Dottikon

Nach 29 Jahren: Pius verlässt seinen Hübel

Pius Wietlisbach auf einem der Findlinge auf dem Schulhausplatz, die er platziert hat.

Ende Oktober geht der Dottiker Schulhausabwart Pius Wietlisbach in Pension.

«Es esch halt so, ich mues mi demet abfinde.» – Pius Wietlisbach, seit bald 29 Jahren Schulhausabwart im Dottiker Hübel, macht keinen Hehl daraus, dass er seinen Arbeitsplatz nicht gerne verlässt.

«Es ist mein Schulhaus, mein Heimetli. Ich habe immer gut dafür geschaut, dass es in Ordnung ist und dass sich Schülerinnen, Schüler und Lehrpersonen hier wohlfühlen.»

Pius Wietlisbach hat das auf seine eigene Art gemacht. Mit grossem Engagement, viel Herzblut und immer wieder neuen Ideen. Gelegentlich ist er mit seiner Art angeeckt und hat Diskussionen ausgelöst.

Doch letztlich waren sie immer alle wieder zufrieden mit ihrem Pius, dem Hüttenwart vom Hübel. Etwa, wenn sich die von ihm im Rahmen der Turnhallensanierung ins Spiel gebrachte und energisch erkämpfte Deckenheizung am Schluss doch als das Ei des Kolumbus erwiesen hatte.

Oder die Lehrerschaft einsehen musste, dass des Abwarts Idee, dass im Schulhaus alle Kinder Finken tragen sollten, nicht so schlecht war wie anfänglich befürchtet.

Vom Zimmermann zum Pausenplatzgestalter

«Ich habe mich immer engagiert, wenn ich von etwas überzeugt war. Aber ich habe mich immer auch eines Besseren belehren lassen, wenn eine Idee nicht so gut gewesen ist, wie ich dachte», sagt der Dottiker, der am 15. Oktober seinen 65. Geburtstag feiert und zwei Wochen später in den Ruhestand geht.

Im Hübel hat er viele Spuren hinterlassen. Etwa die Sonnenuhr, die 2005 auf seine Initiative hin realisiert worden ist und 11'000 Franken gekostet hat. Für die Finanzierung sorgte der Schulhausabwart ganz alleine, indem er grosszügige Sponsoren suchte und fand. «Am Schluss», schmunzelt er, «reichte es sogar noch für ein schönes Einweihungsfest.»

Oder den speziellen Schulhausplatz. Dort hat Pius Wietlisbach nicht nur Spielgeräte selber gebaut, sondern auch zwei grosse Findlinge aufgestellt, die bei der 2013 bis 2015 erfolgten Sanierung der Bahnhofstrasse gefunden worden sind.

Auch ein Weidling steht dort. Es ist schon der zweite. «Den ersten habe ich einst für einen Fasnachtsumzug organisiert und dann auf den Schulhausplatz gestellt. Als er kaputt war, suchte ich einen Ersatz, weil der Weidling so beliebt ist. Viele Kinder essen dort drin sogar ihr Znüni», sagt er.

Seine Berufslaufbahn begonnen hat der Dottiker als Zimmermann. Im Lehrbetrieb, der Furter Holzbau AG, ist er 22 Jahre geblieben.

1981 hat er sich mit hier vorgefertigten Elementen und der Hilfe von Kollegen sogar sein eigenes Haus gebaut und ist dort ein Jahr später mit Gattin Annelies eingezogen. Von den vier Kindern – drei Mädchen und ein Bub – ist das letzte erst vor einem Jahr ausgezogen. «Es hat unserer jüngsten Tochter halt noch lange gefallen bei uns», lacht der stolze Vater.

Vorgänger fand, er wäre sein idealer Nachfolger

Zum Schulhausabwart wurde er berufen: «Ich habe meinen Vorgänger Paul Kuhn gut gekannt und war oft im Hübel. Eines Tages hat er dann zu mir gesagt: ‹Du wärst der ideale Nachfolger für mich. Du kannst arbeiten und du bist ein guter Handwerker.› Als dann auch alle meine Kollegen sagten: ‹Pius, da muesch mache›, hab ich mich schliesslich beworben.»

Es sei keine grosse Sache gewesen mit der Bewerbung: «Die auf der Gemeinde haben mich von meinen Engagements in der Feuerwehr, im Turnverein und Veloclub ja gekannt. Ich war im Dorf immer aktiv und habe geholfen, wo es etwas zu helfen gab. Wohl auch deshalb habe ich den Job sofort bekommen.»

Seinen Entscheid habe er nie bereut. Auch wenn es nicht immer ganz einfach gewesen sei: «Als Schulhausabwart hast du 3000 Chefs, so viele, wie Dottikon Einwohner hat. Die schauen immer, was du gerade machst, und glauben, wenn sie dich mal wieder im Dorf sehen, du würdest oft nichts tun.»

Im Dorf hat man Pius Wietlisbach oft gesehen. Sein Töffli mit Anhänger und er gehören quasi zum Ortsbild. Durchs Dorf gefahren ist er aber meist nicht zum Vergnügen.

Er war – und ist bis zur Pensionierung – auch der Schulkurier: «Ich gehe jeden Tag zur Kaffeepause ins Schulhaus Risi und tausche mich mit dem Werkmeister und meinen Berufskollegen aus. Auf dem Hin- und Rückweg nehme ich die Post und anderes mit, und meistens gehe ich dann mit ein paar Papieren von den Schulen gleich auch noch auf der Gemeinde vorbei.»

Den täglichen Kontakt mit den vielen Menschen, aber auch mit den Schülerinnen und Schülern werde er wohl am meisten vermissen, sagt er.

«Vielleicht muss ich das Reisen noch lernen»

Pius Wietlisbach ist ein hilfsbereiter Mensch, der sich in der Vergangenheit gerne für allerlei Dienstleistungen hat einspannen lassen und manchmal wohl auch vom einen oder anderen dafür missbraucht worden ist.

Doch das hat ihn nicht gestört. Er hat sich immer gefreut, wenn er jemandem hat eine Freude machen können. Sei es mit seiner handwerklichen Hilfe für die Schülerinnen und Schüler am Fasnachtsumzug oder für die Spaziergänger am Bünzufer mit seinen mit der Motorsäge hergestellten Osterhasen.

Für seine Motorsägen-Kunstwerke hat der Rentner in spe jetzt deutlich mehr Zeit. Was macht er sonst noch? «In unserem Haus habe ich ein paar Projekte vor, dann habe ich ja auch noch eine kleine Waldhütte und ein Stück Privatwald. Und ja, vielleicht muss ich jetzt endlich auch das Reisen noch lernen. Bisher war ich nie viel weg, aber ich denke, jetzt werde ich meine Frau doch ab und zu einmal irgendwohin begleiten. Ich habe ja jetzt dann Zeit dafür.»

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Autor

Toni Widmer

Toni Widmer

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