Oberfreiamt

Muri lässt im Gedenkjahr die Aargauer Geschichte aufleben

Der Findling beim geschichtsträchtigen Sentenhof Muri wurde 1991 beim Neubau der Kuhscheune ausgegraben.

Der Findling beim geschichtsträchtigen Sentenhof Muri wurde 1991 beim Neubau der Kuhscheune ausgegraben.

Spuren der Habsburger und Eidgenossen sind hier so nahe beieinander wie sonst nirgends. Im für die Schweiz wichtigen Jahr 1415 spielte das Freiamt eine besondere Rolle. Rund um Muri für das Gedenkjahr ein Geschichtserlebnisweg lanciert.

«Der Rütlischwur in Ehren», sagt Urs Pilgrim, Präsident von Murikultur, begeistert und provokativ, «aber die Schweiz entstand im Aargau.» Im Frühling 1415 nämlich entrissen die Eidgenossen in einem handstreichartigen Feldzug den mächtigen Habsburgern ihre Stammlande im Aargau.

Das Freiamt spielte dabei eine bedeutende und besondere Rolle. Deshalb realisieren Murikultur, Verein Museum zwischen Pflug und Korn und der Verein Wyssebacher Sagi im Rahmen des kantonalen Gedenkjahres «1415 – Die Eidgenossen kommen!» einen Geschichtserlebnisweg rund um Muri mit einem breiten Angebot. «Der Gessler-Hut stand nicht in Altdorf«, betont Pilgrim, aber er wird in Muri stehen.» Auch der böse Klostervogt, der Stiefeliryter, wird sein Unwesen treiben. Für die Kinder wird eine Strohburg aufgebaut.

Als Ausdruck dafür, dass das ganze Freiamt beteiligt ist, wird beim Konventgarten des Klosters Muri eine Fahnenburg mit den Wahrzeichen aller 41 Freiämter Gemeinden aufgebaut, wie Projektleiter Peter Jäggi ausführt.

Wichtiges Jahr 1415

1415 war für den Aargau wichtig, weil die vier Hauptregionen Freie Ämter, Grafschaft Baden, Berner Aargau und Fricktal gebildet wurden. Für die Schweiz war dieses Jahr wichtig, weil es die Entstehung der eigenen Identität ermöglichte. Das Freiamt nahm dabei eine bedeutende und besondere Rolle ein:

Es verfügte über eine starke Stellung des Klosters, welches auch nach 1415 Beziehungen zu den Habsburgern pflegte. «In Muri sind noch heute wesentliche Spuren sowohl von den Habsburgern als auch von den Eidgenossen zu entdecken», wie Pilgrim deutlich macht. «Die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit hilft, die Gegenwart zu begreifen.»

Das Oberfreiämter Engagement im Rahmen des kantonalen Gedenkjahres wird von Thomas Pauli, Leiter der Abteilung Kultur beim Kanton, als «grossartiger Beitrag» gewertet. Im ganzen Kanton werden dieses Jahr sehr unterschiedliche Veranstaltungen und Angebote zum Gedenkjahr lanciert. «Wir haben uns bewusst nicht auf ein grosses Fest an einem Standort konzentriert», betont Pauli, «der ganze Aargau wird so zum Schauplatz dieses für den Kanton wichtigen Gedenkjahres.

Viel Geschichte am Wegrand

In den Geschichtserlebnisweg einbezogen sind der Sentenhof, die Wyssebacher Sagi und das Museum zwischen Pflug und Korn in Muri. Widental auf dem Senten war Standort des ersten Viehstalls des Klosters Muri um etwa 1027. 1540 wurde auf dem Senten die erste Talkäserei der Schweiz eingeweiht.

Das heutige Wohnhaus der Familie, errichtet 1759 von Abt Bonaventur Bucher, diente als «Ferienhaus» für die Mönche des Klosters; Fürstabt Zurlauben hatte seine Erholungsmöglichkeit auf dem Horben. Der geschichtsträchtige Sentenhof ist heute in 6. Generation im Eigentum der Ineichens, wie Ueli Ineichen ausführt.

Im Zusammenhang mit dem Geschichtserlebnisweg und den damit verbundenen drei Erlebnistagen (18. Juli, 9. und 29 August) werden dort separate Führungen durchgeführt. Die Wyssebacher Sagi wiederum hat eine «Geschichte mit vielen Schichten», wie sich Säger und Kenner Martin Köchli ausdrückt.

Mit einem Verein und viel Fronarbeit konnte die Sägerei wieder so instand gestellt werden, dass sie voll funktionstüchtig ist. Schliesslich endet der Geschichtserlebnisweg im Museum zwischen Pflug und Korn, das 2005 gegründet wurde und zahlreiche alte Gerätschaften aus dem bäuerlichen Alltag zeigt. Dieses Jahr kann im Museumsgarten das Wachstum alter und neuer Getreidearten mitverfolgt werden, wie Vereinspräsident Ueli Ineichen in Aussicht stellt.

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