Wohlen
Nach 57 Jahren unter zwei Generationen schliesst die Apotheke Külling

Er übernahm die Apotheke von seinem Vater. Nun – zwei Jahre nach dem offiziellen Pensionsalter – hat Andreas Külling beschlossen, der Wohler Apotheker-Ära im September ein Ende zu setzen.

Marc Ribolla
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Apotheker Andreas Külling mit einem Buch, in dem alle bezogenen Rezepte vom Oktober 1963 handschriftlich festgehalten.
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Das aktuelle Team der Apotheke.
Külling mit dem Buch in der Apotheke.
Das Gebäude der Apotheke um 1963.
Apotheker Andreas Külling mit Vater Emil und Mutter Helen.
Apotheker Andreas Külling mit seiner Frau Elsbeth, Vater Emil und Mutter Helen in den 1980er-Jahren.

Apotheker Andreas Külling mit einem Buch, in dem alle bezogenen Rezepte vom Oktober 1963 handschriftlich festgehalten.

Marc Ribolla

Auf dem Papier müsste er mit seinen 67 Jahren schon länger nicht mehr arbeiten. Jetzt macht Andreas Külling diesen Schritt. Am 26. September hängt er seinen Apotheker-Kittel definitiv an den berühmten Nagel. Dann schliesst seine Apotheke an der Zentralstrasse 29 in Wohlen. Was am 1. August 1963 mit der Übernahme der bisherigen Apotheke durch Vater Emil begann, nimmt nach 57 Jahren sein Ende. Die Ära Külling wird Geschichte sein. Andreas hatte seinerseits ab August 1990 das Geschäft seines Vaters fortgeführt.

Die Apotheker-Tradition mitten in Wohlen geht aber viel weiter zurück. Im Jahr 1845 errichteten die Gebrüder Müller das Wohnhaus, das seinen Charakter bis heute auch dank Renovationen behalten hat. Die folgenden Apotheker hiessen Müller, Thurnheer, Wettstein, Scherer und Kaufmann, ehe die Ära Külling anfing. Stets lautete der Name der Apotheke wie der des Inhabers.

Mit seinem eigenen Abschied hat sich Andreas Külling schon länger befasst. «Es ist ein Prozess, der schon früher begann. Aber nicht zuletzt während der Coronapandemie immer bewusster wurde. Ich stehe ja in Kontakt mit Risikogruppen», sagt er. Zu denken gab ihm im Mai auch der unerwartete Tod des erst 53-jährigen Döttinger Apotheker-Kollegen Urs Blumenthal, wo eine ehemalige Mitarbeiterin Küllings arbeitete.

Stolz auf langjährige Mitarbeiterinnen

In Gesprächen mit seinen Mitarbeiterinnen reifte der Entschluss, dass «jetzt der ideale Zeitpunkt ist.» An Pfingsten stand es endgültig fest. Er habe immer sehr langjährige Mitarbeiter gehabt, worauf er sehr stolz sei, sagt Külling. Er kümmert sich auch darum, dass sein sechsköpfiges Team eine berufliche Zukunft hat, obwohl seine Apotheke schliesst. «Fast alle sind schon jetzt ‚versorgt’», freut er sich. Was mit dem Geschäftslokal geschieht, ist offen. Es befindet sich im Besitz der Familie Külling. Eine familiäre Weiterführung der Apotheke kam nicht in Frage. Tochter und Sohn sind beide in anderen Branchen tätig.

Mit Wehmut blickt Külling auf den nahenden Abschied. «Es war ein langer Lebensabschnitt, den man nicht so einfach auf die Seite schieben kann.» In all den Jahren nahmen tausende private Stammkunden aber auch Ärzte, Spitäler und viele andere Institutionen die Dienstleistungen der Apotheke Külling in Anspruch.

Stolz ist er, dass er und sein Vater Emil immer innovativ waren. Statt wie vorgeschrieben jedes Rezept mit allen Details wie Patientennamen, Arzt, Wirkstoff oder Dosis handschriftlich in einem dicken Buch zu notieren, stellte Emil 1963 schon nach wenigen Monaten das System um – und fotografierte fortan die Rezepte auf Filmrollen. Den nächsten Schritt machte Andreas Külling Anfang der 90er-Jahre. «Wir gehörten zu den ersten Apotheken in Europa, die die Rezepte einscannten. Das erleichterte uns damals die Arbeit enorm», sagt er.

In seiner letzten Arbeitswoche wird Külling nochmals Notfalldienst leisten. Auch dieser hat sich dank einem Verbund mit anderen Apotheken der Region verändert. «Mein Vater musste noch jede zweite Woche Notfalldienst anbieten. Mittlerweile sind es seit drei Jahren noch vier Mal jährlich. Ich darf mit Stolz von mir sagen, dass ich in meinen 30 Jahren den Notfalldienst immer selbst übernommen habe», erklärt Külling. Im Ruhestand möchte er sich in Zukunft vermehrt seinen grossen Hobbys Tennis, Musik und Reisen widmen. In Wohlen hats ab September damit noch vier Apotheken.

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