Wohlen

Nach 43 Jahren hinter der Kamera schliessen die Meyers ihr Fotofachgeschäft

Hans-Rudolf Meyer schliesst sein Fotofachgeschäft an der Bahnhofstrasse in Wohlen Ende Juni nach 43 Jahren. Jörg Baumann

Hans-Rudolf Meyer schliesst sein Fotofachgeschäft an der Bahnhofstrasse in Wohlen Ende Juni nach 43 Jahren. Jörg Baumann

Odile und Hans-Rudolf Meyer schliessen ihr Fotofachgeschäft in Wohlen, das Fotostudio bleibt. In 43 Jahren haben sich so einige lustige Anekdoten angesammelt.

Eines Tages betrat der legendäre Variétékünstler und Komiker Alfredo das Fotoatelier Meyer in Wohlen und wollte ein Passfoto von sich. «Ich fühlte mich geehrt und fragte Alfredo, ob ich sein Porträt im Schaufenster ausstellen dürfe. Er sagte: Ja gerne, und er war stolz darauf», erinnert sich der Fotograf Hans-Rudolf Meyer.

Er und seine Frau Odile, eine gelernte Fotolaborantin, eröffneten 1974 ihr Geschäft an der Bahnhofstrasse – wo schon vor 90 Jahren der erste selbstständige Fotograf Eichenhofer seine Zelte aufgeschlagen hatte. Für Meyers geht die Berufszeit nach 43 Jahren bald zu Ende. Ende Juni schliessen sie den Laden, das Fotostudio betreiben sie aber noch weiter.

Von analog zu digital

Im Haus an der Bahnhofstrasse führte auch Louise Witzig ihr Fotofachgeschäft, Meyers Lehrmeisterin. «Als ich bei ihr in die Lehre ging, gab es die Digitalfotografie noch nicht. Wir hantierten mit Filmen, die wir entwickelten», erzählt Meyer. Inzwischen ist die Analogfotografie praktisch verschwunden. Architekten und die Denkmalpflege wollten heute aber in der Regel noch ein Fotonegativ. «Dieses kann man besser archivieren als ein digitalisiertes Bild, von dem man nicht sicher weiss, wie lange die Daten erhalten bleiben.» Digitale Fotografien hätten trotzdem einen unschätzbaren Vorteil, sagt Meyer. «Man ist schneller und kann das Bild leichter bearbeiten. Früher, als die analoge Fotografie noch Mode war, musste man die Aufnahme noch mit dem Grafitstift retuschieren. Das ist heute noch so.»

Pfarrer kam zu spät zur Hochzeit

Hans-Rudolf Meyer fotografierte nicht nur einen Prominenten wie Alfredo, sondern auch Politiker aller Parteien, die in den Wahlkampf steigen wollten, Schulklassen, Hochzeiten und einzelne Menschen. «Ich habe in meinem Leben wohl zwischen 200 und 400 Hochzeitsreportagen gemacht. Die lustigste Hochzeit war wohl jene, als der Pfarrer zu spät kam. Er war im Verkehr stecken geblieben. Nachdem er endlich da war, vertröstete er das Brautpaar mit dem Spruch: Auf die paar Minuten kommt es jetzt auch nicht an. Ihr seid ja noch lange genug verheiratet.»

Wann ist eine Fotografie gut? Meyer bleibt diplomatisch: «Alles Geschmacksache. Aber ich hätte einige Fotografien von bekannten Künstlern in den Abfallkübel geworfen, weil sie mir nicht gefallen haben.» Letztlich könne man den Beruf des Fotografen nur erlernen, wenn man viel Enthusiasmus und Kreativität mitbringe und ein gutes Auge habe.

Meyer gab in seinem Leben zahlreiche Kurse und bildete 34 Lehrtöchter und Lehrlinge aus. In den Neunzigerjahren führte er auch eine Filiale in Muri. Diese übergab er schliesslich seiner ehemaligen Lehrtochter Loredana Gioia. 1991 nahm er sein erstes Farblabor in Betrieb. Ab 2003 konnte er in diesem auch ab digitalen Daten Abzüge herstellen. Das neue Fotostudio wurde 2004 eröffnet. Bald beginnt für Meyers ein neuer Lebensabschnitt. Der Ausverkauf des Lagers hat begonnen. Die Liegenschaft hat Hans-Rudolf Meyer auf einem Internetportal zum Vermieten ausgeschrieben.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1