«Wer rettet die Musikgesellschaft Sarmenstorf?», schreibt der Vorstand des Vereins in einem Brief an alle Ehrenmitglieder sowie an die ehemaligen Mitglieder des Vereins. Und auch in einem Aufruf über die Medien, versucht die Musikgesellschaft Sarmenstorf zu verhindern, was nur schwer mehr zu verhindern sein wird. Dem vor 135 Jahren gegründeten Verein droht die Auflösung.

Spielbetrieb eingestellt

Den Spielbetrieb hat die Musikgesellschaft laut Präsidentin Anja Köchli bereits eingestellt: «Wir geben bei einem noch immer aktiven Ehrenmitglied ein Ständchen zu seinem 80. Geburtstag. Dann legen wir die Instrumente vorläufig auf die Seite», erklärte sie. Die Diskussionen um den Fortbestand des Vereins seien bereits seit der Generalversammlung im letzten Winter im Gang. Eine Kommission habe alle möglichen und unmöglichen Lösungen zusammengetragen und geprüft. «Was uns jetzt noch bleibt», sagt Anja Köchli, «ist ein Aufruf an alle interessierten Musiker, welche eine neue Herausforderung suchen.»

«Haben Sie Interesse zusammen mit uns den Verein zu retten? Getrauen Sie sich ihr Instrument wieder hervor zu holen und melden Sie sich», appelliert der Verein an alle ehemaligen Mitglieder und solche, die neu im Verein mittun möchten.

Im September soll eine erneute Zusammenkunft des Vereines stattfinden. Man hoffe, dass sich bis dahin genügen Leute melden würden, um das Fortbestehen des Vereins zu sichern. «Ansonsten», sagt die Präsidentin, «muss die traurige, aber notgedrungene Auflösung der Musikgesellschaft Sarmenstorf in die Wege geleitet werden.»

Verband bietet Unterstützung an

«Wir kennen das Problem. Gesamthaft ist es bei uns im Aargau um das Blasmusikwesen zwar noch gut bestellt. Sarmenstorf ist jedoch nicht der einzige Verein, der Mühe hat, den Spielbetrieb aufrecht zu erhalten», sagt Kurt Obrist, der Präsident des Aargauischen Musikverbandes. Ein Patentrezept gegen schwindende Mitgliederzahlen und nachlassendes Interesse am Vereinsleben könne der Verband leider nicht bieten, sagt Obrist. Aber er biete dem Verein seine Unterstützung an: «Vielleicht können wir ja etwas zur Rettung des Vereins beitragen.»

Auch dank der Anstrengungen des Verbandes, der viel Gewicht auf die Ausbildung legt und zahlreiche Kurse anbietet, ist die Zahl der Blasmusikanten im Aargau konstant bis schwach steigend. «Viele junge Leute wollen sich aber nicht an Vereine binden und machen lediglich bei temporären Musikprojekten mit», bedauert Obrist.

Niedergang kam schleichend

Der Niedergang der Musikgesellschaft Sarmenstorf kam schleichend. Schon seit bald 20 Jahren macht dem Verein der stete Mitgliederschwund zu schaffen und er hat auch immer und immer wieder versucht, mit verschiedensten Aktivitäten neue Mitglieder zu werben. Jetzt ist der Tiefpunkt erreicht.

«Wir haben verschiedene Abgänge von jungen Mitgliedern, die voll auf ihre Berufsausbildung setzen und die wir nicht ersetzen können. Wir haben Spielgemeinschaften mit Vereinen aus der Region und andere Lösungen geprüft. Vergeblich. Wenn jetzt auch dieser Appell nicht hilft, dann stehen wir vor dem Ende», sagt Anja Köchli.