Muri

Musikmuri entführt sein Konzertpublikum in den Himmel und die Hölle

Die herausragende Solistin Aurelia Schmid (Alt-Saxofon) mit Dirigent Karl Herzog. Walter Karl Walde

Die herausragende Solistin Aurelia Schmid (Alt-Saxofon) mit Dirigent Karl Herzog. Walter Karl Walde

Das Orchester Musikmuri überzeugte an seinem Konzertabend am Sonntag in der Kirche mit Spielfreude und Präzision.

Das diesjährige Winterkonzert des Orchesters Musikmuri stand ganz im Zeichen ober- und unterirdischer Welten. Es braucht schon etwas Mut, drei Werke von zeitgenössischen Komponisten auf den Programmzettel zu nehmen. Aber das Wagnis hat sich gelohnt.

Das Orchester überzeugte in der Murianer Kirche St. Goar mit einer guten Balance zwischen Spielfreude und Präzision. Der ortsansässige Pfarrer Georges Schwickerath führte mit geistreichen Erklärungen durchs Programm. Um es vorwegzunehmen: Ein durchwegs gelungener Konzertabend, das Mittelschiff der Kirche war voll besetzt von Musikfreunden, die an diesem Sonntagabend viel expressive, aber auch meditative Musik erleben durften.

Dirigent ohne Allüren

Dem Konzertbesucher wird vermittelt: Das Orchester Musikmuri ist nicht einfach eine Musikgesellschaft mit Harmonie-Besetzung, sondern ein Orchester, das, angereichert mit Celli, Kontrabass, Harfe und einem Flügel, dazu einer gut besetzten Perkussionsgruppe, sehr differenzierte und sinfonische Musik spielen kann.

Vor allem aber sind die Holz- und Blechbläser gut besetzt und ebenso gut aufeinender abgestimmt. Der Dirigent Karl Herzog überzeugt mit seiner klaren Zeichensprache, ohne Allüren oder einem Hang zur Selbstdarstellung.

Musikalisches Südfrankreich

Mit dem mehrsätzigen Werk «Tableaux de Provence» der französischen Komponistin Paule Maurice bewies der Dirigent eine glückliche Hand bei der Besetzung der Solistin. Es war eine helle Freude, der Alt-Saxofonistin Aurelia Schmid zuzuhören. Das fünfteilige Werk erinnert stark an die Tradition der sinfonischen Dichtungen, jedem Satz war ein Thema vorgegeben, auch hier überzeugte das Orchester mit seiner einfühlsamen Begleitung der Solistin, und das bei einer Akustik in der Kirche St. Goar, die ein Dirigent zuerst einmal in den Griff bekommen hat.

Das Thema des Konzerts lautete «Stadt des Himmels» – und dies trifft auch bei diesem musikalischen Panoptikum der südfranzösischen Region Provence zu: Denn ein Satz widmet sich der wohl bekanntesten Begräbnisstrasse des klassischen Altertums: «Les Alyscamps», jener 500 Meter langen Anlage am Stadtrand von Arles, wo sich Hunderte von römischen Grabanlagen befinden.Die Solistin Aurelia Schmid hat mit ihrer eindrücklichen Interpretation diesem Kulturerbe neues Leben eingehaucht, denn sie versteht es, die langen Phrasen der Komposition kunstreich zu gestalten.

Im letzten Satz bewies sie ihre stupende Technik mit schnellen Tonabfolgen und schwierigen Läufen, man hätte ihr gerne noch länger zugehört.

Amerikaner mit Dantes Komödie

Der 1958 in Daleville (Alabama) geborene Komponist Robert W. Smith hat sich in seiner ersten Sinfonie auf einen Klassiker der italienischen Literatur eingelassen: Die berühmte «Göttliche Komödie» des mittelalterlichen Dichters und Philosophen Dante Alighieri.

Das vierteilige Werk (Hölle, Fegefeuer, Auferstehung, Paradies) erlaubte dem Orchester, alle Register auszuspielen, ja, die Musiker mussten sich gar noch als Sänger beweisen, was sich gar nicht schlecht anhörte. Dirigent Karl Herzog motivierte seine Musiker zu einer reifen und disziplinierten Leistung. Die Konzertbesucher bedankten sich mit lang anhaltendem Applaus. Eigentlich schade, dass dieses stimmungsvolle und höchst ansprechende Programm nicht mehrmals aufgeführt wird, das Orchester und die Solistin hätten eine Zweitaufführung verdient.

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