Ganz cool sitzt Sina Eichhorn auf einem Stuhl in der Küche, vor ihr eine schwere Statue, der «goldene Delphin» aus Cannes. Die Interview-Fragen beantwortet sie ohne Scheu. Mit ihren 12 Jahren wirkt sie bereits wie ein alter Hase im Geschäft. Dabei hat sie als eine der Jüngsten an den Kurzfilmawards in Cannes beinahe den Hauptpreis, den «weissen Delphin», abgeräumt und kam zusammen mit den Produzenten des Films «Lautloses Ertrinken» mit dem «goldenen Delphin» in der Sparte Soziales Engagement zurück in die Schweiz.

Murianer Schülerin bekommt Auszeichnung für Rolle in Lebensretterfilm «Lautloses Ertrinken»

Der Film «Lautloses Ertrinken»

«Das ist genau Sina»

Im Film spielt Sina ein Mädchen, dessen kleiner Nachbarsjunge daheim im Planschbecken ganz in der Nähe der Mutter - wie der Titel schon sagt - lautlos ertrinkt. Der Film, der von der Schweizerischen Lebensrettungs-Gesellschaft SLRG in Auftrag gegeben und 2011 gedreht wurde, geht unter die Haut. Dabei verbindet Sina auch persönlich viel mit dem Thema Rettung aus dem Wasser. Sie hat das Jugendbrevet, denn «ich finde es wichtig, dass man nicht hilflos danebenstehen muss, wenn jemand einen Unfall hat und bewusstlos wird», sagt sie selbstbewusst. Ihre Mutter Sölen Eichhorn fügt an: «Der Film passt perfekt zu ihr, das ist genau Sina.»

Ein Foto machte Sina bekannt

Doch wie kam es, dass Sina die Hauptrolle in dem knapp vierminütigen Werbefilm spielen durfte? «Das ist eine lange Geschichte», lacht die Bezirksschülerin. Alles begann damit, dass Sina als 5-Jährige im Kindergarten mit dem SLRG-Maskottchen Pico fotografiert wurde (Bild Mitte). «Dieses Bild wurde dann von der SLRG auf der Website verwendet, doch niemand von ihnen wusste, wer das Mädchen war», erinnert sich Sölen Eichhorn.

Durch einen Zufall sah Sinas Patentante das Bild, und Sina wurde zu einem Interview zur SLRG eingeladen. «Pressesprecherin Prisca Wolfensberger und Sina mochten sich von Anfang an.» Als die Filmgesellschaft Element P dann den Auftrag erhielt, «Lautloses Ertrinken» zu drehen, «war die Auflage der SLRG, dass sie Sina zum Casting einladen», erinnert sich Mutter Sölen. «Davon waren die Filmleute anfangs gar nicht begeistert, aber nach dem Casting sagten sie, sie drehen mit Sina oder gar nicht.»

Galaabend in Cannes

Vor einer Woche durften Sina und ihre Mutter zusammen mit Regisseur Daniel Reichenbach, Prisca Wolfensberger und anderen Beteiligten nach Cannes zur Preisübergabe reisen. Aus rund 700 Einsendungen wurden 109 Kurzfilme in den verschiedenen Sparten ausgezeichnet. Erst um 22.30 Uhr kam Sinas Kategorie an die Reihe - die 12-Jährige war bereits zu müde, um aufgeregt zu sein. Umso nervöser war ihre Mutter: «Ich hielt es fast nicht aus, und als der Film nicht unter den Silbergewinnern aufgezählt wurde, wussten wir, dass er Gold gewonnen hatte. Wir konnten es kaum glauben», erinnert sich die Schwimmlehrerin.

Morgens um 2 Uhr gab Sina das letzte Interview, danach konnte sie endlich zurück ins Hotel. «Ein Jurymitglied wollte uns interviewen, weil er sich sehr dafür eingesetzt hatte, dass unser Film den ‹weissen Delphin› erhält. Die Jury habe sich nur knapp gegen uns entschieden», erinnert sich Sina. Traurig ist die aufgeweckte Jungschauspielerin aber nicht darüber. Ihr hat es Spass gemacht, beim Dreh dabei zu sein und erste Filmerfahrungen zu sammeln. Ihr Berufsziel ist klar: Sie will Schauspielerin werden.

Mutter Sölen Eichhorn hielt den Jubel um den Film ihrer Tochter Sina in Cannes per Handy fest

Mutter Sölen Eichhorn hielt den Jubel um den Film ihrer Tochter Sina in Cannes per Handy fest

Mutter Sölen Eichhorn hielt den Jubel um den Film ihrer Tochter Sina in Cannes per Handy fest

Mutter Sölen Eichhorn hielt den Jubel um den Film ihrer Tochter Sina in Cannes per Handy fest