Wohlen
Nach dem Strohmusemum der zweite Streich: Kelten, Kloster und Psychiatrie

Das Büro imRaum mit dem Historiker Fabian Furter plant in Rheinau ein Mehrspartenmuseum

Jörg Baumann
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Der Historiker Fabian Furter ist in die Museums- planung involviert.

Der Historiker Fabian Furter ist in die Museums- planung involviert.

Jörg Baumann

Das Büro imRaum (Baden/Zürich) konzipierte vor ein paar Jahren bereits das neue, attraktive Freiämter Strohmuseum Im Park in Wohlen. Es plant derzeit wiederum ein Historisches Museum in der Abtei der ehemaligen Benediktiner-Klosteranlage Rheinau. Die künftige Dauerausstellung soll sich den drei Schwerpunkten Kelten, Kloster und Psychiatrie widmen, erklärt der in Wohlen aufgewachsene Historiker Fabian Furter (40), Partner bei imRaum.

Für Touristen ein Besuch wert

Das malerische Städtchen Rheinau liegt mit seiner barocken Klosteranlage im idyllischen Zürcher Weinland: hart an der Landesgrenze zu Deutschland in einer Rheinschlaufe, nur sechs Kilometer weit weg vom weltberühmten Rheinfall. «Leider schlummert das Weinland unter seinem Wert», meint Furter. «Das Problem ist, dass die Gegend abgeschieden ist und eine schlechte Verkehrsanbindung aufweist. Das touristische Potenzial sei trotzdem vorhanden, betont Furter. Die Gegend ist ideal für Wanderer, Velofahrer und Kulturtouristen. Der Erlebniswert ist hoch: So kann man mit einem kleinen Kursschiff bis an den Rheinfall fahren.

Seit der Klosteraufhebung 1862 bis im Jahr 2000 führte der Kanton Zürich auf der Klosterinsel Rheinau eine Psychiatrische Klinik. Nach dem Wegzug der Klinik dränge sich ein Museum, das sich der Psychiatriegeschichte widme, geradezu auf, sagt Furter. «In der Schweiz gibt es noch kein modernes Psychiatriemuseum von überregionaler Ausstrahlung.» In Rheinau könnte man diese Lücke endlich schliessen. Denn es gebe viel darüber zu erzählen, wie die Psychiatriepatienten früher in der Schweiz, und nicht nur in Rheinau, untergebracht und betreut wurden. In den letzten Jahren begannen sich die Medien zwar für das Thema zu interessieren. Aber eine fundierte wissenschaftliche Darstellung der Psychiatriegeschichte in einem Museum rücke in Rheinau erstmals in greifbare Nähe, sagt Furter.

Die grossartige Klosteranlage Rheinau soll um ein Mehrspartenmuseum ergänzt werden.

Die grossartige Klosteranlage Rheinau soll um ein Mehrspartenmuseum ergänzt werden.

Fabian Furter

Die Klostergeschichte von Rheinau gebe ebenfalls viel her, zeigt sich der Historiker überzeugt. «Die Benediktiner pflegten untereinander Beziehungen. So kannten sich auch die Äbte von Rheinau und Muri gut und tauschten sich aus.» Erstaunliche Parallele: Im
18. Jahrhundert stellte die einflussreiche Zuger Familie Zurlauben in Rheinau wie in Muri den Abt: in Rheinau Gerold Zurlauben und Muri Placidus Zurlauben, der in der Hochblüte des Klosters zum Fürstabt geweiht wurde. Ähnlich wie in Muri ist auch die Klosterkirche in Rheinau ein Anziehungspunkt. Schätzungsweise 10 000 Besucherinnen und Besucher kommen schon heute auf die Klosterinsel, obwohl gegenwärtig nur die Kirche von innen besichtigt werden kann. «Ein grosses Besucherpotenziel also», so Furter.

Im Klosterbezirk haben bereits 2003 die Ordensschwestern der Spirituellen Weggemeinschaft das «Haus der Stille» bezogen. 2014 wurde auf der Klosterinsel das vom Politiker Christoph Blocher mitfinanzierte Musikzentrum für Laien- und Profimusiker mit einem Hotel eröffnet. Eine Privatstiftung führt den grossen Gutsbetrieb des ehemaligen Klosters. 2017 sollen auch die Hauswirtschaftskurse der Zürcher Mittelschulen, «die Rüebli-RS», in Klosterräume einziehen. Zudem entsteht ein Sommerrestaurant mit Terrasse direkt am Rhein. Auch wird der historische Mühlesaal für Veranstaltungen, Hochzeiten und andere Feste aufwendig restauriert.

Detailprojekt im Sommer 2017

Bei der Museumsplanung stecke das Büro imRaum noch mitten in der Arbeit, bemerkt Furter. Im Sommer 2017 wird das Detailprojekt vorliegen. Die Finanzierung muss aber noch auf die Beine gestellt werden. Trotz dem grossen Spardruck im Zürcher Kantonsrat zeigt sich Furter optimistisch. «Wir stossen überall auf Wohlwollen. Und in der Kantonsverwaltung wie im Museumsverein sind engagierte Persönlichkeiten am Werk.»