«So extrem wie noch nie», beschreibt Martin Schmid die Situation beim Futter für seine Kühe nach der langen Trockenheit. Der Gipf-Oberfricker Landwirt hat gestern für seine 50 Kühe eine grosse Menge an Futtermais einkaufen müssen.

Mais, das er nun in seinem Hofsilo einlagern und nach und nach verfüttern wird. Normalerweise würde die Ernte der eigenen Maisfelder für seine Tiere reichen, nicht so in diesem Jahr.

Der heisse, trockene Sommer hat zur Folge, dass nicht nur mengenmässig weniger Mais wächst, sondern auch dessen Qualität zu wünschen übrig lässt. «An vielen Kolben sind nur zur Hälfte Maiskörner gewachsen, der Rest ist leer», sagt denn auch Wendelin Stäuble.

Der Sulzer Landwirt baut für seine Kühe den Mais nicht selber an, sondern kauft ihn ein. Die grosse Nachfrage nach den gelben Körnern wird sich in diesem Jahr auch mit einem höheren Preis als üblich bemerkbar machen, sind mehrere Fricktaler Bauern überzeugt.

Nicht nur der Mais als Viehfutter ist Mangelware. Aufgrund der Trockenheit ist auch das Gras auf den Wiesen und Weiden langsamer oder gar nicht gewachsen. «Normalerweise machen wir bis zu fünf Schnitte pro Jahr.

Bisher habe ich zwei gemacht. Ob es noch einen weiteren Schnitt geben wird, weiss ich nicht», sagt Martin Schmid. Wo nicht viel geschnitten werden kann, kann auch nicht wirklich viel gefressen werden.

Sind die Kühe auf der Weide, finden sie auf den verdorrten Flächen nicht wirklich viel Essbares. Das führt wiederum dazu, dass zahlreiche Bauern auf die Wintervorräte zurückgreifen müssen.

Zuckerrübenschnitzel

Bei der Landi Frila in Eiken stehen zurzeit zwei Futtermittel ganz besonders hoch im Kurs: Luzerneheu und Zuckerrübenschnitzel. Wendelin Stäuble, er steht der Landi Frila Genossenschaft als Präsident vor, erklärt, dass die beiden begehrten Futterstoffe zwar bestellt werden können, wie es mit der Lieferung insbesondere bei den Zuckerrübenschnitzeln aussehen wird, sei noch offen.

Die Zuckerrüben haben unter der Trockenheit ebenfalls gelitten. Menge und Qualität werden sich erst mit der Ernte zeigen, die im September beginnt.

Eine andere Art, dem Mangel an Futtermittel zu begegnen, ist die Reduktion des Viehbestands. Normalerweise gibt es in dieser Jahreszeit eher wenig Schlachtvieh. In diesem Sommer sei das anders, weiss Wendelin Stäuble.

Er selbst hat seinen Viehbestand aufgrund der aktuellen Futtersituation um einen Viertel verkleinert. Seine Tiere wurden aber nicht zur Schlachtbank geführt, sondern als Milchkühe verkauft.

Der trockene Sommer macht es den Landwirten nicht einfach, ihre Betriebe in gewohntem Rahmen zu bewirtschaften. Wendelin Stäuble betont aber: «Es ist nichts im Vergleich mit dem heissen Sommer 2003. Der war viel schlimmer.

Ich habe damals schon sehr früh das ganze Winterfutter verfüttern müssen.» Er geht davon aus, dass das Gras auf den Weiden bis in zwei, drei Wochen genug hoch ist, damit sich die Kühe daran nochmals satt fressen können.