Muri
Trotz erteilter Baubewilligung: Kunstrasen-Saga geht in die nächste Runde – «Möglich, dass ich Beschwerde einreiche»

Im August 2020 hat die Murianer Gmeind ein Kunstrasen-Projekt auf dem Hauptfeld im Stadion Brühl bewilligt. Nun drohen aber Verzögerungen durch eine Einsprache.

Marc Ribolla
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Der Naturrasen des Stadions Brühl in Muri soll durch einen Kunstrasen ersetzt werden.

Der Naturrasen des Stadions Brühl in Muri soll durch einen Kunstrasen ersetzt werden.

Marc Ribolla (7. Juli 2020)

Die Geschichte rund um den Bau eines Kunstrasenfeldes für den FC Muri dürfte sich länger hinziehen, als viele noch im vergangenen August erwarteten. Vor einem Jahr genehmigte der Souverän an der Gmeind einen Kredit über 2,1 Millionen Franken für den Ersatz des Naturspielfeldes auf dem Hauptplatz im Stadion Brühl durch einen Kunstrasen.

Gegen das entsprechende Baugesuch reichte der ehemalige langjährige Murianer Gemeindeschreiber Erich Probst während der öffentlichen Auflage des Baugesuchs diesen Frühsommer eine Einwendung ein. Diese hat der Gemeinderat abgelehnt und im Juli die Baubewilligung erteilt.

Gegessen ist die Sache damit aber noch nicht. Die Beschwerdefrist im Rahmen der Rechtsmittelbelehrung läuft nächste Woche ab. Erich Probst, der selbst auch schon FC-Präsident war, sagt zur AZ:

«Es ist im Prinzip möglich, dass ich mindestens provisorisch Beschwerde erheben werde. Später wäre ein Rückzug möglich, falls die Gemeinde ihren Entscheid wiedererwägt.»

Ob es zu einer Beschwerde kommt, hängt laut Probst ganz vom Verlauf der Besprechung mit Gemeindevertretern am nächsten Freitag ab. Dann wolle er seine Argumente Schritt für Schritt abarbeiten. Er sagt: «Ich bin durchaus gesprächsbereit und bin völlig für einen Kunstrasen. Allerdings nicht auf dem Hauptspielfeld, sondern am ursprünglich vorgesehenen Ort in der Bachmatten.»

Projekt in der Bachmatten wegen Untergrund problematisch

Dort hatte die Gmeind 2018 bereits einen Kredit über 2,6 Millionen für Kunstrasen und Garderoben bewilligt. Allerdings stellte sich während der Bewilligungsphase heraus, dass der Untergrund bei der ehemaligen Ziegelei problematisch ist und hohe Mehrkosten verursachen würde. Aus diesem Grund arbeitete die Gemeinde das aktuelle Projekt beim Stadion Brühl aus.

Erich Probst wehrt sich gegen einen Kunstrasen im Stadion Brühl.

Erich Probst wehrt sich gegen einen Kunstrasen im Stadion Brühl.

es (15.2.2019)

Das widerstrebt Erich Probst, der als Gemeindeschreiber beim Bachmatten-Projekt involviert war. «Dort gab es einen rechtskräftigen Beschluss der Gmeind, diesen Auftrag setzte die Gemeinde aber nicht um», sagt er. Die Hauptkritikpunkte bei seiner jetzigen Einsprache sieht er bei möglichen lärmintensiven Grossevents auf dem neuen Kunstrasen oder der verkehrsmässigen Erschliessung, die seiner Ansicht nach dem kommunalen Gesamtverkehrskonzept entgegenlaufen. Auf seine Einsprache habe er auch unterstützende Reaktionen aus der Bevölkerung erhalten. Er betont aber: «Ich kämpfe nicht gegen den FC.»

FC-Muri-Vize: «Ich kämpfe für die Jugend»

Wenig Verständnis über Probsts Verhalten hat man beim FC Muri, der nun nichts anderes tun kann, als abzuwarten. Vizepräsident Maurus Weber erklärt: «Es geht Erich Probst vor allem um ‹sein› Projekt in der Bachmatten. Doch Experten haben bestätigt, dass ein Kunstrasen dort eindeutig zu teuer geworden wäre. Solche Mehrkosten wären an der Gmeind sicher abgelehnt worden.»

Weber streicht die Notwendigkeit eines baldigen Kunstrasens hervor, der die Problematik mit dem schwierigen Zustand der Natur-Trainingsplätze im Herbst/Frühling beheben würde. «Ich kämpfe für die Jugend von Muri, dass sie vernünftige Plätze bekommt», so Weber. Er frage sich auch, was Probst davon habe, wenn er in diesem Verfahren gewinnt oder verliert. «Nichts ausser Streit, Unfrieden und Kosten», gibt er selbst die Antwort.

Gemeindeammann Hans-Peter Budmiger wird am Freitag bei der Aussprache mit Probst dabei sein. Er sagt: «Wir haben seine Einwendung gegen das Baugesuch behandelt und abgelehnt. Wir sind überzeugt, dass die Baubewilligung rechtens ist.» Man möchte nun zusammensitzen und glaube, im direkten Gespräch etwas zur Klärung in den strittigen Punkten beitragen zu können. So, dass das Verfahren nicht weitergezogen werde. Budmiger ist zuversichtlich, hält aber fest: «Am Ende entscheidet Erich Probst, ob er dies tun möchte. Das ist sein gutes Recht.» Affaire à suivre ...

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