Wohlen
Nach Fahnenschwingerkurs: «Ich hätte nicht gedacht, dass es so anstrengend ist»

Profis zeigten an einem Schnuppertag die Kunst des Fahnenschwingens – und überraschten die Teilnehmer. Gerade für gestresste Leute ist dieser Sport ideal. Wieso, erklärt der Obmann des Fahnenschwingervereins Nordwestschweiz.

Dominique Bitschnau
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Der 17-jährige Dario Meier aus Dintikon lässt sich das Fahnenschwingen zeigen. «Gar nicht so einfach», staunt er.

Der 17-jährige Dario Meier aus Dintikon lässt sich das Fahnenschwingen zeigen. «Gar nicht so einfach», staunt er.

«Ein Pilatusstich, ein Bürgerstöckler, ein Rigihoch» – Daniel Brändli erklärt in der Turnhalde Halde seinen Zuschauern geduldig, was er macht. Es geht aber nicht um eine Wanderung auf Schweizer Berge, sondern ums Fahnenschwingen, eine Tradition, die heute fast ausgestorben ist – könnte man meinen. «Es stimmt. Wir führen hier in der Nordwestschweiz ein Mauerblümchen-Dasein», gibt der Obmann des Fahnenschwingervereins Nordwestschweiz Daniel Brändli zu. In der Zentralschweiz sei das Fahnenschwingen jedoch viel populärer. Der Obmann möchte auch hier in der Umgebung mehr Leute für die Sportart begeistern. Aus diesem Grund hat er zu einem Schnuppertag im Fahnenschwingen eingeladen.

Nicht viele sind gekommen. Aber die anwesenden Interessierten, gehen mit viel Elan ans Ausprobieren. «Es ist schwierig, gleichzeitig zu koordinieren und das Gleichgewicht zu halten», findet Martin Schoch. Er ist extra aus Zürich angereist. Auch Dario Meier aus Dintikon meint: «Ich hätte nicht gedacht, dass es so anstrengend ist.» Mit seinen 17 Jahren ist er der Jüngste unter den Besuchern und wäre auch unter den Vereinsmitgliedern weit unter dem Durchschnittsalter. Von den insgesamt 37 Mitgliedern sind vier Jugendliche dabei. «Wir sind sehr stolz auf diese vier Buben», meint Brändli.

Sport, Meditation, Geselligkeit

Brändli weiss, dass es schwierig ist, Jugendliche für das Fahnenschwingen zu begeistern. In der Nordwestschweiz ist die Tradition nicht verankert und zudem: «In der heutigen Zeit muss alles schnell gehen», erklärt Brändli. Viele Junge hätten keine Geduld und Zeit, das Fahnenschwingen zu erlernen. Etwa mit zwei Jahren muss gerechnet werden, um die Kunst richtig zu beherrschen. «Aber gerade für gestresste Leute ist das Schwingen ideal», so der Obmann. Es sei ein langsamer Sport, der viel Konzentration benötige. Für Brändli ist Fahnenschwingen eine Art Meditation. «Wenn ich am Schwingen bin, vergesse ich meine ganze Umwelt und kann ganz abschalten.»

Nebst etlichen Auftritten an Jodelfesten und Geburtstagen – einmal sogar vor dem Papst und in Neuseeland – treten die Vereinsmitglieder auch im Wettkampf an. In einer dreiminütigen Darbietung müssen sie ihr Können unter Beweis stellen. Jede Bewegung muss präzise sein, die Fahne darf nie runterfallen.

Was an solchen Festen natürlich auch nie fehlt, ist Geselligkeit. «Es ist ein multifunktionaler Sport», findet Daniel Brändli. Die Kameradschaft sei ebenso wichtig. Das merkt man den Vereinsmitgliedern am Schnuppertag an. Geduldig und mit viel Begeisterung erklären sie den Besuchern ihre Kunst. Bei manchen fällt die Fahne oft runter, andere versuchen schon die ersten Sprünge. Die Stimmung ist ausgelassen und fröhlich. Und wer weiss, vielleicht liegt Fahnenschwingen nach diesem Tag ja schon bald wieder im Trend.