Villmergen

Nach 34 Jahren Raiffeisen: «Vielleicht kauf ich mir im Frühling eine Harley»

Hans Huber geht nach 34 Jahren bei der Raiffeisenbank in den Ruhestand.

Hans Huber geht nach 34 Jahren bei der Raiffeisenbank in den Ruhestand.

Hans Huber leitet seit 1986 die Raiffeisenbank Villmergen – in dieser Zeit stieg der Umsatz um 900 Mio. Franken. Mitte April übergibt er die Leitung an Stefan Köchli und geht in den Ruhestand.

Hans Huber Hägglingen – dreimal der Buchstabe «H». «Man hat mich scherzhaft auch schon ‹Hochwürdiger Herr› genannt», schmunzelt der 63-jährige Leiter der Raiffeisenbank Villmergen.

Mitte April übergibt Hans Huber an seinen Nachfolger Stefan Köchli und geht in den Ruhestand. Vorzeitig, nach 34 Jahren bei der gleichen Bank. «Es war eine gute Zeit. Ich habe viel gearbeitet und bin vielfach erst gegen 22 Uhr nach Hause gekommen. Nach Sitzungen oft noch später. Dennoch habe ich meinen Beruf selten als Belastung oder stressig empfunden. Meine Tätigkeit hat mir immer Freude bereitet, ich habe stets gerne gearbeitet.»

Rasante Entwicklung

Bei der Gemeinde Dottikon hat Hans Huber eine Verwaltungslehre gemacht, dann gleich ins Bankfach zur damaligen SKA (Schweizerische Kreditanstalt, heute CS) in Aarau gewechselt und seine Ausbildung bei einer Privatbank im Tessin während vier Jahren vertieft.

Zurück im Freiamt arbeitete er vorerst als Revisor für das St. Galler Mutterhaus der Raiffeisenbank und wechselte nach einem Jahr zur Lokalbank in Villmergen. «Ich habe dort eine Revision gemacht und wurde angefragt, ob ich dereinst die Nachfolge von Josef Koch übernehmen möchte, der damals die Bank geleitet hat.»

Hans Huber wollte, arbeitete vier Jahre als Stellvertreter von Josef Koch und übernahm 1986 die Leitung. Ein Jahr vorher war die Raiffeisenbank von der Schulhausstrasse an den Dorfplatz gezügelt und mit diesem Domizilwechsel begann eine rasante Entwicklung. 1994 fusionierte die Raiffeisenbank Villmergen mit jener von Dottikon, 1997 wurde in Hägglingen eine neue Filiale eröffnet, 1998 kamen Dintikon und Sarmenstorf dazu.

Zusammen mit ihren vier Geschäftsstellen erwirtschaftete die Raiffeisenbank Villmergen 2014 einen Umsatz von 956 Mio. Franken – das sind fast 900 Mio. Franken mehr wie 1986, als Hans Huber die Leitung der Bank übernahm.

«Wir sind über die Jahre zur grössten Raiffeisenbank im Freiamt gewachsen und haben heute rund 17 000 Kundinnen und Kunden. In unserem Einzugsgebiet ist somit jeder dritte Einwohner Kunde bei uns», zeigt Hans Huber auf.

Menschlichkeit im Vordergrund

Worauf führt der scheidende Leiter den Erfolg seiner Bank zurück? «Auch bei uns müssen am Ende die Zahlen stimmen. Im Vordergrund steht jedoch nach wie vor der persönliche Kontakt. Der Kunde wird als Mensch behandelt und nicht als Nummer. Das funktioniert vor allem auch deshalb gut, weil unser mehrheitlich langjähriges Personal die Kunden kennt und zu ihnen eine gute Beziehung aufgebaut hat. Unser grösstes Kapital ist das Vertrauen der Kunden», sagt Hans Huber.

Kritik an der Konkurrenz liegt dem erfahrenen Banker fern. «Sie machen ihr Geschäft, wir machen unseres», sagt er, lässt sich dann aber doch noch entlocken: «Die Raiffeisenbanken sind dank ihres Geschäftsmodells von Skandalen verschont geblieben. Unsere Tätigkeit ist überschaubar. Wir spekulieren nicht mit dem Geld der Kunden, sondern investieren es umgehend wieder in das Hypothekargeschäft. Das hat uns in den letzten Jahren sicher viele neue Kunden gebracht.»

Mittlerweile ist Raiffeisen auch ins Anlagengeschäft eingestiegen. «Aber nur als Dienstleistung für die Kunden», betont Hans Huber und hält fest: «Dabei ist uns die gute und seriöse Beratung wichtig. Jeder Kunde soll darauf gestützt entscheiden können, ob und wie viel Risiko er dabei eingehen will.»

Mit dem Umsatz ist auch die Raiffeisenbank Villmergen gewachsen. Vier Angestellte und ein Lehrling waren es 1986, rund 35 Personen zählt die Belegschaft heute. Die Geschäftsstellen sind dabei so weit wie möglich autonom: «Das», sagt Huber, «gehört zu unserem Konzept. Die Individualität der einzelnen Geschäftsstellen wird von den Kunden geschätzt und fördert das Vertrauen in unsere Institution.»

Mehr zum Verwalter geworden

Das Wachstum der Bank, sowie die allgemeine Entwicklung mit mehr Gesetzen und Regulatorien hat dazu geführt, dass Hans Huber mit den Jahren administrativ mehr und mehr belastet worden ist. «Früher war ich zu 80 Prozent für die Kunden da und 20 Prozent mit administrativen Aufgaben beschäftigt. Heute ist es umgekehrt. Das habe ich oft bedauert. Der Kontakt mit den Kunden war mir immer sehr wichtig und ich habe ihn auch immer sehr geschätzt.»

Hans Huber ist trotz des Erfolges seiner Bank nie abgehoben. Er ist der bescheidene und gesellige Hägglinger geblieben, der er immer schon war. Jetzt will er seinen dritten Lebensabschnitt geniessen. Mehr Radfahren, mehr Reisen mit seiner Frau, sich um sein Haus kümmern, die schöne Natur im Freiamt geniessen.

Pläne hat er viele und langweilig wird ihm sicher nicht. Hat er einen besonderen Wunsch, den er sich im Ruhestand erfüllen will: «Ja», sagt er, «vielleicht kauf ich mir im Frühling doch noch eine Harley.»

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