Villmergen

Nach 40 Jahren in den Ruhestand: Für ihn war Finanzer Beruf und Berufung zugleich

© Toni Widmer

Thomas Steinmann stand fast 40 Jahre im Dienste der Gemeinde. Ende Jahr ging er aus gesundheitlichen Gründen vorzeitig in die Pension.

«Es geht mir gut», sagt Thomas Steinmann und schiebt nach: «So gut, wie es bei meiner angeschlagenen Gesundheit gehen kann. Mein Zustand ist stabil. Ich kann mein Rentnerdasein geniessen, aber halt keine grossen Stricke zerreissen.» Gerade eben war er ein paar Tage in Israel. Er hat mit seiner Gattin die Tochter und die drei Enkel nach Hause begleitet. Sie leben dort und waren über Weihnachten und Neujahr in der Schweiz.

Der ehemalige Villmerger Finanzverwalter ist Ende 2016 in Pension gegangen. Geplant war das erst ein Jahr später: «Ich hätte gerne die 40 Dienstjahre bei der Gemeinde Villmergen noch erreicht. Jetzt sind es halt nur 39 geworden. Was solls, ich habe mich damit abgefunden», sagt der 64-Jährige, der am ersten Tag im Jahr Geburtstag gehabt hat.

Finanzer mit Leidenschaft

«Thomas Steinmann war als tüchtiger Leiter Finanzen mit seiner hohen Fachkompetenz weit über die Gemeindegrenzen hinaus bekannt. Mit sehr viel Herzblut hat er seine wichtige und anspruchsvolle Aufgabe wahrgenommen. Leiter Finanzen war nicht nur sein Beruf, es war seine Berufung», schrieb der Villmerger Gemeinderat zu seinem Abschied. «Ich war Finanzer mit Leidenschaft und ich habe bis am Schluss mit grosser Begeisterung gearbeitet», bestätigt der so Geehrte und schmunzelt: «Schon in der Schule hatte ich es eher mit Adam Riese als mit Jonny Duden.» Während seiner Lehrzeit auf der Gemeindeverwaltung Villmergen wurde er in allen Verwaltungsbereichen ausgebildet, sein Schwerpunkt lag aber schon klar im Finanzbereich. Nach der Lehre arbeitete er bei einem Treuhänder und danach als Buchhalter auf der Gemeindeverwaltung Wohlen. 1977 kehrte der ehemalige Lehrling als Chefbeamter nach Villmergen zurück. Thomas Steinmann wurde Finanzverwalter – im Alter von erst 24 Jahren. Daneben amtierte er in den ersten zehn Jahren auch als Zivilstandsbeamter-Stellvertreter. In dieser Eigenschaft hat er mit Gemeindeammann Ueli Lütolf, Vizeammann Clemenz Hegglin und Geschäftsleiter Markus Meier die Hälfte der aktuellen Villmerger Führungscrew persönlich getraut: «Offenbar habe ich es richtig gemacht, es sind alle noch mit ihren Partnerinnen zusammen», schmunzelt Steinmann mit dem ihm eigenen Schalk.

Mit «zwei Welten» umschreibt der Pensionär seine Arbeitsweise am Anfang und am Schluss seiner 39-jährigen Laufbahn: «1969 gab es nur die einfache Buchhaltung und noch keine elektrische Schreibmaschine. Wir haben alles in grosse Bücher geschrieben, in den sogenannten Steuerrodel», erzählt er. Später sei der erste Buchungscomputer angeschafft worden. Ein Riesending, das für jede Applikation mit einem anderen Programm geladen werden musste.

1975 war Villmergen eine der ersten Gemeinden im Aargau, die für den Steuerbezug auf die computergestützte Servicelösung des Kantons zurückgriffen. «Der technische Fortschritt hat unsere Arbeit stark erleichtert. Das Rechnen ging immer schneller, Additionsfehler gab es immer weniger, wenn man die Systeme richtig bediente. Und Auszüge und Statistiken, für die man früher viel Zeit aufwenden musste, gibt es heute auf Knopfdruck», blickt Thomas Steinmann zurück. Im Gegenzug sei der Beruf allerdings immer hektischer geworden, wie das übrige Leben auch, sagt er.

Auch nebenberuflich engagiert

Von Steinmanns beruflichem Können und seiner ihm eigenen Zuverlässigkeit profitierten auch die katholische Kirchgemeinde, für die er über zwei Jahrzehnte lang als Kirchengutsverwalter amtierte, sowie die Feuerwehr, der er fast drei Jahrzehnte diente, unter anderem als Rechnungsführer und Aktuar. Aber auch die anderen Vereine im Dorf durften stets auf sein Engagement zählen. Es gab kaum einen Grossanlass, an dem «de Thomi» nicht für die Finanzen zuständig war und meist auch sonst noch irgendwo mit anpackte. Aktiv war Steinmann unter anderem im Tennisclub als Spieler, Vorstandsmitglied und Präsident sowie im Vorstand des Kulturkreises.

Thomas Steinmann ist ein geselliger Mensch, kennt Villmergen wie seine Hosentasche und findet es schade, dass es dort nicht mehr ganz so gemütlich ist wie früher: «Einst hast du im Dorf immer jemanden getroffen, den du gekannt hast. Heute hat sich das verändert, die meisten Stammtische sind verschwunden, und auch dadurch hat sich die Dorfkultur verändert», sagt der passionierte Hobbykoch und Reisefan.

Super-Team im Gemeindehaus

Über vier Jahrzehnte nicht verändert hat sich laut Thomas Steinmann die Kultur im Gemeindehaus: «Die Zusammenarbeit auf der Verwaltung war stets von gegenseitigem Respekt geprägt. Obwohl sich der Personalbestand in meiner Zeit fast verdreifacht hat, sind das Arbeitsklima und die Stimmung unterneinander immer hervorragend gewesen. Auch die Zusammenarbeit mit dem Gemeinderat war immer sehr gut und fair. Dieses Superteam auf der Gmeind zu verlassen, das hat mir schon ziemlich wehgetan.»

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