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«Musig im Pflegidach»: Rationalität mit viel Gefühl

Das in der Jazzwelt bestens bekannte Trio Gilad Hekselman, Aaron Parks und Kendrick Scott spielten im Pflegidach und bald auf Vinyl.

Anna Dossenbach
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Gilad Hekselman im Pflegidach.

Gilad Hekselman im Pflegidach.

Christoph Biegel

Mit einem energetischen V-Blues leitete das Trio Gilad Hekselman (Gitarre), Aaron Parks (Piano) und Kendrick Scott (Schlagzeug) ihr Konzert im Pflegidach ein. Das Publikum war hingerissen. Hekselman ist in der Jazzbranche bestens bekannt. Mit seiner Band trat er in Montreux auf, einem der weltweit wichtigsten Jazzfestivals. Beginnend mit ruhigen, romantischen Stücken, die an Heimat erinnerten und sich zu wilden, aufbrausenden Rhythmen entwickelten, zeigte das Trio sein Können. Der Auftritt war anregend und stimmig.

Den Gitarristen, der in seiner Jugend in israelischen Kindersendungen mitgespielt hatte, zog es 2004 nach New York, wo er sein Studium in Jazz Performance beendete. Auf die Frage, warum er New York ausgesucht habe, antwortete er überraschend: «New York ist die Hauptstadt des Jazz. Jeder, der Verstand hat, würde es dort tun.» Seine Aussage ist rational, was man nicht von einem Jazzmusiker erwartet, der immer von so viel Gefühl spricht.

Gedanken der Musik

Viel mehr passt die Aussage zu ihm, das Gefühl sei die wichtigste Eigenschaft beim Musikmachen. Es sei jedes Mal ein anderes Feeling, wenn er auf seiner Gitarre zupfe. Michael Jackson und Frédéric Chopin zählen zu seinen wichtigsten Inspirationsquellen. Er beschrieb, wie er die Gefühle in seine Werke einzubringen versuche. Die Interpretation seiner Stücke sei dann jedem selbst überlassen. Oft schreibe er Musik, die sich auf seine Gefühle und sein Privatleben bezieht. Zu dem Song «It will get better» erklärte er lachend: «Ich habe ihn für meinen Sohn geschrieben. Er kam auf die Welt, als Trump gewählt wurde.»

Seine Kollegen, Aaron und Kendrick, sind, im Gegensatz zum rationalen Gilad, eher träumerisch und enthusiastisch. «Musik ist ein Tropfen, der ins Meer des Lebens fällt.» Sie beschrieben sie als eine Art, wie sie in bestimmten schönen Momenten ihres Spiels miteinander und mit dem Publikum kommunizieren. Diese Freude und Begeisterung war in ihrem Blick spürbar, als sie die jubelnden Zuschauer betrachteten. «Das Trio harmoniert wunderbar», kommentierte ein Mann im Publikum.

Kendrick überlegte, woran er beim Musikmachen denke: «Ich nehme an, wenn ich erklären könnte, was ich denke, würde ich nicht sehr gut spielen. Es ist mehr ein Gefühl, ein Ausdruck des Lebens.» Aaron fügte schmunzelnd hinzu: «Ich musiziere am besten, wenn mein Kopf leer ist. Wenn man denkt, ist es meistens etwas Egoistisches. Das verhindert die Kommunikation.»

Konzert auf Vinyl

Stephan Diethelm, Organisator der Konzerte im Pflegidach, suchte andere Wege, um die Livemusik festzuhalten, als sie auf CDs zu brennen. So traf er Produzent Elan Mehler, der nun sechs Vinylplatten pro Jahr im Pflegidach aufnimmt und in einer Box bereitstellt. Diethelm ist davon begeistert. So werden auch Gilad, Aaron und Kendrick auf Schallplatten konserviert. Nun kann man das Konzert auf Platte geniessen – fast wie in echt.

Musik in der Deutschstunde Schüler der Kanti Wohlen besuchen Veranstaltungen der Konzertreihe «Musig im Pflegidach», verfassen eine druckreife Konzertkritik und werden dafür benotet.

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