Bekannte Opernklänge erfüllten das Gewölbe der sehr gut besuchten Kirche St. Nikolaus, als Dirigent Niki Wüthrich den Taktstock hob und der Stadtmusik den Aufschlag zur Ouvertüre aus «Nabucco» gab. Das Kirchenkonzert widmete sich unter dem Titel «Musica Classica» ganz der klassischen Musik.

«Klassisch» im Sinne von ernster Musik, führte das Blasorchester doch Werke von Giuseppe Verdi bis zu Dmitri Shostakovich auf. Für eine weitere Klangfarbe sorgte im Laufe des Abends Daniela Hunziker mit dem Violoncello.

Sie kreierte als Solistin in Offenbachs Concerto Militaire auf ihrem Instrument lyrische, virtuose, heitere Klangbilder.

Die Ouvertüre aus Verdis Oper Nabucco thematisiert das Streben des jüdischen Volkes aus der babylonischen Gefangenschaft. Das im Jahr 1841 komponierte Werk bildete den gelungenen Einstieg in ein anspruchsvolles Konzert.

Mit abgerundetem, vollem Klang stellte sich die Stadtmusik der zahlreich erschienenen Zuhörerschaft vor. Dass der Probenschwerpunkt eher auf die beiden folgenden Stücke gesetzt wurde, liess sich an gewissen Stellen erahnen, tat aber dem Hörgenuss keinen entscheidenden Abbruch.

Werk für Cello und Blasorchester

Der Bogen zum nächsten Stück lässt sich ebenfalls über das Judentum spannen. Es folgte das Concerto Militaire in G-Dur für Violoncello und Blasorchester aus der Feder des deutsch-französischen Komponisten und Cellisten Jacques Offenbach.

Dieser stammte ursprünglich aus Köln und kam dort 1819 als Sohn des jüdischen Kantors Isaac Ben-Juda zur Welt.

Jakob Eberst, wie Offenbach damals hiess, zog 1833 nach Paris und nannte sich fortan Jacques Offenbach. 1844 konvertierte er zum Katholizismus. Drei Jahre später komponierte er das Concerto Militaire.

Die Solistin Daniela Hunziker, in Bremgarten aufgewachsen und Profi- Cellistin, stellte ihr Können im dreisätzigen Werk unter Beweis. Nach romantisch-heiterem Beginn im Allegro maestoso überzeugte die Solistin mit energischen Doppelgriffen und technischen Passagen.

Die Stadtmusik begleitete subtil, mit sehr weichem Klang und beschloss im brillanten Tutti den Satz.

Das Andante stellte bezüglich des Arrangements durch Philipp Wagner grosse Ansprüche an die Balance. Offenbach, bekannt für einen durchsichtigen, schlanken Stil der Instrumentation, kam durch die Bearbeitung gewichtiger daher.

Die Cellistin musste einen Kontrast zu den innigen Begleitfiguren des Holzes finden, was nicht immer ein Leichtes war. Beeindruckend fielen die tiefen Celli-Passagen aus, die mit dem Blasorchesters perfekt harmonierten und sich gleichzeitig vom Gesamtklang kontrastreich absetzten.

Das Zusammenspiel zwischen der Stadtmusik und der Solistin im dritten Satz, dem Rondo, stellte unter anderem bezüglich der Tempi-Wechsel eine grosse Herausforderung dar, die alle mit Bravour meisterten.

Einzig die Intonationstrübungen in der Cello-Kadenz vermochten den Musikgenuss etwas zu schmälern. Lang anhaltender Applaus belohnte die Musizierenden und ihren Dirigenten für ihre sehr seriöse und präzise Vorbereitungsarbeit und die überzeugende Aufführung.

Stadtmusik auch alleine stark

«Ich liebe alle Musik, von Bach bis Offenbach», meinte der russische Komponist Dmitri Shostakovich einst augenzwinkernd. Von ihm führte die Stadtmusik Bremgarten nun wieder als alleinige Protagonistin die eingängige Ballet-Suite No. 1 auf.

Die sechs Sätze im eher volkstümlichen Stil dürfen nicht unterschätzt werden.

Besonders die Romanze stellt durch ihre ständigen Modulationen höchste Anforderungen an die Musizierenden. Weit auseinander geführte Mehrfach-Oktaven in der Polka forderten höchste und tiefste Lagen gleichermassen. Der temporeiche und fulminante Abschluss-Galopp begeisterte das Publikum vollends.

Mit der Carnival Ouverture, entstanden im Jahr 1891, führte der Zeitensprung rückwärts zu Antonin Dvorak. Der tschechische Komponist und Anhänger der Nationalen Schule in Böhmen stand für die Erhaltung ihres traditionellen musikalischen Kulturguts ein.

Beschwingt und mit vollem Klang führte die Stadtmusik diese mitreissende Komposition auf und beschloss so, nach der Zugabe von Brahms Ungarischem Tanz Nr. 6, unter lang anhaltendem Applaus das äusserst gelungene Konzert.