Muri
«Der perfekte Ort»: Das Bahnhofsareal wird zum Freiämter «Frau Gerolds Garten»

Bis zum Baustart der Grossüberbauung «Zentrum Bahnhof» soll das Gelände an der Bahnhofstrasse in Muri nicht weiter brach liegen. Mit «Intermezzo» sind Veranstaltungen und Events, aber auch flexible Arbeitsplätze in und um das Ammannhaus und die Villa Wild geplant.

Pascal Bruhin
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Ermöglichen das Intermezzo im Murianer Bahnhofareal (von links): Projektleiterin Liz Kuhn, Teo Rigas (Leiter Bau und Planung), Gemeindeschreiber Severin Bättig und Marlies Laubacher (Haus und Raum AG) im Garten des Ammannhauses.

Ermöglichen das Intermezzo im Murianer Bahnhofareal (von links): Projektleiterin Liz Kuhn, Teo Rigas (Leiter Bau und Planung), Gemeindeschreiber Severin Bättig und Marlies Laubacher (Haus und Raum AG) im Garten des Ammannhauses.

zvg

Keine Frage, das Bahnhofsgelände in Muri ist mit seinen trostlosen Parkplätzen, den sanierungsbedürftigen Gebäuden und dem derzeit coronabedingt geschlossenen «Avec»-Shop alles andere als ein pulsierendes Zentrum.

Erst in einigen Jahren wird das Areal mit der gemeindeeigenen Grossüberbauung «Zentrum Bahnhof» aufgewertet. Ein neues Projekt soll nun in der Zeit bis dahin das Gelände zur kulturellen und kulinarischen Plattform machen und gleichzeitig flexible Arbeitsplätze bieten.

Die Idee konkretisierte sich während des zweiten Lockdowns

«Intermezzo», so der passende Name. Die Idee dazu hatte Marlies Laubacher, Geschäftsführerin der Haus und Raum AG. «Irgendwann muss es doch wieder aufwärts gehen», sagte sie sich, nachdem um die Jahreswende das Leben in der Schweiz erneut heruntergefahren wurde und sich die Stimmung im Land verdüsterte. In einer Medienmitteilung schreibt sie:

«Ich wollte einfach etwas unternehmen, das Optimismus verbreitet.»

Dazu packte sie ein Projekt an, das sie schon länger im Hinterkopf hatte: die Wiederbelebung des Bahnhofsareals als Zwischennutzungsprojekt.

Eine Voranfrage bei der Gemeinde verlief positiv, und mit Liz Kuhn, die einst Mitinhaberin der Kultur­beiz in Wohlen war, konnte eine erfahrene Projektleiterin für kulturelle Anlässe und Gastronomie gewonnen werden. So nahm «Intermezzo» innert kürzester Zeit Formen an.

Historische Villen, grosse Parks und zentrale Lage zeichnen das Areal aus

«Das Bahnhofareal mit seinen grossen Garten- und Parklandschaften, den geschichtsträchtigen Villen und seiner zentralen Lage eignet sich geradezu perfekt als Ort, an dem sich die Menschen treffen können», sagt Laubacher und fügt an:

«Es ist ein Ort, der eine bunte Palette an gastronomischen und kulturellen Events ermöglicht und wo neue Arbeitsformen ausprobiert werden können.»

Inspiriert von der Multi-Kulti-Spielwiese «Frau Gerolds Garten» in Zürich, schmiedeten Laubacher und ihr Team rasch konkrete Pläne und stiessen bei der Gemeinde damit auf offene Ohren.

Die grosszügigen Parklandschaften laden zum Verweilen ein.

Die grosszügigen Parklandschaften laden zum Verweilen ein.

Toni Widmer

Statt das Gebiet brachliegen zu lassen, soll nun während des ganzen Jahres für Betrieb gesorgt werden. Etwa mit einer lauschigen Wirtschaft im Ammanngarten oder einer Winterbar im Ammannhaus, in dem auch flexible Arbeitsplätze und Ateliers geplant sind.

Im Ammannhaus sollen auch flexible Arbeitsplätze und Ateliers eingerichtet werden.

Im Ammannhaus sollen auch flexible Arbeitsplätze und Ateliers eingerichtet werden.

Toni Widmer

Ein sommerliches Food-Festival im Park der Villa Wild, Ausstellungen, Konzerte und Events im Kleinkunstformat sowie Familienveranstaltungen sollen dem Areal Leben einhauchen.

Im Park der Villa Wild sind Konzerte und Events geplant.

Im Park der Villa Wild sind Konzerte und Events geplant.

Toni Widmer

Damit sich das nicht gewinnorientierte Projekt überhaupt finanzieren lässt, überlässt die Gemeinde der Haus und Raum AG das Areal als sogenannte Gebrauchsleihe. Sie verlangt dafür keine Miete.

Im Gegenzug trägt sie aber auch keine Kosten mehr für Instandhaltung und Pflege und braucht sich zudem keine Sorgen darüber zu machen, dass am Ende der «Ausleihzeit» das Areal tatsächlich wieder geräumt wird.

Initiantin nimmt das Risiko auf sich

Die Vorinvestitionen für die Wiederbelebung und Instandsetzung der Gebäude und Gärten sowie für die Bereitstellung der nötigen Infrastruktur übernimmt die Haus und Raum AG.

Ob diese während der Projektdauer wieder eingespielt werden können, ist zwar fraglich, aber Laubacher nimmt dieses Risiko auf sich. Sie sagt:

«Wir wollen jetzt einfach etwas tun für das Image von Muri und für die Menschen, die hier leben.»

Und freut sich darauf, wenn auch Ideen aus der Bevölkerung kommen.

Sie sehe sich mehr als Initiatorin und Koordinatorin, welche die Vorinvestitionen leiste, damit wieder Leben ins Bahnhofareal einkehrt. Ausserdem würde sich die Haus und Raum AG, wenn nötig, auch um allfällig nötige Bewilligungen für bauliche Massnahmen oder Veranstaltungen kümmern.

Der Gemeinderat und die Geschäftsleitung mit Gemeindeschreiber Severin Bättig zeigen sich erfreut darüber, dass dank privatem Engagement und Experimentierfreude ein spannendes Projekt lanciert wird, das neues Leben ins Bahnhofareal bringen wird. Muri werde, ohne sich selber finanziell engagieren zu müssen, von «Intermezzo» profitieren können, ist Severin Bättig überzeugt.