Muri

Musik, die aus dem Herzen kommt

Die Jugendmusik Muri mit Dirigent Karl Herzog an ihrem Jahreskonzert im Festsaal Muri. Toni Widmer

Die Jugendmusik Muri mit Dirigent Karl Herzog an ihrem Jahreskonzert im Festsaal Muri. Toni Widmer

Die Jugendmusik unter der Leitung von Karl Herzog begeisterte das Publikum im Festsaal einmal mehr.

Da und dort steht im Konzertprogramm der Jugendmusik Muri neben dem Komponisten auch ein Arrangeur. Karl Herzog, der Dirigent, ist dort als solcher nicht aufgeführt. Und doch liegt die Vermutung nahe, dass er – in der Vorbereitung zum traditionellen Jahreskonzert im Festsaal – bei jeder Komposition als Co-Arrangeur eingegriffen hat. Noten, die exakt auf die ungewöhnliche Besetzung dieses jungen, 19 Musikerinnen und Musiker starken Ensembles zugeschnitten sind, kann man wohl kaum einfach so kaufen.

Die Jugendmusik ist instrumentenmässig sehr breit aufgestellt: es gibt Flöten, Klarinetten und ein Saxofon, Trompeten und ein Kornett, zwei Waldhorn, ein Euphonium und ein Fagott, aber auch Cello, Schlagzeug, Kesselpauken und Xylofon. Maestro Herzog entlockt dieser ungewöhnlichen Kombination einen erstaunlich kompakten Klang. Er tut das nicht mit nur mit beiden Händen. Gelegentlich gibt er den richtigen Einsatz auch mit einem Kopfnicken, einem Schulterzucken oder gar mit einem leichten Hüftschwung.

Egal, wie er sie gibt – seine Anweisungen werden vom Orchester exakt befolgt. Das kleine Korps wirkt sehr musikalisch und dynamisch. Der Zuhörer merkt schon nach wenigen Takten, dass da nicht einfach die jeweils auf dem Notenblatt vorgegebenen Melodienfolgen «abgespult» werden. Es ist Musik, die aus dem Herzen kommt und wohl auch deshalb das Publikum sofort in seinen Bann zieht.

Die sehr schön gespielte Eröffnungsmelodie «The Eternal Journey» war zugleich das Konzertmotto. Die Jugendmusik nahm ihre Zuhörerinnen und Zuhörer auf ihre «unendliche Reise» durch die Welt der Musik mit. Herrlich vorgetragen auch «Shenandoah», eine melodiöse und abwechslungsreiche Komposition. Mit «The Phantom Herd» hatte der Dirigent der Jugendmusik eine Komposition vorgelegt, die alle Mitwirkenden technisch stark forderte und auch an die Dynamik sehr hohe Ansprüche stellte.

Das Korps meisterte die zahlreichen Klippen mit Bravour. Auch die Stimmung, die in den ersten drei Vorträgen nervositätsbedingt in einzelnen Registern (Holz) zum Teil noch etwas gelitten hatte, war jetzt nahezu perfekt.

Ganz perfekt war das, was Klarinettensolistin Nadine Zimmermann in «Clarinet Scrabble» zeigte. Mit einem schönen Ton und brillanter Technik «turnte» die talentierte junge Musikerin in atemberaubendem Tempo sicher die Tonleiter hinauf und hinunter, vom Orchester dezent begleitet. Ein musikalischer Genuss, der das Publikum von den Sitzen riss.

Nach der verdienten Pause konnte die Jugendmusik in den ersten beiden Kompositionen nicht mehr ganz an die tadellose Leistung des ersten Konzertteils anknüpfen. Die kleinen Patzer da und dort sowie die Stimmungstrübungen in mehreren Registern taten jedoch dem guten Gesamteindruck und dem musikalischen Erlebnis keinen Abbruch. Nachwuchsmusiker dürfen auch mal Fehler machen!

Das Publikum dankte die hervorragende Leistung mit einem tosenden Schlussapplaus und entliess das Orchester erst nach mehreren Zugaben in den verdienten Feierabend.

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