Muri

Musiktrio Uri Caine bringt das Pflegidach zum Beben

Uri Caine greift in die Tasten seines Fender Rhodes. sophie anderhub

Uri Caine greift in die Tasten seines Fender Rhodes. sophie anderhub

Mit Klavier, Kontrabass und Schlagzeug brachte das Uri Caine Trio den Dachsaal der Pflegi Muri zum Beben.

Die Herbstferien sind vorüber und mit «Musig im Pflegidach» ging es am Sonntag nach zweiwöchiger Pause wieder los. Der Saal war fast bis auf den letzten Platz gefüllt und das Publikum freute sich auf das Uri Caine Trio. Das, obwohl einige Leute gar nicht recht wussten, wer da eigentlich auftreten und was sie erwarten würde.

«Das Niveau im Pflegidach ist enorm hoch. Hier treten Künstler auf, die sonst nur auf grossen Bühnen zu sehen und zu hören sind», erklärte ein Zuhörer. Die Formation hielt auch hohen Erwartungen stand. Uri Caine am Klavier, Mark Helias am Kontrabass und Clarence Penn am Schlagzeug bezauberten das Publikum. Caine wechselte kurzzeitig sogar sein Instrument und spielte am Fender Rhodes, dem elektro-akustischen Piano. Ob ganz sanfte und gefühlvolle Töne oder kraftvolle und energische Musik – in dieser Stunde war von allem etwas dabei. Das Uri Caine Trio lieferte sein Können zum Besten. Mit einer Mischung aus Jazz und Klassik wurde das Publikum in eine andere Welt versetzt.

Verliebt in die Schweiz

«If Trump get elected we’re moving here» («Wenn Trump gewählt wird, ziehen wir hier hin»), bemerkte Uri Caine während des Konzertes und brachte das Publikum zum Lachen. Für den Auftritt im Pflegidach war das Trio extra aus New York angereist. Uri Caine, der das erste Mal in der Schweiz weilte, war sofort zum grossen Fan unseres Landes geworden: «Ich liebe es hier! Es ist alles so ruhig und ländlich. Am liebsten würde ich gleich hierbleiben» und Clarence Penn fügte scherzend hinzu: «Um ehrlich zu sein, wir sind nur wegen des Käses hier.» – Das erste Stück dauerte 20 Minuten und es schien, als wären die drei Musiker in einer anderen Welt und hätten alles um sich herum vergessen. Die Frage, die während des Konzertes immer wieder beschäftigte, war: «Dauern ihre Stücke wirklich so lange oder spielen sie hier einfach, was sie wollen? Uri Caine klärte die Frage nach dem Konzert: «Wir komponieren keine Lieder, wir improvisieren und spielen das, auf was wir gerade Lust haben.» Auf diese Weise könnten sie stundenlang ohne Unterbrechung musizieren. Einer aus dem Trio beginne jeweils zu spielen und die anderen entschieden dann, ob sie seinen Harmonien folgen und mitspielen oder eine gänzlich andere Richtung einschlagen wollten. So bleibe es auch für die Musiker selbst immer interessant. Man wisse nie, was als Nächstes folgte erklärte Caine. Das Wichtigste dabei sei, dass man auf die Mitmusiker achte und immer gut zuhöre.

Publikum aus dem Häuschen

Mit Clarence Penn und Mark Helias hat Uri Caine seine perfekten Partner gefunden. Man merkt, dass diese drei Musiker schon jahrelange Übung miteinander haben. Sie harmonieren perfekt. Und dies spürte auch das Publikum. Je länger das Konzert dauerte, desto begeisterter wurde es. «Grossartig!», meinte Kurt Stalder nach dem Konzert, «die Modernität und auch die Dynamik der Stücke finde ich schlichtweg genial.»

Das Trio wurde mit tosendem Applaus verabschiedet. Nachdem die Musiker die Bühne verlassen hatten, kehrten sie für eine Zugabe noch einmal ins Rampenlicht zurück. Das Publikum geriet aus dem Häuschen. Ein gelungener Sonntagabend und, wer weiss, vielleicht kehrt das Trio irgendwann wieder nach Muri und auf die Bühne im Pflegidach zurück. Wenn Trump gewählt wird, allenfalls sogar etwas rascher.

Musik in der Deutschstunde Schüler der Kanti Wohlen besuchen Veranstaltungen der Konzertreihe «Musig im Pflegidach», verfassen eine druckreife Konzertkritik und werden dafür benotet.

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