Muri
Trotz Investitionen in Millionenhöhe: Darum will das Klosterdorf jetzt den Steuerfuss um satte 4 Prozent senken

Bis 2029 stehen in Muri Investitionen von rund 75 Mio. Franken an. Dennoch will der Gemeinderat nun den Steuerfuss auf 102 Prozent senken. Gemeindepräsident Hans-Peter Budmiger erklärt, wieso.

Pascal Bruhin
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Das Murianer Freibad muss in den nächsten Jahren saniert werden.

Das Murianer Freibad muss in den nächsten Jahren saniert werden.

Pascal Bruhin

Es war ein überraschend positives Ergebnis, das Gemeindepräsident Hans-Peter Budmiger (GLP) letzten Frühling präsentieren konnte. Trotz Coronakrise resultierte für die Gemeinde Muri beim Rechnungsabschluss 2020 ein sattes Plus von 4,5 Mio. Franken. Es war nicht das erste Mal, dass die Zahlen grün aufleuchteten. In den letzten Jahren waren die Rechnungsergebnisse dank sehr guter Steuereinnahmen jeweils deutlich besser als budgetiert. Und auch für dieses Jahr zeichne sich ab, dass der budgetierte Steuerertrag wieder leicht übertroffen werden dürfte.

Bis 2029 braucht Muri ein neues zusätzliches Schulhaus. Hier das Schulzentrum Bachmatten.

Bis 2029 braucht Muri ein neues zusätzliches Schulhaus. Hier das Schulzentrum Bachmatten.

Pascal Bruhin

Die guten Rechnungsabschlüsse der Vorjahre, die stabilen Steuereinnahmen und die in den nächsten zwei Jahren relativ überschaubaren Investitionen seien denn auch die Haupttreiber für den Entscheid, der die Murianer Steuerzahlerinnen und -zahler freuen dürfte: An der Gemeindeversammlung vom 25. November beantragt der Gemeinderat nämlich eine Steuerfusssenkung um 4 Prozent. Für das Jahr 2022 soll der Steuerfuss nur noch 102 Prozent betragen.

Eine schwarze Null ist trotz tieferem Steuerfuss budgetiert

Es sei eine Reaktion auf die Forderungen der Parteien, so Budmiger. «Die Parteien haben einen Steuerfuss erwartet, der näher bei 100 liegt», erklärte der Gemeindepräsident anlässlich einer Medienorientierung am Donnerstagmorgen. Mit dem Resultat der Budgetberatungen zeigt er sich durchwegs zufrieden: «Mit dem vorliegenden Budget zeigen wir eine eigentliche Nullrechnung.» Denn auch mit dem gesenkten Steuerfuss weist die Erfolgsrechnung der Einwohnergemeinde Muri noch einen budgetierten Ertragsüberschuss von 267'500 Franken aus.

Gemeindepräsident Hans-Peter Budmiger freut sich über das ausgeglichene Budget trotz Steuerfusssenkung.

Gemeindepräsident Hans-Peter Budmiger freut sich über das ausgeglichene Budget trotz Steuerfusssenkung.

zvg

Gleichzeitig mahnt Budmiger: «Es sieht nicht nur komfortabel aus.» Denn während die Investitionen der Jahre 2022 und 2023 als sehr genau eingestuft werden und aus eigenen Mitteln finanziert werden können, warten mit der Sanierung der Badi (2026/27), dem Verwaltungsneubau (2028/29), der Sanierung der Luzernerstrasse (in zwei Etappen zwischen 2023 und 2028) und der Schulraumerweiterung (2029) ab 2024 gleich vier grosse teure Brocken auf ihre Umsetzung. Allein der Verwaltungsneubau, der in der Testplanung am Bahnhof vorgesehen ist, soll rund 16 Mio. Franken kosten.

75 Mio. Franken müssen in den nächsten Jahren investiert werden

Dass der Steuerfuss über 2023 hinaus auf diesem tiefen Niveau verweilen dürfte, scheint angesichts der anstehenden grossen Investitionen von insgesamt rund 75 Mio. Franken in den nächsten zehn Jahren unwahrscheinlich. Budmiger erläutert:

«Ab 2024 gilt es sicherlich, den Steuerfuss neu zu beurteilen.»

Patrik Lang, Leiter Finanzen, rechnet denn auch bis im Jahr 2029 – je nach Steuereinnahmen – mit einem Steuerfuss von 108 Prozent.

Dass nun der Steuerfuss vorübergehend gesenkt werden soll, berge Erklärungsbedarf, gibt der Gemeindepräsident zu. «Wir ziehen aber nicht in Betracht, Steuerertrag auf Vorrat anzuhäufen», so Budmiger. Der Gemeinderat sei überzeugt davon, dass es richtig ist, jetzt den Steuerfuss zu senken. Denn dank dem vorhandenen Eigenkapital könnten kurzfristige finanzielle Veränderungen aufgefangen werden.

Die Luzernerstrasse in Muri – hier mit Blickrichtung Dorfzentrum – soll zwischen 2023 bis 2028 in zwei Etappen saniert werden.

Die Luzernerstrasse in Muri – hier mit Blickrichtung Dorfzentrum – soll zwischen 2023 bis 2028 in zwei Etappen saniert werden.

Stefan Kaiser (22.01.2018)

Anpassungen im Stellenplan könnten für Diskussionen sorgen

Die Steuerfusssenkung dürfte an der Gmeind für wenig Diskussionen sorgen. Wohl aber die angekündigten Anpassungen im Stellenplan, die ebenfalls im Budget abgebildet sind. So sollen etwa beim Werkdienst 70 Stellenprozente dazukommen. Dies liege einerseits im Umbau der Abwasserreinigungsanlage, deren Stellvertretung der Werkdienst übernehme. Zudem sei mit dem Fokus auf Biodiversität mehr Handarbeit im Unterhalt der Gemeindeinfrastruktur gefragt, so Budmiger. Und nicht zuletzt sorgten die strengen Winter für Mehraufwand beim Winterdienst.

Mit 80 bis 100 Stellenprozenten soll zudem die Schaffung einer schon länger diskutierten Stabsstelle im Personalwesen im Jahr 2022 umgesetzt werden. Rund 120 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter rechtfertigten es, das Personalmanagement zu professionalisieren, sei der Gemeinderat überzeugt. Budmiger ist sich sicher:

«Es ist längstens angebracht, dem Personalwesen den nötigen Stellenwert einzuräumen.»

Ob die Stimmbürgerinnen und -bürger das auch so sehen, wird sich an der Gmeind am 25. November zeigen.

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