Muri
Welturaufführung und Doris Leuthard: Das Roth-Haus feiert seinen 25. Geburtstag mit der alt Bundesrätin und jüdischer Musik

Die Stiftung Roth-Haus in Muri bietet seit einem Vierteljahrhundert ein Daheim samt Beschäftigungsstätten für Schwerstbehinderte. Die Freiämter alt Bundesrätin Doris Leuthard lobte die Institution herzlich. Und das Jugendsinfonieorchester Aargau brachte eine unvergessliche Premiere als Geburtstagsgeschenk mit.

Andrea Weibel
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Zur 25-Jahr-Feier der Stiftung Roth-Haus in Muri überraschte das Jugendsinfonieorchester Aargau zusammen mit einer Klezmer-Band: eine Welturaufführung als Geburtstagsgeschenk.

Zur 25-Jahr-Feier der Stiftung Roth-Haus in Muri überraschte das Jugendsinfonieorchester Aargau zusammen mit einer Klezmer-Band: eine Welturaufführung als Geburtstagsgeschenk.

Andrea Weibel

Doris Leuthard ist begeistert. «Natürlich ist das Roth-Haus die beste aller sozialen Institutionen in der Schweiz», sagt sie und schmunzelt ins Publikum. Dann fügt sie an: «Allerdings bin ich keine Expertin.» Am Rednerpult im Murianer Klostersaal erzählt sie von ihren Reisen als Bundesrätin, die sie in Länder geführt haben, wo mit den Schwächsten der Gesellschaft nicht so gut umgegangen wird, wie in der Schweiz.

Alt Bundesrätin Doris Leuthard lobt das Roth-Haus herzlich.

Alt Bundesrätin Doris Leuthard lobt das Roth-Haus herzlich.

Andrea Weibel

«Ich erinnere mich beispielsweise an Kinder in Vietnam, die Minenopfer geworden sind. Oder an junge Mädchen in Indien, die nicht verheiratet werden konnten und deshalb ausgesetzt worden sind», berichtet sie. «Da bin ich stolz, in der Schweiz leben zu können, denn hier kümmern wir uns um die Schwächsten, hier sind Institutionen für die Menschen da, die etwas spezieller sind. Sie geben ihnen ein Zuhause, eine Aufgabe und die Möglichkeit, glücklich zu sein.»

Dabei sei natürlich immer Geld von der öffentlichen Hand nötig. Mindestens ebenso wichtig seien jedoch all die Freiwilligen, die mithelfen. «Jeder von uns kann einen Beitrag leisten», appelliert sie an die Zuhörenden. Dann gratuliert sie dem Roth-Haus zum 25-jährigen Bestehen und dankt allen, die dies möglich gemacht haben.

67 junge Musikerinnen und Musiker stehlen Leuthard die Show

Wenn Doris Leuthard irgendwo auftritt, ist sie das Highlight. Doch an diesem besonderen Donnerstagabend im Klostersaal stehlen ihr 67 junge Musikerinnen und Musiker im Alter zwischen 16 und 26 Jahren die Show. Die alt Bundesrätin ist sichtlich mitgerissen von den Klängen. Schon mit der Ouvertüre zur Zauberharfe von Franz Schubert begeistert das Jugendsinfonieorchester Aargau unter der Leitung von Hugo Bollschweiler. Doch das Sahnehäubchen kommt erst noch.

So klingt Klezmer-Musik zusammen mit einem Sinfonieorchester.

Andrea Weibel

Es ist eine Welturaufführung, zumindest abgesehen von der kleinen Tournee von Anfang August: die Komposition von Mischa Tapernoux. Das Spezielle daran ist, dass sie den belebenden Klezmer-Stil, der aus der jüdischen Tradition stammt, mit den vollen, ergreifenden Klängen des Sinfonieorchesters mischt. So gibt Tapernoux' Klezmer-Band Otrava den Ton an, während das Orchester die Melodie aufzunehmen und zu vertiefen scheint. Ein wahres Fest für die Ohren – und auch für die Augen, denn die Musikerinnen und Musiker scheinen grossen Spass am Spielen zu haben.

Die Klezmer-Band Otrava und das Jugendsinfonieorchester Aargau begeisterten mit ihrer Welturaufführung.

Die Klezmer-Band Otrava und das Jugendsinfonieorchester Aargau begeisterten mit ihrer Welturaufführung.

Andrea Weibel

«Dass wir dieses Geburtstagsständchen spielen dürfen, freut uns ausserordentlich», sagt die künstlerische Co-Leiterin Stefanie Braun. Sie zeigt sich geehrt, das Feuer des kulturellen Leuchtturms Künstlerhaus Boswil mit der Strahlkraft des Roth-Hauses zu vereinen, wie sie es bildhaft ausdrückt.

So soll es in den nächsten 25 Jahren weitergehen

Auch Stiftungsratspräsident Harold Külling freut sich über die unvergessliche Musik und Leuthards eindringliche Worte. Auch er zitiert die Präambel der Bundesverfassung, in der es heisst, dass sich die Stärke eines Volkes am Wohl der Schwachen misst. Genau dafür sei das Roth-Haus ein perfektes Beispiel.

Besonders bedankt er sich bei den 65 Angestellten, die sich unter Geschäftsleiter Uwe Tischer um 28 Bewohnerinnen und Bewohner und sechs Externe kümmern. Ganz wichtig ist ihm, sich an die Klientinnen und Klienten zu wenden: «Ihr seid herzlich willkommen, um euch geht es nämlich. Aber nicht nur heute, sondern an allen 365 Tagen im Jahr.»

Stiftungsratspräsident Harold Külling (am Rednerpult) ist stolz auf das Roth-Haus.

Stiftungsratspräsident Harold Külling (am Rednerpult) ist stolz auf das Roth-Haus.

Andrea Weibel

Und er ist stolz darauf, dass das Roth-Haus nicht nur ein «Schönwetter-System» sei. «Das hat sich in der Zeit der Pandemie gezeigt, die zufälligerweise mit der schwierigen Umbauphase und dem Leben im Provisorium zusammenfiel.» Jetzt verfügt die Institution wieder über alle nötigen Räume, um den Klientinnen und Klienten ein Zuhause und gute Beschäftigungsstätten zu bieten.

«Seit 25 Jahren leistet das Roth-Haus einen guten Beitrag zum Wohl der Gesellschaft», sagt er zum Schluss und fügt feierlich hinzu: «Es wird auch in den nächsten 25 Jahren einen ebenso guten Beitrag dazu leisten.»