Fall Anna
Nach Flucht aus Frankreich: Grossmutter für zwei Monate in U-Haft

Die Bremgarterin Martina Hess, die sich Mitte Mai mit ihrer 9-jährigen Enkelin Anna (Name geändert) nach Frankreich abgesetzt hatte, befindet sich nach ihrer Rückkehr in Untersuchungshaft. Die Behörden nennen als Grund Verdunkelungsgefahr.

Mario Fuchs
Merken
Drucken
Teilen
Martina Hess bei ihrer Ankunft in Basel.

Martina Hess bei ihrer Ankunft in Basel.

Tele M1

Dies bestätigt am Montag Fiona Strebel, Sprecherin der Aargauer Staatsanwaltschaft, gegenüber der az. Die Staatsanwaltschaft habe für die 65-jährige Bremgarterin eine 2-monatige U-Haft beantragt, das Zwangsmassnahmengericht habe dem Antrag stattgegeben.

Als Grund wird Kollusionsgefahr, besser bekannt als Verdunkelungsgefahr, genannt. Dies bedeutet: Die Behörden haben dringenden Verdacht, Martina Hess könnte Zeugen beeinflussen, die noch nicht einvernommen wurden, oder Beweismittel vernichten.

Selbstständig zurückgekehrt

Martina Hess war am Dienstag, 9. Juni, selbstständig im Zug in die Schweiz zurückgekehrt und hatte sich daraufhin selbst der Polizei gestellt. In Frankreich hatte sie unter behördlichem Hausarrest gestanden, bis ein Gericht zusammengekommen wäre, das über ihre Auslieferung an die Schweiz entschieden hätte.

Über ihre erneute Flucht sagte sie vor einer Woche: «Ich bin aus Frankreich ausgereist, weil man mir sagte, dass es noch Jahre dauern könne, bis mein Fall hier verhandelt wird. Ich hatte das Gefühl, dass die französischen Behörden kein Interesse haben, mich in die Schweiz ausreisen zu lassen.»

Und weiter: «Ich komme zurück, um den Schweizer Behörden mitzuteilen, dass meine Enkelin Anna mich gebeten hat, sie in Sicherheit zu bringen. Mein Sohn Benjamin Hess hatte mit unserer Flucht nach Frankreich nichts zu tun.»

Inzwischen schaltete Vater Beni Hess online eine Petition auf, die sich gegen den Bundesgerichtsentscheid über Annas Rückführung stellt. Er kritisiert: «Es wurden keine Abklärungen zum Herkunftsland Mexiko getroffen. Durch die momentane Situation in Mexiko werden die Grundrechte des Kindes massiv verletzt.»

Der Bundesstaat, in den die bald 10-jährige Anna nach ihrer Rückführung wohnen würde, ist immer mehr vom Drogenkrieg betroffen, wie lokale Medienberichte und Reisewarnungen der US-amerikanischen Regierung zeigen.