Konzert
Musikverbundenheit statt Kantönli-Rivalität: Bremgarten und Zürich spannen zusammen

Die Stadtmusiken Bremgarten und Zürich haben denselben Dirigenten – jetzt treten sie auch zusammen auf.

Dominic Kobelt
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Es ist ganz schön eng im Probelokal der Stadtmusik Zürich. Kein Wunder, denn sie wird von der Stadtmusik Bremgarten verstärkt. 110 Musikantinnen und Musikanten treten gemeinsam auf.

Es ist ganz schön eng im Probelokal der Stadtmusik Zürich. Kein Wunder, denn sie wird von der Stadtmusik Bremgarten verstärkt. 110 Musikantinnen und Musikanten treten gemeinsam auf.

Dominic Kobelt

Vor dem Probelokal der Stadtmusik Zürich ist kaum noch Platz, in jeder freien Ecke parkt ein Auto. Fast die Hälfte hat ein AG-Nummernschild. Grund ist eine gemeinsame Probe der Stadtmusiken Zürich und Bremgarten.

Kommt es da nicht zu Dissonanzen zwischen den Aargauern und Zürchern? «Überhaupt nicht, die Freude an der Musik verbindet», sagt Niki Wüthrich, der beide Vereine dirigiert, nun aber zum ersten Mal ein gemeinsames Konzert leitet.

Es sei spannend, die beiden unterschiedlichen Vereine zusammen zu erleben. Die Bremgarter sind dabei im Schnitt etwas jünger, musikalisch gesehen bewegen sich beide in der Erst- bis Höchstklasse.

Das Probelokal stösst an seine Grenzen, viel Ellbogenfreiheit haben die Musikerinnen und Musiker nicht mehr. Als sich dann der Raum mit Musik zu füllen beginnt, wird der grosse Trumpf einer solchen Formation hör- und spürbar.

Vom Pianissimo einer einzelnen Querflöte bis zum vollen, majestätischen Ton von 110 Instrumenten, vom Kontrabass bis zu Harfen, Posaunen und Trompeten, die zusammen die Luft zum Vibrieren bringen. «So sind verschiedenste Nuancen möglich», sagt Wüthrich.

Für ihn als auch für die Musikanten bringt das gemeinsame Proben Herausforderungen mit sich. «Die Distanzen sind gross, da muss man die Musiker noch mehr an den Zügeln haben», so der Dirigent.

Diese wiederum müssten sich neu orientieren. «Andererseits können sie sich an manchen Stellen auch tragen lassen, sind besser eingebettet. Schön ist, dass die Stärken und Schwächen verteilt sind, so kann man sich gegenseitig unterstützen», sagt Wüthrich.

«Schwierig war aber, ein geeignetes Werk zu finden, das den Musikern gerecht wird.» Das Stück «No. 1 The Lord of the Rings» basiert auf der gleichnamigen Trilogie von J. R. R. Tolkien. Obwohl die Musik filmhaft umgesetzt ist, handelt es sich nicht um die Melodien aus dem gleichnamigen Film – sie ist nämlich vorher entstanden.

Die Sinfonie wurde von Dirigent, Posaunist, Arrangeur und Komponist Johan de Meij zwischen März 1984 und Dezember 1987 geschrieben.

Nur fünf gemeinsame Proben

Zurück zu den beiden Vereinen: Als Vorbild für ein solches Grossorchester könne Valencia dienen, in dieser Region Spaniens gebe es mehrere Formationen dieser Art, sagt Wüthrich. «Eine gemeinsame Aufführung war allerdings nicht meine Idee.

Die Musikkommissionen beider Vereine entwickelten den Wunsch parallel. Ich war aber natürlich sofort begeistert.» Die Stadtmusik Zürich lädt traditionellerweise einen Verein oder Solisten zum Tonhalle-Konzert ein. «Sonst haben wir aber meist nur ein kurzes Stück zusammen gespielt. Jetzt sind wir eine Dreiviertelstunde gemeinsam auf der Bühne», erklärt Wüthrich.

Eingeübt hat er die Melodien zuerst mit jedem Verein separat. An einem gemeinsamen Probetag wurde dann in den Registern geprobt, es folgten fünf gemeinsame Proben vor dem grossen Auftritt, der morgen Samstag stattfindet.

Es ist eine musikalische Herausforderung, ein so langes Werk in nur fünf Proben zusammenzubringen. Das würde kaum funktionieren, wenn es zwischenmenschlich nicht gleichfalls harmonieren würde. Wüthrich bestätigt: «Ich nehme einen regen Austausch war. Es sind Freundschaften entstanden und wir gehen nach den Proben auch gemeinsam etwas trinken.»

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