Muri
Musikalisches Multitasking: Nate Wood spielt vier Instrumente gleichzeitig

Etienne Bühler
Merken
Drucken
Teilen
Nate Wood spielte im Pflegidach vier Instrumente gleichzeitig.

Nate Wood spielte im Pflegidach vier Instrumente gleichzeitig.

zvg/marin valentin wolf

Dass die Songs auf seinem Album derart seltsam klingen, das habe er eigentlich nicht geplant, sagt Nate Wood und grinst. Der Amerikaner ist am vergangenen Sonntag im Murianer Pflegidach aufgetreten und hat dort für rasante Rhythmen und tosenden Applaus, teilweise aber auch für fremde Klänge und Stirnrunzeln gesorgt. All das sei halt auch für ihn noch musikalisches Neuland, erklärt der Künstler nach dem Konzert, «ich bin immer noch in der Experimentierphase».

Schon mehrfach in Muri

Als Schlagzeuger der Band «Kneebody» hat sich Wood in der Szene einen Namen gemacht – die Band war in der Vergangenheit schon für einen Grammy nominiert und trat bereits mehrfach an der Konzertreihe von Stephan Diethelm in Muri auf. Mit seinem neusten Soloprojekt geht Wood jetzt aber ganz neue Wege: Auf dem Album «X.IT» spielt er gleichzeitig Schlagzeug, Bass und Keyboard und singt dazu noch selber geschriebene Texte. Mit Alleinunterhaltern, die jeweils an Dorffesten für Stimmung sorgen, hat sein Auftritt aber wenig gemein: Wood produziert ausgeklügelte Songs, die nur schwer greifbar und noch schwerer kategorisierbar sind. Genauso schnell wie er zwischen den Instrumenten hin und her wechselt, so schnell ändert sich das Genre der Musik. Meist sind es futuristische elektronische Klänge, die sich mit Pop- und Rock-Elementen mischen – fast immer nimmt das Schlagzeug eine dominante Rolle ein.

Aber wäre es nicht einfacher, wenn sich Wood auf ein einziges Instrument konzentrieren würde? Könnte sich seine musikalische Kreativität dann nicht besser entfalten? Der Amerikaner schüttelt entschieden den Kopf: «Natürlich wäre es einfacher, aber auch langweiliger», sagt er. «Von dieser Herausforderung wird meine Kreativität nicht eingedämmt, sondern angekurbelt. Ich bin mein eigener DJ und kann spontane Ideen ganz eigenständig und auf allen Ebenen gleichzeitig umsetzen.» Wood hat sich deshalb eine eigene Technik erarbeitet, um möglichst effizient zwischen den verschiedenen Instrumenten zu wechseln. Diese hat er während des vergangenen Jahres perfektioniert und damit auch schon andere Künstler zu ähnlichen Experimenten inspiriert. Für ihn zumindest sei es der effizienteste Weg, um ein besserer Musiker zu werden, ist Wood überzeugt.

Roboter und Republikaner

Nate Woods aktuelles Album zeugt nicht nur von seinem musikalischen Talent, sondern auch von den technischen Möglichkeiten, die heute breit verfügbar sind. Wood hat alle Songs in seiner eigenen Wohnung aufgenommen, sie danach selber abgemischt, dazu natürlich jeweils ein Video aufgenommen, dieses geschnitten und ins Internet hochgeladen. Einzig für das Design des CD-Covers hat er jemanden engagiert. «Ich habe die gesamte Kontrolle – nicht nur über die Musik, sondern auch über die Produktion. Für mich ist das extrem aufregend. Sowas wäre zu Beginn meiner Karriere noch undenkbar gewesen.»

Die Technik spielt aber auch in seinen Texten eine wichtige Rolle: Wood singt beispielsweise über die Fortschritte bei der Entwicklung von künstlicher Intelligenz, über Raumschiffe und eingefrorene Gehirne. Überhaupt sei dieses Album für ihn ein Ventil, um all das loszuwerden, was ihn gerade beschäftige, erklärt er dem gespannten Publikum. Momentan seien das vor allem auch Präsident Trump und das politische Klima in den USA. Könnte auch dies ein Grund dafür sein, dass die Songs seltsamer und weniger harmonisch klingen als ursprünglich geplant? Wood schmunzelt, denkt kurz nach und antwortet dann: «Ja, vermutlich schon.»

Musik in der Deutschstunde: Schüler der Kanti Wohlen besuchen Veranstaltungen der Konzertreihe «Musig im Pflegidach», verfassen eine druckreife Konzertkritik und werden dafür benotet.