Oberrüti
Nach 50 Jahren ist ausgeholfen

Nachdem das Thema bereits zehn Jahre im Raum stand, löst sich der Samariterverein endgültig auf

Loredana di fronzo
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Den Samaritervereinen gehen, wie vielen anderen Vereinen auch, zunehmend die Mitglieder aus.Symbolbild/ Patrick Lüthy

Den Samaritervereinen gehen, wie vielen anderen Vereinen auch, zunehmend die Mitglieder aus.Symbolbild/ Patrick Lüthy

Paradoxer könnte die Angelegenheit wohl nicht sein: Der Verein, der in der Not stets hilft, ist selber schwer verletzt und hängt am Tropf. Da kann man nur noch eines zurate ziehen: das Gabi:
G: Gibt es einen Rettungsversuch? A: Alles verloren? B: Bleibt ein kleiner Hoffnungsschimmer? I: Ist von irgendwoher Hilfe zu erwarten? Nachdem auf alle diese Fragen mit einem klaren Nein geantwortet werden musste, beschloss der Samariterverein Oberrüti, in seiner Notlage klein beizugeben. Die Diskussionsrunde ergab, dass 21 von insgesamt 25 Vereinsmitgliedern einer Auflösung beipflichteten.

Trotz Lob keine Neumitglieder

Bereits seit zehn Jahren stand das Thema Vereinsauflösung im Raum. Auch im Samariterwesen wird die Konkurrenz durch andere Vereine zunehmend stärker. Das Rettungswesen ist schnell, professionell und gut organisiert. Der Unterhalt der Geräte und die Ausbildung sind teuer und aufwendig. Dazu kommt, dass in der heutigen schnelllebigen Zeit immer weniger Leute bereit sind, überhaupt einer Gemeinschaft anzugehören. Mitglieder anzuwerben und zu halten wurde immer schwieriger, sodass sich der Samariterverein Oberrüti in den letzten Jahren die Hälfte seiner Mitglieder verlor und die Postendienste kaum mehr besetzt werden konnten.

Zwar blieb nichts unversucht, um wieder mehr Leute von einem Beitritt zu überzeugen. Aktionen wie zum Beispiel der Nothelfer-Refresher und ein Erste-Hilfe-Kurs für Kinder wurden durchgeführt. Dafür gab es viel Lob. Neumitglieder brachten aber auch diese Bemühungen nicht. Der Verein musste trotzdem aufgelöst werden. Das verbleibende Vermögen wird in das Projekt «Kinderspielplatz» der Gemeinde investiert.

Mitgliederzahlen sinken

Auch andere Samaritervereine haben mit denselben Problemen zu kämpfen. Während der Samariterbund (SSB) 1987 noch 1365 Vereine und 52 000 Mitglieder zählte, verfügte er Ende des letzten Jahres noch über 1071 Vereine und 25 844 Mitglieder. Eugen Kiener, Redaktor der Abteilung Marketing und Kommunikation des Schweizerischen Samariterbundes, erklärt: «Den Samaritervereinen ergeht es wie all den anderen Vereinen auch.» Es sei heute für jede Gemeinschaft schwierig, Mitglieder anzuwerben. Besonders junge Menschen in die oft überalterten Vereine zu integrieren, sei äusserst schwierig. Um gegen diese Problematik vorzugehen, versuche der SSB, die Samaritervereine für die Menschen wieder attraktiver zu machen.

Neben Firmenkursen und den sogenannten E-Nothelfern, die am Computer gemacht werden können, bietet er speziell für die Jugendlichen Help-Gruppen an. «Für die Jungen stehen Helfen, Retten und die modernen Rettungsmethoden im Vordergrund. Dies beisst sich mit der traditionellen Auffassung, also bieten wir ihnen eine Option», begründet Kiener. Um mehr Leute für den Verein selber zu gewinnen, sollen die Mitglieder laut Kiener mit Informationsabenden für sich werben. Auch das Anschreiben und Ansprechen von Personen sei effektiv.

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