – immer wieder für Überraschungen gut. Zum ersten Mal seit langem waren alle 40 Rätinnen und Räte von Beginn weg anwesend. Und dann das: Das Bahnhofsfest, das in fast genau einem Jahr den neuen Bahnhofplatz einweihen soll, darf stattfinden. Und das für einen geschätzten Kostenvoranschlag von 140’000 Franken. Doch davor gab es emotionale Diskussionen im Rat.

Zuallererst stellte Denise Strasser (FDP) einen Rückweisungsantrag. «Der Wohler Bahnhof hat klar ein Fest verdient, aber muss man gleich mit der grossen Kelle anrühren?», fragte sie in die Runde. Sie wünschte sich ein Grobkonzept des Festes, das 100’000 Franken nicht übersteigen sollte. Doch Gemeindeammann Arsène Perroud hielt dagegen: «Wir brauchen heute eine Entscheidung: Wollen wir ein Fest, so wie es der Gemeinderat ausgearbeitet hat, oder wollen wir keines. Alles dazwischen ist allein schon vom zeitlichen Aufwand für die Organisation eines so grossen Festes her unmöglich.» Dem konnte eine klare Mehrheit zustimmen, die Rückweisung war vom Tisch. Aber das bedeutete noch überhaupt nicht, dass das Fest in trockenen Tüchern war.

Auch ein Fest für die Eingangspforte Anglikon?

Laura Pascolin (SP) erinnerte an das Bahnhofsfest 1983. «21 Festbeizli, ein historischer Markt mit 65 Ständen, ein Riesenrad und die grösste Berg- und Talbahn mit Discosound», rief sie jenen Ratsmitgliedern in Erinnerung, die genug alt sind, um es miterlebt zu haben. «Damals waren wir stolz auf unseren Bahnhof. Und das sind wir auch jetzt.» Sie verstand die Argumente, dass das wegen Corona verschobene Jugendfest und das Bahnhofsfest sehr nahe aufeinander fallen würden, und dass überhaupt noch nicht sicher sei, ob ein Fest wegen Corona überhaupt durchführbar sein werde. «Für mich wäre auch ein Bahnhofsfest im Jahr 2022 eine Alternative. Kein Bahnhofsfest wäre hingegen keine Alternative.»

Peter Christen (SVP) hielt dem entgegen, dass die logische Konsequenz eines solchen Festes sei, dass es auch ein Fest fürs neue Schulhaus geben müsse. Und für die neue Turnhalle. Und für die Eingangspforte in Anglikon? Nachdem seine Ratskollegen zu lachen aufgehört hatten, fügte er hinzu: «Wir sollten uns mit den Festen zurückhalten.» Denn wie auch Simon Sax (GLP) betonte: «Bei der Wohler Finanzlage sollten wir auf Wahlausgaben verzichten.»

So knapp, wie ein Ja zum Fest nur ausfallen kann

Nach der emotionalen Debatte waren am Ende die Stimmenzähler gefragt. Tatsächlich mussten sie zweimal zählen, denn beim ersten Versuch war ihnen eine Stimme abhanden gekommen. Doch auch das zweite Resultat war kaum fassbar: Da alle 40 Rätinnen und Räte anwesend waren, war es möglich, dass sie mit 20 Ja- gegen 20 Nein-Stimmen eine Pattsituation erzielten. Diese wird laut Gesetz vom Präsidenten Meinrad Meyer (CVP) entschieden, der sich für ein Bahnhofsfest aussprach. Der Bahnhof darf also – wenn es Corona denn zulässt – in einem Jahr drei Tage lang gefeiert werden.

«Und heiraten könnt ihr bei mir übrigens auch»

Das andere Traktandum, das länger diskutiert wurde, war ein Kredit von 121’000 Franken fürs regionale Zivilstandsamt. Laut Bundesvorgabe hat es bis Ende 2020 Zeit, um die Digitalisierung/Mikroverfilmung sowie die Abschlusskontrolle der Familienregister fertigzustellen. Weil das nicht machbar ist, wurde eine Fristverlängerung bis 2022 erwirkt. Doch auch bis dahin könne das während der normalen Arbeitszeiten schlichtweg nicht umgesetzt werden. Einstimmig hiess der Rat den Kredit gut. Harry Lütolf (CVP) liess es sich aber nicht nehmen, noch zu erwähnen: «Ich bin wohl der einzige eidgenössische Zivilstandsbeamte im Saal. Wenn ich Zeit hätte, würde ich gern helfen. Und heiraten könnt ihr bei mir übrigens auch.»

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