Bremgarten
Musse, fehlende Zeitpläne und Datenschutz

An der Jahresversammlung der Schodoler Gesellschaft referierte alt Stadtammann Robert Bamert.

Susanna Vanek
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Robert Bamert, langjähriger Stadtammann in Bremgarten, vermisst sein früheres Amt nicht. sv

Robert Bamert, langjähriger Stadtammann in Bremgarten, vermisst sein früheres Amt nicht. sv

Der ehemalige «Stadtätti» RobertBamert leidet nicht unter Entzugserscheinungen, konnte man an der Jahresversammlung der Schodoler Gesellschaft Bremgarten vernehmen. Die Herausgeberin der Neujahrsblätter leidet indes an fallenden Abonnentenzahlen.

Mit den Neujahrsblättern 2011 ging die Redaktion der Schodoler Gesellschaft neue Wege, denn das Werk steht unter dem Motto «Das Jahr in Bremgarten». Ursprünglich, bekannte Fridolin Kurmann von der Schodoler Gesellschaft, habe man nicht gewusst, ob man wirklich für jeden Monat einen Autor finden würde, der diesen Monat aus Bremgarter Sicht beschreiben könnte. «Wir mussten aber nie einen Notfallplan aktivieren», betonte Kurmann.

Weil zwei Autoren im Laufe des Jahres schwer erkrankten, sprangen der ehemalige az-Redaktor Hans Rechsteiner und die BBA-Redaktorin Lis Glavas als Helfer in der Not mit zwei schönen Beiträgen ein.

Die einzelnen Autoren wurden an der Jahresversammlung verdankt und mit Wein beschenkt. Mit Applaus verdankt wurden weiter Louis Kuhn, Hansruedi Lüscher, Markus Imboden und Willy Naef, die die Neujahrsblätter in Bremgarten vertragen und helfen, Portokosten zu sparen.

Weniger Abonnenten

Neu komplettiert der Bremgarter Finanzverwalter Hans Peter Bäni den Vorstand der Schodoler Gesellschaft und amtet als Kassier. Bäni hat aber bereits im letzten Jahr Hans-Rudolf Bossart, den Aktuar, der für die zurückgetretene Kassiererin Nathalie Georges interimistisch eingesprungen war, unterstützt.

Leider resultiert in der Jahresrechnung 2009/10 ein Minus von 10 071 Franken. Dazu geführt haben die höheren Herstellungskosten der Neujahrsblätter 2010 sowie sinkende Abonnentenzahlen. Rund zehn Prozent aller Abonnenten hätten ihr Abo nicht mehr erneuert, sagte Bossart.

Die Versammlung nahm die Rechnung an. Rolf Meyer gab danach zu bedenken, dass er von vielen Personen darauf angesprochen worden war, dass in den Neujahrsblättern seit 2010 die Jubilare nicht mehr aufgeführt sind.

Viele im Städtchen hätten es geschätzt, nachschauen zu können, wann welche Seniorin und welcher Senior Geburtstag hat. Meyer regte an, die Geburtstage wieder aufzuführen, zumal die Stadt Bremgarten bereit sei, weiterhin diese Daten herauszugeben. Viele Personen hätten die Jahresblätter nur wegen der Geburtstage abonniert gehabt, erklärt Meyer den Rückgang.

Diskussion um Jubilare

Kurmann gab daraufhin zu bedenken, nicht alle Betroffenen hätten es geschätzt, mit Geburtsdatum und Adresse aufgeführt zu werden. In der Folge entspannte sich eine kleine Diskussion, bei der einerseits bestätigt wurde, dass die Aufzählung der Geburtstage eine beliebte Lektüre gewesen war, dass aber dem Datenschutz mehr Beachtung geschenkt werden sollte. Wenn schon Namen und Adressen veröffentlicht werden, müssten zuvor alle Betroffenen angefragt werden – ein grosser Aufwand, so die Meinung von Kurmann.

Mit einer Prise Humor

Gewohnt humorvoll erzählte daraufhin der ehemalige Stadtammann Robert Bamert, wie sein erstes Jahr ohne politische Ämter verlaufen war. Den Entscheid, nicht mehr zur Wahl anzutreten, habe er bereits im Februar 2009 gefällt, so Bamert, er habe aber zuerst die Familie überzeugen müssen, dass dies eine gute Idee sei. «Die Töchter und die Frau befürchteten wohl, ich würde meine freie Zeit dazu nutzen, sie zu sehr nerven», schmunzelte Bamert.

Auch in seinem Umfeld hätten manche den Schritt nicht verstanden, so der ehemalige Stadtammann. Pflichten entstünden aber daraus, dass man nicht beizeiten Nein sage, so Bamert, und er habe seine Zeit als Pensionierter ohne Verpflichtungen geniessen wollen, auch wenn ihm seine 14 Jahre im Stadtrat Bremgarten viel Freude bereitet hätten.

Zuerst galt es aber, noch hängige Geschäfte voranzutreiben und sich von 15 Kommissionen zu verabschieden. Dabei habe es viele Apéros und Essen gegeben, «ich arbeite heute noch daran, die Folgen davon abzubauen», meinte Bamert verschmitzt.

Dann kam am Silvester 2009 die Schlüsselübergabe an seinen Nachfolger Raymond Tellenbach. Folgte danach eine Depression, das grosse Loch? Mitnichten. Das Horoskop habe ihm ein erstes Jahr mit vielen geselligen Anlässen versprochen, so Bamert. Dagegen, dass ihm als pflichtbewussten Menschen zuweilen das Loslassen schwerfiel, fand Bamert ein hervorragendes Gegenmittel: das Taschenbuch «Der Arschlochfaktor».

Immer wenn er darüber las, wie man am besten mit Aufschneidern, Despoten oder Intriganten umgeht, habe er sein Amt kein bisschen vermisst. Und im März habe er es genossen, von niemanden darauf angesprochen zu werden, dass die Trottoirs in Bremgarten vereist waren.

Nicht mehr vorne an der Gmeind

Verschiedene Ferienaufenthalte mit Gattin Petra, gesellige Abende mit Freunden, bei denen viel gejasst wurde, sowie Ausflüge und Wanderungen sorgten dafür, dass sich der frühere Ammann nicht langweilte.

Bamert erklärte auch, dass er froh gewesen sei, nicht mehr vorne sitzen zu müssen, als er im November die Wintergmeind besuchte. Sein Fazit: Heute bestimme er selber darüber, wie seine Zeit inhaltlich gefüllt werde. Das sei ein gutes Gefühl.

Die Neujahrsblätter sind bei Modes Silvia an der Marktgasse und im Buchshopping Sunnemärt erhältlich. Wer Abonnent werden möchte, kann dies unter
info@botec.ch melden.