Oberwil-Lieli

Nach hitziger Debatte: Schulpflege reicht Rücktritt ein, Schulleiterin kündigt – was ist passiert?

Der Gemeindeammann ist von den Rücktritten und der Kündigung überrascht. (Symbolbild)

Der Gemeindeammann ist von den Rücktritten und der Kündigung überrascht. (Symbolbild)

Nach der Gemeindeversammlung in Oberwil-Lieli hat die Schulpflege ihre Rücktritte eingereicht und die Schulleiterin hat gekündigt.

Hitzige Gemeindeversammlungen, das kennt man. In der Gemeinde Oberwil-Lieli wurde aber derart heftig debattiert, dass die Betroffenen Konsequenzen ziehen. Die drei Mitglieder der Schulpflege (Elisabeth Strebel, Andreas Jost und Marc Wyss) treten geschlossen per 9. Februar 2020 zurück und auch die Schulleiterin Alexandra Köchli will nicht mehr weitermachen. Sie hat auf Ende des Schuljahrs gekündigt. Beides ist den beiden Briefen an die Eltern zu entnehmen, in denen Schulpflege und Schulleitung ihre Entscheidung mitteilen.

«Wir demissionieren unter anderem wegen dem Umgang an der Gemeindeversammlung», schreibt die Schulpflege. Man hätte eine kritische und nicht vertrauensvolle Haltung gegenüber ihrer Arbeit und Fachkompetenz gespürt, «was unseren Entscheid wesentlich beeinflusst hat.» Schulleiterin Köchli ihrerseits schreibt den Eltern: «Es liegen einige harte und emotionale Tage hinter mir.»

Was ist passiert? An der Gemeindeversammlung vom 22. November war als sechster Punkt die Schulsozialarbeit an der Primarschule Oberwil-Lieli traktandiert. Der Antrag der Schule: Die Einführung von Schulsozialarbeit in einem 30-Prozent-Pensum. Kostenpunkt: 39'000 Franken im Jahr. «Eine Luxusvariante», so die Meinung des Gemeinderats, der als Gegenvorschlag ein 10-Prozent-Pensum den anwesenden Stimmbürgern vorschlug.

«Das Problem ist nicht, dass die Mehrheit sich gegen unseren Antrag entschieden hat», so Elisabeth Strebel, Präsidentin der Schulpflege, die seit über zehn Jahren dem Gremium angehört und schon diverse zurückgewiesene Anträge vom Gemeinderat habe einstecken müssen. «Das Problem ist die Art und Weise wie die Diskussion geführt worden ist. Aus Sicht der Schulpflege respektlos, aggressiv und themenfremd.» So sei die Schulsozialarbeit mit den Themen Integration und soziale Unterschicht vermischt worden und es hätte sich eine aufgeheizte Stimmung gegenüber den Schulbehörden manifestiert.

Ähnlich drückt sich die Schulleiterin aus. Alexandra Köchli schreibt auf Nachfrage der AZ, dass sie um ihre Funktion als Schulleiterin ausüben zu können, auf die wertschätzende und wohlwollende Zusammenarbeit mit allen involvierten Personen und Behörden angewiesen sei. «Die Art und Weise der gewählten Kommunikation an der Gemeindeversammlung liess diese Werte unabhängig davon, ob man für oder gegen die Einführung der Schulsozialarbeit war, in einem solch hohen Masse vermissen, dass mir die Grundlage für eine weitere Zusammenarbeit leider entzogen wurde.»

Ammann empfand Debatte als «eher moderat»

Gemeindeammann Ilias Läber ist von den Rücktritten und der Kündigung überrascht. «Wer einmal an einer Gemeindeversammlung war, der weiss, da gibt es kontroverse Diskussionen, da wird hitzig debattiert», sagt Läber. «Die Debatte vom 22. November habe ich im Vergleich zu früheren als eher moderat empfunden.» Er könne jedoch verstehen, dass die Mitglieder der Schulpflege und die Schulleiterin enttäuscht über die Abstimmungsniederlage seien. Doch die Gemeinde hätte das Anliegen nicht abgewiesen, «sondern sich für einen Kompromiss entschieden. Mit dem 10-Prozent-Pensum können wir Erfahrungen sammeln und sehen, was es tatsächlich bringt.» Der Gemeindeammann bedauert die Entscheide der Schulverantwortlichen. «Wir sind sehr zufrieden mit unserer Schule.»

Bedauern gibt es auch auf der anderen Seite: Ihr seien die Schülerinnen und Schüler und das Lehrerteam ans Herz gewachsen, schreibt Köchli. «Gerne hätte ich die Schule weiterhin geleitet, was aber bedeutet hätte, dass ich meine Ideale in Bezug auf Wichtigkeit der Bildung zurückgestellt hätt.» Und Strebel sagt: «Ich hänge an dieser Schule. Aber ich habe keine Kraft mehr. Ich wünsche der Schule nur das Beste. Ein Neustart kann auch eine Chance sein.»

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Autor

Fabio Vonarburg

Fabio Vonarburg

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