Muri
Musig im Pflegidach: Griechisches Chróma und Affen

In Muri brachte die Petros Klampanis Group die Zu-hörer von Musig im Pflegidach zum Mitwippen, Singen und Jubeln.

Sharon De Filippis, Lucia Gemma und Sina Gisler
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Petros Klampanis malt mit seinem Bass musikalische Bilder.

Petros Klampanis malt mit seinem Bass musikalische Bilder.

Christoph Biegel

«Im Grunde ist jeder Mensch wie eine Farbpalette, individuell.» Mit diesem Vergleich versucht der griechische Bassist und Bandleader Petros Klampanis, den Zuschauern den Titel seines neuen Albums «Chróma», das griechische Wort für Farbe, zu erklären. «Jeder hat eine eigene Persönlichkeit mit seinen eigenen Erfahrungen und Emotionen, jeder Aspekt dieser Persönlichkeit stellt eine Farbe dar. All diese Farben werden durch unsere Erfahrungen gebildet.» Nicht nur das darauffolgende Stück, sondern das ganze Konzert schienen von dem Bild eines bunten, vielfältigen Menschen geprägt zu sein. Stetige Wechsel in Lautstärke, Rhythmus und Melodie machten den Abend zu einem Überraschungspaket der Extraklasse und malten in musikalischer Weise das Kunstwerk eines Individuums mit all seinen Emotionen.

Die Band – Sofia Baltatzi und Olga Holdorff (vl), Sara Rilling (va), Gregor Fuhrmann (vc) und Shai Maestro (p) – schien mit ihren Instrumenten Geschichten zu erzählen, die klar und doch offen waren. Das gesamte Konzert war geprägt von bewundernden Blicken unter den Bandmitgliedern, sie alle schienen immer wieder aufs Neue überrascht und fasziniert vom Talent ihrer Bandkollegen. Während des ganzen Abends schienen sie eins zu sein, zusammen wuchsen sie, drückten sich aus, lachten, genossen. «Jazz ist wie ein Dialog, Petros und ich sprechen beide zur gleichen Zeit und müssen uns darum entscheiden, wer die Führungsrolle übernimmt. Das kreiert eine unglaubliche Spannung», erklärt Pianist Shai Maestro den Zauber dieser Verständigung ohne Worte.

Publikum sang mit

Irgendwann verliessen sämtliche Bandmitglieder den Raum. Auf der Bühne zurück blieben Klampanis und sein Kontrabass. Das nächste Stück heisse «Alfonsina y el mar», verkündete der Absolvent der Aaron Copland School. Es sei leider keine Eigenkomposition, er wünschte aber, es wäre eine. Und dies spürten die Zuhörer bereits nach wenigen Sekunden. Klampanis spielte das von überraschenden Wechseln geprägte Stück mit einer unglaublich intensiven Sehnsucht und schien dabei komplett in seiner eigenen Welt zu versinken. Gleichzeitig bewegte er seine Finger mit einer faszinierenden Sicherheit, das sein grosses Talent noch einmal bestätigte.

Mit dem Lied «Monkey Business» neigte sich der Abend dem Ende zu. Petros Klampanis erklärte: «‹Monkey Business› ist inspiriert durch den Fakt, dass wir alle in irgendeiner Hinsicht Affen sind.» Die genauere Ausführung dieses Gedankens, überliess er jedem einzelnen. Zu Beginn ruhig, steigerte sich das Lied langsam auf einen kraftvollen Höhepunkt. Die wachsende Spannung konnte dabei nicht nur gehört werden, sie spiegelte sich auch auf den Gesichtern der Musiker. Klampanis’ raue und doch sehr sanfte Stimme rührte und berührte, und spätestens als das Publikum in den Gesang einstimmte, lief auch dem Letzten ein Schauer über den Rücken.

Die Petros Klampanis Group schaffte es, das Publikum bis zum letzten Klatschen in ihrem emotionalen Bann zu halten. Manch einer gab sich mit geschlossenen Augen voll und ganz der Musik und deren Geschichten hin, bewegte seinen Fuss im Rhythmus der Musik mit, sang oder liess alles stillschweigend auf sich wirken. Egal, auf welche Art und Weise der Abend genossen wurde, sicherlich wird er noch lange in den Gedanken der Konzertbesucher sein und beim Zurückdenken Lächeln und Gänsehaut auslösen.

Musik in der Deutschstunde: Schülerinnen und Schüler der Kanti Wohlen besuchen Veranstaltungen der Konzertreihe «Musig im Pflegidach», verfassen eine druckreife Konzertkritik und werden dafür benotet.