Muri
Musig im Pflegidach: Eine Weltenbummlerin mit Power im Gepäck

Am Sonntag verzauberte Camila Meza mit ihrer feinen, wunderschönen Stimme und ihrer Ausstrahlung das Publikum bei Musig im Pflegidach.

Lucia Gemma
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Camila Meza, die Powerfrau aus Chile, trat in Muri auf.

Camila Meza, die Powerfrau aus Chile, trat in Muri auf.

zvg/Christoph Biegel

Als die 32-jährige Gitarristin, Sängerin und Komponistin Camila Meza am Sonntagabend mit ihrem farbig verspielten Kleid und einem breiten Grinsen die Bühne betrat, wurde sofort klar, dass sie genau dort hingehört. «Para volar» («zum fliegen») hiess das erste Lied, mit dem sie die Aufmerksamkeit der Zuhörer voll und ganz für sich gewann. Ihre Leidenschaft für die Musik las man der chilenischen Powerfrau vom Gesicht ab. Konzentrierte Blicke, geschlossene Augen und Lachen hielten sich während des Konzerts die Waage und sorgten beim Beobachten der Sängerin für ein mitreissendes Gefühl. Camila war bereits als Sidewoman von Ryan Keberle und Catharsis auf der Bühne der Musig im Pflegidach. Bei ihrem zweiten Auftritt in Muri wurde sie von Noam Wiesenberg am Bass, Guilhem Flauzat am Schlagzeug und Gadi Lehavi am Piano begleitet. Letzterer war bereits vor sechs Jahren als israelisches Wunderkind zu Besuch im Pflegidach und zog das Publikum mit seinem Talent am Flügel in seinen Bann.

Mehr als Worte

Im Interview schilderte der israelische Bassist Noam die Grossartigkeit New Yorks, wo sich die vier Musiker auf verschiedenen Wegen kennen gelernt hatten. «Es geschah alles durch New York, wir haben alle Camilas Musik gespielt, aber noch nie in der Kombination wie auf dieser Tour.» Noam erklärte, dass er seine Gedanken besser durch Musik als durch Worte ausdrücken könne. Mit Musik entstehe eine zwischenmenschliche Verbindung, die sehr tief sei, ohne jeglichen verbalen Austausch. Dieser sei nämlich limitiert, wenn man verschiedene Sprachen spreche. Camila selbst beschrieb sich im Interview als Supernomadin. Sie erzählte von ihrer Begeisterung für das Reisen, und dass sie es nicht mag, zu wissen, wie sich ihre Zukunft gestalten wird. Das zeigte sich auch bei ihrer Ausbildung an der New School in New York, für die sie 2009 ein Stipendium gewonnen hat. «Das Ganze war so gar nicht geplant.» Musik bedeutet für Camila das ganze Paket: Sie sei ein Lehrer, ein fantastischer Partner und ein unglaublicher Entertainer, ohne den sie nicht leben könnte. Improvisation sei etwas, das Camila immer gesucht habe, und als sie das erste Mal mit Jazz konfrontiert wurde, habe es sich für sie angefühlt, als wäre sie zu Hause angekommen. Inspiration findet Camila dort, wo alles am richtigen Ort sei. Bei Stephan im Pflegidach sei dies genau der Fall, darum liebe sie es, dort zu spielen.

Improvisieren sei gelernt

Doch die Reise der Band durch das Freiamt war nach dem Auftritt in Muri nicht zu Ende. Am Montag boten sie den musikbegeisterten Schülern der Kanti Wohlen einen Workshop an, indem sie ihnen grundlegende Tipps und Tricks zum Improvisieren in der Jazzwelt näher brachten. Wer weiss, vielleicht gelingt es einem dieser Schüler später auch einmal, mit seiner Musik bis nach New York zu kommen. Das Leben als Weltenbummler und Musiker hat Camila sicher dem einen oder anderen schmackhaft machen können.

Musik in der Deutschstunde Schüler der Kanti Wohlen besuchen Veranstaltungen der Konzertreihe «Musig im Pflegidach», verfassen eine druckreife Konzertkritik und werden dafür benotet.

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