Hägglingen

Nach dem WM-Gold träumt der Kung-Fu-Kämpfer von einer eigenen Schule

Kung Fu ist für ihn zu einer Lebensphilosophie geworden: Salvi Ferrara.

Kung Fu ist für ihn zu einer Lebensphilosophie geworden: Salvi Ferrara.

Salvi Ferrara hat an der Kung-Fu-Weltmeisterschaft drei Einzelmedaillen und eine weitere mit dem Schweizer Team gewonnen. Viel Zeit hat er zuletzt in seine Ausbildung als medizinischer Masseur investiert - die mit seinem grossen Traum zusammenhängt.

Salvi Ferrara ist hoch konzentriert, als er für das Fotoshooting einige Figuren seiner Kung-Fu-Säbelform präsentiert. Zischend atmet er aus, während er elegant und mit viel Schwung die Endposition einnimmt. Seine blauen Augen sind stechend, der Blick fokussiert.

Dass der 42-Jährige aus Hägglingen die Formen im Dunklen und auf dem vom Regen durchnässten und rutschigen Rasen präsentieren muss, statt in der direkt daneben liegenden Halle, wo er sonst trainiert, spielt für ihn keine Rolle. Im traditionellen Shaolin Kung Fu, dessen Anfänge weit über 1000 Jahren zurückgehen und im Shaolin-Tempel Chinas liegen, wird die Kampfkunst fast ausschliesslich draussen praktiziert. Ab und zu in der Natur, zumeist jedoch in den engen Gassen und Hinterhöfen.

Tradition und Sport vereint

Shaolin Kung Fu ist ein Kampfsport, der zu Selbstverteidigungszwecken eingesetzt wird. Korrekt ausgeführt, sind einige Techniken tödlich. Aus diesem Grund präsentieren die Kung-Fu-Kämpfer ihre Formen jeweils alleine. Vergleichbar mit einer Kür beim Eiskunstlaufen. Doch für Salvi Ferrara ist Kung Fu weit mehr als bloss ein Kampfsport. Für ihn ist es zu einer Lebensphilosophie geworden. Mehrmals weilte er bereits in China, um die alte Tradition und die Kampfkunst von einem Shaolin-Grossmeister zu erlernen.

Und auch in der Schweiz besucht er regelmässig den Shaolin-Chan-Tempel in Obernau, wenige Fahrminuten ausserhalb von Luzern. Dort setzt er sich intensiv mit der Tradition und den kulturellen Aspekten des Shaolin Kung Fu auseinander, meditiert, trainiert und hilft wenn nötig beim Unterrichten anderer Kung-Fu-Schüler. «Das Shaolin Kung Fu mit all seinen Facetten fasziniert mich. Ich bin ein anderer, ein ruhigerer Mensch geworden, seit ich mich intensiv damit befasse», ist Salvi Ferrara überzeugt. Es überrascht daher nicht, dass er – gefragt nach seinem grossen Traum – folgendes antwortet: «Schön wäre es, einmal eine Kung-Fu-Schule zu eröffnen. Aber nicht einfach irgendwo in einem Keller oder einer Turnhalle, sondern an einem schönen Ort.»

Fitnessinstruktor und Masseur

Noch ist dieser Traum allerdings Zukunftsmusik. In den letzten drei Jahren hat sich Salvi Ferrara, der in Seon seit zwanzig Jahren als selbstständiger Fitness- und Sporttrainer arbeitet, weniger intensiv mit dem Kung Fu befasst. Zwar trainierte er noch immer täglich, doch die Besuche im Tempel musste er reduzieren. «Ich habe neben meiner Arbeit als Fitnessinstruktor eine Ausbildung als medizinischer Masseur begonnen und deswegen hat mir schlicht die Zeit gefehlt», so Ferrara.

Doch auch die zusätzliche Ausbildung hängt mit dem Traum der eigenen Kung-Fu-Schule zusammen. «Mein Ziel ist es, ein guter Kung-Fu-Kämpfer zu sein, aber auch ein grosses medizinisches Wissen zu haben. Diese beiden Elemente gehören für mich zusammen und diese möchte ich später in meiner Schule vermitteln.»

Erfolg ist sekundär

Obwohl Salvi Ferrara zuletzt weniger oft im Tempel war und viel allein trainiert hat, hat er nichts von seinen Fähigkeiten eingebüsst. Das hat er jüngst an der Weltmeisterschaft in Argentinien eindrücklich bewiesen. Gleich drei Medaillen hat er gewonnen. Gold im Tai Chi, Silber in der Säbelform und Bronze in der Faustform. Zusätzlich gabs noch die bronzene Auszeichnung mit dem Schweizer Team, zu der Ferrara mit seinen drei Einzelmedaillen ebenfalls massgeblich beigetragen hat.

Doch trotz den vielen sportlichen Erfolgen hat der Wettkampf für den 42-Jährigen keinen allzu grossen Stellenwert. «Der Weg zum Ziel, also zum Wettkampf ist viel wichtiger. Dabei lernst du dich selbst kennen und gehst an deine körperlichen und mentalen Grenzen. Genau darum geht es im traditionellen Kung Fu. Ob ich dann am Ende gewinne oder nicht, ist für mich sekundär», sagt Salvi Ferrara.

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1