Bremgarten
Nach anderthalbjähriger Renovation: Pfarrhelferhaus bezieht 58 Prozent weniger Energie

Die anderthalbjährige Kur hat dem Pfarrhelferhaus gut getan – der Energieverbrauch konnte massiv gesenkt werden. Das Pilotprojekt dürfte überregionale Leuchtturmwirkung ausstrahlen.

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Das frisch renovierte Pfarrhelferhaus in Bremgarten wurde am Samstag eingeweiht und gesegnet.

Das frisch renovierte Pfarrhelferhaus in Bremgarten wurde am Samstag eingeweiht und gesegnet.

Dominic Kobelt

Es duftet nach Weihrauch, die Jugendlichen der Jungwacht-Blauring lassen Seifenblasen aus den Fenstern tanzen. Traditionelles und Modernes verbinden sich bei der Einweihung und Segnung des des Pfarrhelferhauses. Hier wohnte bis zu seinem Tod im Jahr 2013 der Bremgarter Pfarrhelfer Alois Keusch. Um das spätgotische Gebäude auch künftig als Wohnhaus nutzen zu können, war eine umfassende Renovation notwendig – am Samstag durfte die Bevölkerung das Resultat der Arbeiten begutachten.

Von aussen sieht es noch fast gleich aus. Etwas frischer, jünger vielleicht, aber das altgotische Pfarrhelferhaus mit dem dreistufigen Staffelgiebel hat sein Äusseres kaum verändert. In intensiver Zusammenarbeit mit dem Denkmalschutz ist es der Baukommission und Architekt Hansjörg Egloff trotzdem gelungen, ein Pilotprojekt zu realisieren.

Das renovierte Pfarrhelferhaus
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Das renovierte Pfarrhelferhaus
Das renovierte Pfarrhelferhaus
Das renovierte Pfarrhelferhaus
Das renovierte Pfarrhelferhaus

Das renovierte Pfarrhelferhaus

Dominic Kobelt

«Es kam ein sogenannter Aerogeldämmputz zum Einsatz, und das zum ersten Mal bei einem historischen Gebäude im Aargau», erklärt Stephan Jäger, Vorsitzender der Baukommission. «Die Denkmalpflege hat sich dagegen gewehrt, aber nach langen Diskussionen konnten wir unseren Willen durchsetzen», erzählt er schmunzelnd. Dank der gut aufeinander abgestimmten Innen- und Aussendämmung erreicht das rund 500-jährige Gebäude beinahe Minergie-Standard. «Den Energieverbrauch der Fernheizung konnten wir um sagenhafte 58 Prozent senken», sagt Jäger stolz.

Im Innern hat das Gebäude eine «neue atmosphärische Qualität» erlangt, wie Architekt Hansjörg Egloff den Besuchern erklärt. «Es wurden bewusst erhaltenswerte Bauteile aufwendig saniert, auch wenn diese nicht explizit denkmalpflegerisch geschützt waren. Aus einer Grosswohnung wurden zwei Wohnungen mit einem separaten Büro im Erdgeschoss.»

Projekt hat Leuchtturmwirkung

Die «Kurpackung fürs Pfarrhelferhaus» sei umfassender ausgefallen, als ursprünglich geplant, erklärt Jäger. «Weil einige Balken morsch waren, mussten wir zusätzliche Massnahmen ergreifen, um die Statik zu verbessern. Zudem wurden alle Werk- und Kanalisationsleitungen erneuert, es kamen beispielsweise Wasserleitungen zum Vorschein, die 1905 verlegt wurden.» Hätte man diese ungeplanten Arbeiten nicht noch ins Projekt aufgenommen, wäre es später viel teuerer geworden. Der veranschlagte Kredit von 1,35 Mio. Franken wird nicht reichen, momentan belaufen sich die prognostizierten Kosten auf 1,6 Mio. Franken.

Die letzen Arbeiten werden noch rund zwei Monate dauern. Viele Leute hätten ihn gefragt, warum die Renovation so viel Zeit in Anspruch nehme, berichtet Jäger. «Für ein solches Projekt sind anderthalb Jahre aber eine Spitzenzeit. Nebst den Überraschungen, die es gegeben hat, hatten wir auch viele Details mit der Denkmalpflege zu klären.» Mit dem Resultat ist er mehr als zufrieden: «Das Projekt hat beispielhafte Leuchtturmwirkung für gleichartige Bauobjekte im ganzen Kanton.»