Berikon
Mutschellens erster Sek-Lehrer unterrichtete bis zu 47 Schüler gleichzeitig

Für den Mutschellen war es eine Premiere: Anno 1954, zwei Jahrzehnte vor Eröffnung der Kreisschule, unterrichtet Hans Egloff zum ersten Mal eine Sekundarschulklasse. Diesen Mittwoch feiert er seinen 90. Geburtstag.

Robert Benz
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Hans Egloff, erster Mutscheller Sekundarlehrer, 27 Jahre nach der Pensionierung auf dem Pausenplatz: «Doch, es war der richtige Beruf.»ROB

Hans Egloff, erster Mutscheller Sekundarlehrer, 27 Jahre nach der Pensionierung auf dem Pausenplatz: «Doch, es war der richtige Beruf.»ROB

13 Jahre lang gibt es keinen anderen Seklehrer ausser ihm, zeitweise sitzen 47 Schüler in seinem Schulzimmer, aus Platzgründen ist dies damals der Kindergarten Junkholz gleich vis-à-vis von seinem Haus. Steigt Hans Egloff in den Zug, heisst es: «Ah, der Herr Lehrer ist da.»

In seinen 32 Jahren als Sekundarlehrer ist er auf dem Mutschellen nicht weniger bekannt, als es Matthias Hüppi oder Urs Lehmann heute sind. Zuweilen fühlte er sich deswegen etwas «ausgestellt».

Einer für alle, einer für alles

Zwischen 1954 und 1986 unterrichtet Hans Egloff in Berikon so ziemlich alles, was es zu unterrichten gibt, zuerst im Schulhaus Linde, ab 1975 in der neu gebauten Kreisschule. In einem Nebensatz und ohne zu überlegen zählt er einige der Fächer auf: Turnen, Bibel, Sprachen, Geografie, Geschichte, Naturkunde, Chemie.

«Der Lehrer war der Allrounder schlechthin, er musste alles können, zumindest wurde das erwartet», so Egloff.

Nicht zuletzt aufgrund der Erwartungshaltung ist Egloff zusätzlich zu seiner Lehrtätigkeit in der Baukommission für die Kreisschule, Präsident der Kirchenpflege, Kassier und Aufsichtsrat der Raiffeisen, engagiertes Mitglied im Samariterverein, Ehrenmitglied des Turnvereins und passionierter Naturschützer.

Unter all diesen Zusatzaufgaben habe die Qualität seiner Schulstunden vielleicht ein wenig gelitten, aber es sei halt alles so interessant gewesen und er habe es gerne gemacht.

Mit Kopf, Herz und Hand

Gerne oder nicht, seinen Militärdienst musste Egloff während des 2. Weltkriegs leisten und er hat dabei gelernt, dass jeder etwas kann, jeder etwas ist, und dass der eine ohne den anderen eben nichts ist. Begriffe wie Sozialkompetenz seien für solche Erkenntnisse erst später entstanden.

Weiter erzählt Egloff von den Differenzen zwischen Sekundar- und Bezirksschullehrern beim Bezug der Kreisschule, vom technologischen Fortschritt und im Kontrast dazu von Zeiten, wo in der Not Zeitungs- zu WC-Papier zurechtgeschnitten wurde.

Und einmal, nur einmal, mogelt er. Als Egloff einen Schüler nicht noch einmal ein ganzes Schuljahr wiederholen lassen will, hebt er kurzerhand die Noten ein wenig an. Zuvor hatte der Schüler den Lehrer mit seinem Wissen über Vögel beeindruckt und dabei wohl unbewusst ins Schwarze getroffen.

Ins Schwärmen gerät Egloff nämlich wahlweise dann, wenn er von seiner Studienzeit in Paris oder von der Natur erzählt. Im Juni zückt er wieder seine Sägesse und mäht den Garten nach alter Kunst von Hand.

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