Zufikon

Nach Artikel über Pestizid-Rückstände: Die Gemeinde wehrt sich gegen die Sonntagszeitung

Der grosse Dorfbrunnen an der Zufiker Oberdorfstrasse ist bereits wieder in Betrieb.

Der grosse Dorfbrunnen an der Zufiker Oberdorfstrasse ist bereits wieder in Betrieb.

Ein Artikel über Pestizid-Rückstände schreckt auf. Der Gemeinderat von Zufikon sagt: «Unser Trinkwasser kann bedenkenlos konsumiert werden.»

Die Schlagzeile in der letzten Ausgabe der «SonntagsZeitung» liest sich dramatisch: «Wo die Pestizidhöllen der Schweiz liegen». Illustriert ist der Zeitungsartikel mit einer Grafik, die viel Rot aufweist. In 20 von 31 Schweizer Gemeinden soll der seit Januar geltende Grenzwert des Chlorothalonil-Abbauprodukts R471811 im Grundwasser um ein Mehrfaches überschritten sein.

In der Übersicht taucht auf Platz sieben auch die Gemeinde Zufikon auf. Dort sollen gemäss den Zahlen des Bundesamtes für Umwelt 0,91 Mikrogramm des Abbauproduktes pro Liter gemessen worden sein – mehr als das Neunfache des erlaubten Wertes, der bei 0,1 liegt.

Analysen vom Januar belegen das Gegenteil

In Zufikon nimmt der Gemeinderat diese Nachricht zur Kenntnis und reagiert mit einer Stellungnahme auf die möglichen Ängste in der Bevölkerung wegen ihres Wassers. Die Sache soll präzisiert und richtig eingeordnet werden. Die Zufiker Gemeindebehörde möchte bezüglich des Artikels in der «SonntagsZeitung» betonen: «Es wird fälschlicherweise der Eindruck vermittelt, dass das Wasser, welches an die Bevölkerung abgegeben wird, mit Pestiziden und deren Abbauprodukten verseucht und nicht zum Gebrauch geeignet sei. Analysen des Regionalen Wasserverbandes Mutschellen vom Januar 2020 hingegen belegen das Gegenteil. Das Zufiker Trinkwasser kann bedenkenlos ohne Einschränkungen konsumiert werden.»

Die Qualität des Zufiker Trinkwassers weise nach wie vor eine gute Qualität auf. Hervorstreichen möchte der Gemeinderat, dass die erwähnten Werte in der «SonntagsZeitung» sich ausschliesslich auf das Grundwasser beziehen und nicht im Trinkwasser gemessen wurden. Jenes wird aus verschiedenen Quellen zusammengemischt.

Die Diskussionen rund um das Pestizid Chlorothalonil und dessen Abbauprodukte beschäftigen die Trinkwasserversorgungen im ganzen Land seit Monaten. Herausfordernd ist, dass der Bund die Verwendung von Chlorothalonil im letzten Dezember verboten hat. Dadurch wurde automatisch der Grenzwert der beiden Abbauprodukte (R471811 und R417888) auf einen Schlag auf 0,1 Mikrogramm pro Liter Wasser gesenkt.

Für das kantonale Amt für Verbraucherschutz ist klar, dass die einzelnen Trinkwasserversorgungen gefordert sind. Das Amt geht nach ersten Resultaten davon aus, dass kantonsweit in rund zwei Dritteln der Trinkwasserfassungen erhöhte Mengen R471811 gefunden werden. Nach den aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen sei dieser Stoff nicht als krebserregend eingestuft.

Proben mit zwei Jahren Verspätung analysiert

In Zufikon werden dazu seit letztem Oktober von einer externen Firma im Auftrag des Wasserverbands Mutschellen Messungen durchgeführt. Im Pumpwerk Breiten ergab die Messung im letzten Monat einen Wert von 0,28 Mikrogramm R471811 pro Liter. Dies liegt zwar noch über dem aktuell gültigen Grenzwert, aber deutlich unter den publizierten Werten der «SonntagsZeitung» (0,91).

Laut dem Gemeinderat Zufikon wurden jene Proben schon im Mai 2017 gefasst, hätten aber «wegen einer fehlenden Nachweismethode erst im Jahr 2019 analysiert werden können. Das in der «SonntagsZeitung» publizierte Resultat ist im Vergleich zu den aktuellen Analysen auffällig hoch.» Die Zufiker hegen deshalb ihre Zweifel, ob dies der heutigen Situation entspricht. Angesichts der langen Zeitdauer von knapp zwei Jahren zwischen Probeentnahme und der Analyse.

Anders sieht es bei R417888 aus. Während dieses Chlorothalonil-Abbauprodukt in der Zufiker Quelle Hard nicht nachweisbar ist, liegt er beim Pumpwerk Breiten mit 0,04 Mikrogramm/Liter doch wesentlich unter dem vorgeschriebenen Wert.

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