Muri
Trotz schlechter Obstsaison: Das Mosten im Roos war auch in diesem Jahr ein Fest

Herbst ist Süssmost-Zeit – auch in Muri im Roos auf dem Hof von Othmar Strebel. Für ihn ist das jährliche Mosten immer ein kleines Volksfest, auf das er sich besonders freut. In welches Dessert man den Süssmost am besten verwandeln kann, das verrät Muris Vizepräsidentin Milly Stöckli der AZ.

Melanie Burgener
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Die Kinder der Kindertagesstätte Wichtelburg genossen den herbstlichen Ausflug zum Hof von Othmar Strebel.

Die Kinder der Kindertagesstätte Wichtelburg genossen den herbstlichen Ausflug zum Hof von Othmar Strebel.

Melanie Burgener

Wenn Othmar Strebel auf seinem Hof in Muri mostet, ist das immer ein Fest. Familienmitglieder und viele freiwillige Helferinnen und Helfer kommen dann jeweils im Roos zusammen, um den Landwirt bei den Arbeiten an der und um die grosse Presse herum zu unterstützen. Meist tun sie das unter genauer Beobachtung von Kindergarten- und Schulkindern, die sich dieses Spektakel ebenfalls nur selten entgehen lassen.

In diesem Jahr fiel das Mosten in die Schulferien, weshalb das Publikum nicht ganz so gross war. Immerhin blieb so mehr Süssmost für die Kinder der Kindertagesstätte Wichtelburg aus Muri zum Probieren übrig. Warm eingepackt mit Mützen, Stiefel und Regenhosen genossen sie den herbstlichen Ausflug sichtlich. Sie tauchten ihre Finger in den mysteriösen Schaum, der zur Presse rausquillte und testeten lachend, wie viele von ihnen in eine grosse Obstkiste passen – die Antwort lautet acht.

Auf dem Hof von Othmar Strebel in Muri wird einmal im Jahr gemostet.
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Familienmitglieder und freiwillige Helferinnen und Helfer arbeiten als Unterstützung an der grossen Presse.
Seit 15 Jahren wird für diesen Prozess die automatische Bandpresse von Josef Krummenacher und seiner Familie aus Dietwil verwendet. Zuvor arbeiteten die Krummenachers mit einer Hackpresse.
Was von den Äpfeln nach dem Mosten übrig bleibt, wird an die Tiere verfuttert.
Der frische Apfelmost wird direkt auf dem Hof abgefüllt und kann im Hofladen gekauft oder bei «Buur on Tour» bestellt werden.

Auf dem Hof von Othmar Strebel in Muri wird einmal im Jahr gemostet.

Melanie Burgener

Othmar Strebel beobachtete sie schmunzelnd. Er freute sich, dass er auch in diesem eher schlechten Obstjahr sein kleines «Volksfest» durchführen konnte. «Es ist eine schöne Abwechslung zwischen all den schlechten Nachrichten, über die täglich berichtet wird», sagte er.

Normalerweise gibt es doppelt so viel Most

Othmar Strebel freut sich, dass er trotz schlechter Obstsaison auch in diesem Jahr mosten konnte.

Othmar Strebel freut sich, dass er trotz schlechter Obstsaison auch in diesem Jahr mosten konnte.

Melanie Burgener

Normalerweise kann Strebel nach einem Mosttag 12'000 bis 13'000 Liter Apfelmost in Flaschen abfüllen und verkaufen. Heuer sind es kaum die Hälfte. «Durch den Frost und den Regen in diesem Jahr konnten viel weniger Äpfel geerntet werden. Normalerweise kommt das Obst in unserem Most aus der Region. In diesem Jahr mussten wir leider etwas weiter fahren», erzählte er.

Auf gute Qualität müssen seine Kundinnen und Kunden aber auch in diesem Jahr nicht verzichten. «Wir verarbeiten immer etwa zwölf verschiedene Sorten, alles Hochstämmer. Ausserdem ist unser Most rein und nicht mit Birnen gemischt und enthält – nicht wie bei vielen Grosshändlern – auch keine künstlichen Aromen», betont Strebel. Zu kaufen gibt es den Süssmost vom Roos vor Ort im Hofladen. «Wir sind aber auch bei ‹Buur on Tour› dabei. Da kann man sich den Most auch nach Hause liefern lassen», sagt er.

So wird aus Äpfeln Most.

Melanie Burgener

Senior-Moster lässt sich das Mosten im Roos nicht nehmen

Gemostet wird mit einer modernen Bandpresse von der Familie Krummenacher aus Dietwil. «Die besitzen wir seit etwa 15 Jahren. Vorher war es eine weniger automatisierte Hackpresse, die noch mehr Handarbeit verlangte», erzählt Josef Krummenacher. Das Lohnunternehmen, das mit seiner Presse auch auf andere Höfe fährt, werde zwar unterdessen von seinen Söhnen geführt. Doch das Mosten im Roos lässt er sich nicht nehmen. «Seit Othmar diesen Hof übernommen hat, kommen wir jedes Jahr her mit unserer Presse», sagt er.

Pro Stunde kann die Bandpresse 1500 bis 2000 Liter Apfelmost produzieren. Othmat Strebel vermutet:

«Meistens reicht ein Tag nicht, um alle Äpfel zu verarbeiten. Auch heuer müssen wir den Rest wahrscheinlich morgen machen.»

Die Vorgänge, die in der Presse passieren, kann Krummenacher alle genau erklären. Und er weiss auch, woher der braune Schaum stammt: «Das ist, weil die Äpfel süss sind. Er entsteht aus ihrem Zucker.» Er zeigt auf das andere Ende der ratternden Maschine und ergänzt: «Die Apfelreste, die dort am Ende der Presse rauskommen, werden dann meistens den Säuen oder Kühen verfüttert.»

Auf dem Sodhof von Muris Vizepräsidentin Milly Stöckli reichten die Äpfel in diesem Jahr nicht, um zu mosten. Das Rezept, das ihren Süssmost ausmacht, verrät sie trotzdem. Sie verwendet jeweils eine Mischung aus saftigen und weniger saftigen Äpfeln und verfeinert diese mit einem Drittel Birnen. «Pro Druck nehmen wir immer noch fünf bis acht Quitten dazu. Das gibt dem Süssmost eine schöne Farbe», sagt sie. Stöckli hat aber nicht nur Tipps für guten Most, sondern weiss auch, in welchem Dessert er am besten schmeckt. Das Rezept teilt sie hier mit den Leserinnen und Lesern der AZ.

Milly Stöckli empfiehlt:

Luftige Süessmostcreme


Zutaten: 
2 Eier, verkquirlt
2 EL Maizena
2 dl Schlagrahm
6 dl Süssmost (am besten frisch gepresst)
2 Spritzer Zitronensaft
2 El Zucker

Zubereitung:

Maizena mit Süssmost in einem Kochtopf verrühren. Topf auf Kochplatte stellen und Zucker und verquirlte Eier dazugeben. Unter ständigem Rühren zum Kochen bringen.

Sobald die Creme aufgekocht ist, vom Herd nehmen, in eine Schüssel geben und kaltstellen. In dieser Zeit Schlagrahm steif schlagen. Abschliessend den Zitronensaft zu der erkaltenden Süessmostcreme geben und gut vermischen. Rahm darunterziehen und etwa 2 Stunden kühlstellen. In schönen Schälchen anrichten und geniessen. 

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