Muri
Nach fünf Jahren die 100er-Grenze gesprengt

600 Läuferinnen und Läufer am Herbstlauf, 109 am fünften Waffenlauf und erneut eine tolle Atmosphäre.

Toni Widmer
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Das Rekordfeld nach dem Start auf der Sportanlage Bachmatten – noch nie machten so viele Läuferinnen und Läufer am Waffenlauf in Muri mit. Toni Widmer

Das Rekordfeld nach dem Start auf der Sportanlage Bachmatten – noch nie machten so viele Läuferinnen und Läufer am Waffenlauf in Muri mit. Toni Widmer

Toni Widmer

«Ein tolles Feld», freut sich Willi Lüthi und feuert die vorbei rennenden Waffenläufer an. Viele davon kennt der 78-jährige Bünzer mit Namen. Und die meisten kennen ihn. Der langjährige Präsident der Läufer-Vereinigung Freiamt (LVF) hat seit 1958 an 425 Waffenläufen teilgenommen. Bis im vergangenen Jahr hielt er damit einen einsamen Rekord. Mittlerweile hat ihn der Neeracher Heiri Gehrig überholt. Er war am Samstag in Muri zum 432. Mal am Start. Für Willi Lüthi kein Problem: «Ich habe den Krebs besiegt und lebe seit über 20 Jahren mit einem Stoma, habe nach einem Oberschenkelhalsbruch zwei Metallschrauben im Bein und diesen Frühling musste ich mich auch noch am Rücken operieren lassen. Aber ich kann immer noch laufen», erklärt er stolz.

Rekorde strebe er keine mehr an. Er nehme es bei den Walkern heute eher gemütlich. Und mit Waffenläufen sei im nächsten Jahr sowieso Schluss: «Ich hoffe, ich kann dieses Jahr noch in Burgdorf starten und dann im nächsten Jahr in Wiedlisbach, wenn dort das grosse Jubiläum ‹100 Jahre Waffenlauf› gefeiert wird. Da möchte ich unbedingt noch einmal mitlaufen, wenn es irgendwie geht.»

Initiant des Murianer Waffenlaufs

Willi Lüthi hat in den vergangenen 60 Jahren nicht nur an unzähligen Waffenläufen und zivilen Laufwettbewerben teilgenommen, er hat sich auch stets sehr für die Förderung des Laufsports eingesetzt. In der LVF arbeitete er fast 30 Jahre im Vorstand mit und noch heute kann der Verein auf ihn als Helfer zählen. Am Samstag beispielsweise, hat er zusammen mit seiner Partnerin die Tenue für den Waffenlauf herausgegeben.

Zusammen mit Stephan Meier hat er vor fünf Jahren auch den Murianer Waffenlauf ins Leben gerufen. 92 Teilnehmerinnen und Teilnehmer kamen zum Auftakt, 109 waren es am 5-Jahr-Jubiläum. Für Lüthi eine Genugtuung. Er hat als aktiver Läufer die grossen Zeiten des Waffenlaufs in der Schweiz erlebt. Doch die legendären Veranstaltungen mit zeitweise über 1000 Teilnehmern – Frauenfelder, Wiedlisbacher, Krienser, Toggenburger, Zürcher, Altdorfer oder Reinacher – gibt es alle nicht mehr.

Neue Veranstalter sind in Bresche gesprungen. Neben Muri gibt es im Aargau mittlerweile Waffenläufe in Wohlen, Kaisten, Lenzburg und im Fricktal. Doch sie ziehen weder Läufer und Publikum in Massen an, noch wird in den Medien gross darüber berichtet.

Willi Lüthi hat eine Idee, wie man die Schweizer Waffenlauftradition wieder beleben könnte: «Die Rekrutenschulen müssten die Teilnahme an einem Waffenlauf in ihr Programm aufnehmen und dafür einen Tag Kompensation in Form von Urlaub gewähren. Vielleicht könnten wir so wieder mehr junge Leute begeistern.» In Muri waren die junge Generation und auch die Frauen recht gut vertreten.

Die Bedingungen seien heute nicht mehr so hart wie früher: «In den ersten Jahren gingen wir noch im Tenü Grün an den Start, der ‹Wolf› (aufgescheuerte Innenseiten der Oberschenkel) war garantiert. Und gelaufen sind wir in den normalen schweren Ordonnanz-Schuhen.» Die Kämpfer heute seien vergleichsweise leicht und relativ bequem und Turnschuhe seien seit vielen Jahren erlaubt, erklärt Lüthi. Die Packung ist immer noch Pflicht. Bei den Männern muss der Rucksack mit Gewehr 6,5 Kilo wiegen, bei den Frauen ohne Gewehr 5,5 Kilo.

Gewonnen hat den Waffenlauf in Muri über 14,81 Kilometer Erwin Haas, Langenthal in der Spitzenzeit von 58 Minuten und 46 Sekunden.

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