Niederwil

Musikvereine sterben aus: Jugendlager als Überlebenshilfe

Im grössten Raum des Lagerhauses gibt das Blasorchester bei einer Gesamtprobe Vollgas.

Im grössten Raum des Lagerhauses gibt das Blasorchester bei einer Gesamtprobe Vollgas.

Jugendliche aus dem ganzen Aargau werden vom Verein VJMN in einer Lagerwoche gefördert. Solche Lager sollen den Zusammenhalt und die Freude an der Musik stärken.

Das jüngste Opfer ist die Musikgesellschaft Sarmenstorf. Sie hat ihren Spielbetrieb eingestellt und das traditionelle Jahreskonzert im November abgesagt. Eine Generalversammlung im Frühling wird entscheiden, ob und in welcher Form es allenfalls weitergeht.

Die Musikgesellschaft Sarmenstorf ist am fehlenden Nachwuchs gescheitert. Damit das nicht noch mehr Vereinen passiert, ist 2011 in Niederwil der Verein Jugend- und Musikförderung Niederwil gegründet worden. Unter anderem führt der Verein alle zwei Jahre eine Lagerwoche durch. Sie ist für Jugendliche aus dem ganzen Aargau offen. Die az hat das Musiklager im Melchtal besucht.

Schon von weitem ertönen aus dem Lagerhaus «Juhui» im Melchtal musikalische Klänge von Trompeten, Posaunen und Co. Der Verein Jugend- und Musikförderung Niederwil (VJMN) veranstaltet zum zweiten Mal das Musiklager «Blown» für musikbegeisterte Jugendliche.

Ein Lager jährlich

Inspiriert wurde man beim VJMN, weil der aargauische Musikverband ebenfalls ein ähnliches Lager alle zwei Jahre veranstaltet. Man wollte aber, dass die Jugendlichen jedes Jahr die Möglichkeit haben, ein solches Lager zu besuchen und nicht ein Jahr Pause machen müssen.

Die Lagerteilnahme erfolgt jeweils auf Einladung des VJMN oder nach einem Vorspiel beim musikalischen Leiter und Dirigenten des Lagers Sandro Oldani. Zusammen mit Andreas Güttinger, Lagerleiter und Finanzchef des Vereins, sind sie die Verantwortlichen des Lagers.

Grosses Konzert zum Abschluss

Den ganzen Tag wird in den vielen Zimmern des grosszügigen Lagerhauses geübt, was die Instrument hergeben. Pro Tag sind vier bis sechs Stunden Musikunterricht pur. «Die Älteren oder Erfahreneren helfen den Jüngeren und geben ihnen wichtige Tipps.

Dieses Zusammenspiel von altersgemischten Lerngruppen funktioniert super», sagt Andreas Güttinger begeistert. Zusätzlich werden sie durch Fachleute von verschiedenen regionalen, aber auch interregionalen Musikschulen unterstützt.

Jeden Tag gibt es mindestens eine Gesamtprobe, an der alle 37 Bläser und Perkussionisten in einem Raum versammelt sind und im Orchester die neu gelernten Melodien spielen. Die 12- bis 20-jährigen Musikerinnen und Musiker arbeiten auf das grosse Abschlusskonzert am Samstag in Niederwil hin. Als Hauptprobe gibt das Ad-hoc-Blasorchester am Vorabend für den Einheimischen in Sarnen ein kleines Konzert unter freiem Himmel.

Nicht nur Musik

Im Lager «Blown» ist aber nicht nur die Musik Thema. Es wartet auch viel Abwechslung auf die Lagerteilnehmer. Am Montag fand ein Volleyballturnier statt, bei dem die Leute der Perkussion den Bläsern zeigten, wer am härtesten draufschlagen kann.

Am Dienstag wurde ein Plauschabend veranstaltet und gestern ging es mit auf den Berg und mit dem Trottinett wieder hinunter. Ansonsten konnten die Jugendlichen ihre Freizeit mit Pingpongspielen und Töggelen verbringen.

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