Niederwil
Musikvereine sterben aus: Jugendlager als Überlebenshilfe

Jugendliche aus dem ganzen Aargau werden vom Verein VJMN in einer Lagerwoche gefördert. Solche Lager sollen den Zusammenhalt und die Freude an der Musik stärken.

Tommy Richner
Merken
Drucken
Teilen
Im grössten Raum des Lagerhauses gibt das Blasorchester bei einer Gesamtprobe Vollgas.

Im grössten Raum des Lagerhauses gibt das Blasorchester bei einer Gesamtprobe Vollgas.

Tommy Richner

Das jüngste Opfer ist die Musikgesellschaft Sarmenstorf. Sie hat ihren Spielbetrieb eingestellt und das traditionelle Jahreskonzert im November abgesagt. Eine Generalversammlung im Frühling wird entscheiden, ob und in welcher Form es allenfalls weitergeht.

Die Musikgesellschaft Sarmenstorf ist am fehlenden Nachwuchs gescheitert. Damit das nicht noch mehr Vereinen passiert, ist 2011 in Niederwil der Verein Jugend- und Musikförderung Niederwil gegründet worden. Unter anderem führt der Verein alle zwei Jahre eine Lagerwoche durch. Sie ist für Jugendliche aus dem ganzen Aargau offen. Die az hat das Musiklager im Melchtal besucht.

In Niederwil wird intensiv Jugendförderung betrieben

In der Schweiz gibt es immer weniger Jungbläser. Um diesem Trend zumindest im Aargau entgegenzuwirken, wurde am 26. November 2011 der Verein Jugend- und Musikförderung Niederwil kurz VJMN gegründet. Der Verein besteht zwar aus begeisterten Musikern, Musiklehrern und Eltern, macht aber selber keine Musik. Es geht in erster Linie darum, die Freude und Begeisterung an der Blasmusik an die Jugendlichen weiterzugeben. Die Vereinsspitze bilden Antonio Giampà, Präsident, Daniela Güttinger, Aktuarin, Andreas Güttinger, Finanzen, und Maribel Künzli, Vizepräsidentin.
Um ihrem Hauptziel, der Unterstützung und der Förderung von Jugendlichen im blasmusikalischen Bereich näher zu kommen, veranstaltet der VJMN den jährlichen Jugendensemble-Wettbewerb «musiContest» und das Musiklager «Blown», das jedes zweite Jahr durchgeführt wird.
Die Jugendensemble-Wettbewerbe fanden schon vor der Gründung des Vereins statt. Sie bieten Formationen die Möglichkeit, vor einer Jury aufzutreten und eine Bewertung zu erhalten. Die Gewinner erhalten einen Gutschein und alle Kinder erhalten Geschenke für ihre Teilnahme. Nächstes Jahr soll jedoch nur noch ein Spasswettbewerb veranstaltet werden, damit es zu keiner Konkurrenz kommt. Man erhofft sich dadurch mehr Teilnehmer.
«In Niederwil kennen wir die Not an fehlendem Nachwuchs zum Glück nicht», sagt Antonio Giampà glücklich. Man sei aber auch nicht ganz unschuldig daran. «Wir betreiben grossen Aufwand, um Jugendliche für ein Blasinstrument zu begeistern», sagt Giampà weiter.
Das Resultat des Lagers «Blown» gibt es am Samstag in der MZH in Niederwil um 18 Uhr am Abschlusskonzert zu sehen und vor allem zu hören. Für Blasmusikbegeisterte ein Muss. (TR)

Schon von weitem ertönen aus dem Lagerhaus «Juhui» im Melchtal musikalische Klänge von Trompeten, Posaunen und Co. Der Verein Jugend- und Musikförderung Niederwil (VJMN) veranstaltet zum zweiten Mal das Musiklager «Blown» für musikbegeisterte Jugendliche.

Ein Lager jährlich

Inspiriert wurde man beim VJMN, weil der aargauische Musikverband ebenfalls ein ähnliches Lager alle zwei Jahre veranstaltet. Man wollte aber, dass die Jugendlichen jedes Jahr die Möglichkeit haben, ein solches Lager zu besuchen und nicht ein Jahr Pause machen müssen.

Die Lagerteilnahme erfolgt jeweils auf Einladung des VJMN oder nach einem Vorspiel beim musikalischen Leiter und Dirigenten des Lagers Sandro Oldani. Zusammen mit Andreas Güttinger, Lagerleiter und Finanzchef des Vereins, sind sie die Verantwortlichen des Lagers.

Grosses Konzert zum Abschluss

Den ganzen Tag wird in den vielen Zimmern des grosszügigen Lagerhauses geübt, was die Instrument hergeben. Pro Tag sind vier bis sechs Stunden Musikunterricht pur. «Die Älteren oder Erfahreneren helfen den Jüngeren und geben ihnen wichtige Tipps.

Dieses Zusammenspiel von altersgemischten Lerngruppen funktioniert super», sagt Andreas Güttinger begeistert. Zusätzlich werden sie durch Fachleute von verschiedenen regionalen, aber auch interregionalen Musikschulen unterstützt.

Jeden Tag gibt es mindestens eine Gesamtprobe, an der alle 37 Bläser und Perkussionisten in einem Raum versammelt sind und im Orchester die neu gelernten Melodien spielen. Die 12- bis 20-jährigen Musikerinnen und Musiker arbeiten auf das grosse Abschlusskonzert am Samstag in Niederwil hin. Als Hauptprobe gibt das Ad-hoc-Blasorchester am Vorabend für den Einheimischen in Sarnen ein kleines Konzert unter freiem Himmel.

Nicht nur Musik

Im Lager «Blown» ist aber nicht nur die Musik Thema. Es wartet auch viel Abwechslung auf die Lagerteilnehmer. Am Montag fand ein Volleyballturnier statt, bei dem die Leute der Perkussion den Bläsern zeigten, wer am härtesten draufschlagen kann.

Am Dienstag wurde ein Plauschabend veranstaltet und gestern ging es mit auf den Berg und mit dem Trottinett wieder hinunter. Ansonsten konnten die Jugendlichen ihre Freizeit mit Pingpongspielen und Töggelen verbringen.