Zufikon
Nach der Pensionierung zurück in die Primarschule

Senioren helfen im Unterricht und erklären den Schülern was im Unterricht noch nicht ganz klar wurde. Das freut Schüler und Lehrer.

Dominic Kobelt
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Joe Aranya hat 30 Jahre lang als Informatiker gearbeitet – jetzt hilft er Primarschülern bei Rechenaufgaben.

Joe Aranya hat 30 Jahre lang als Informatiker gearbeitet – jetzt hilft er Primarschülern bei Rechenaufgaben.

Dominic Kobelt

Joe Aranya ist 67, dienstags und donnerstags geht er an die Uni und am Mittwoch in die Primarschule Zufikon. Während er an der Senioren-Universität Zürich mit anderen Pensionierten Vorlesungen besucht, Sport treibt oder auch mal mit ihnen feiert, kommt er in die Primarklasse 5B, um den Schülerinnen und Schülern bei den Aufgaben zu helfen.

Gestern waren unter anderem Dreisatzrechnungen das Thema. Kein Problem für Aranya, der 30 Jahre lang als Informatiker bei der UBS gearbeitet hat. Dass er jetzt den Kindern hilft, auszurechnen, wie weit ein Gewitter entfernt ist, wenn Blitz und Donner soundsoviele Sekunden auseinander liegen, macht ihm sichtlich Freude. «Bis jetzt hatte ich viel Glück im Leben. Ich habe eine liebe Familie, geniesse meine Zeit mit Kollegen und Nachbarn, hatte einen guten Job. Ich fühle mich sehr gut in die Gesellschaft eingebettet und möchte ihr einen Teil von meinem Glück zurückgeben», beschreibt er seine Motivation.

Eine Bereicherung

Aranya ist ein Mensch, der gerne hilft: Nach seiner Pensionierung hat er über fünf Jahre bei der Schweizer Tafel mitgeholfen und nicht mehr verkaufbare, jedoch noch einwandfreie Lebensmittel an bedürftige Menschen verteilt. Eines Tages hat er in der Zeitung ein Inserat von Pro Senectute Aargau entdeckt, die für das Projekt «Generationen im Klassenzimmer» Senioren suchte. «In einem persönlichen Gespräch wurde nach Ausbildung, Erfahrung, Motivation und Verfügbarkeit gefragt», erinnert sich der Zufiker, «dann wurden die Rahmenbedingungen, Aufgabenbereiche und Einsatzgebiete diskutiert.» Seit letztem November begleitet er nun die Klasse 5B. Lehrer David Graf ist froh um die Unterstützung. «Es ist eine Bereicherung. Joe kommt in den Unterricht, und hilft, wo er kann. Die grösste Schwierigkeit ist wohl, dass er nur am Mittwochmorgen da ist.» Der Senior unterstützt die Klasse aber nicht nur im Unterricht, sondern hat die Schülerinnen und Schüler auch schon auf Ausflüge begleitet, beispielsweise auf die Kunsteisbahn. «Das ist natürlich toll, weil es immer schwierig ist, Begleitpersonen zu finden», sagt Graf.

Auch die 11 Mädchen und 13 Jungs aus der Klasse 5B sind zufrieden. Sie durften nach zwei Monaten ein Feedback geben, das durchweg positiv ausfiel. Nur etwas bereitet Aranya Mühe: «Ich habe ein schlechtes Namensgedächtnis», sagt er schmunzelnd und nimmt eine Karte hervor. Auf ihr sind Fotos all seiner Schützlinge abgebildet, mitsamt Namen.

Persönliche Bereicherung

Die Primarklasse sei sehr aktiv, lebhaft und aufmerksam, erzählt Joe Aranya. «Ich freue mich, dass ich dem Lehrer helfen und die Schüler unterstützen kann, sei es in Mathematik, in Realien, in Orthografie oder wo auch immer. Ich lerne selbst aber auch einiges dazu – die Aktivitäten im Klassenzimmer sind eine persönliche Bereicherung für mich.»

Generationen im Klassenzimmer

Abbau von Vorurteilen

Eine Begegnung zwischen Jung und Alt ermöglichen – dies ist das Ziel von «Generationen im Klassenzimmer». In Zusammenarbeit mit interessierten Schulen lancierte Pro Senectute Aargau dieses Angebot. Im Vordergrund stehen die Bereicherung auf der Beziehungsebene und das Abbauen von Vorurteilen. Die Seniorinnen und Senioren besuchen während mindestens eines Quartals jeweils einen Halbtag pro Woche eine Schulklasse. An diesem halben Tag begegnen sich drei Generationen im Schulzimmer. Die Kinder erhalten eine zusätzliche Bezugsperson. Die Seniorinnen und Senioren werden als unterstützende Klassenbegleitung und als Mensch geschätzt und können ihre Fähigkeiten einbringen. (az)

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