Doris Streit, seit zwanzig Jahren Mütter- und Väterberaterin im Bezirk Muri, hat ihre Klienten zum Jahresbeginn an Claudia Züttel übergeben und geniesst künftig den wohlverdienten Ruhestand. Eine herausfordernde und spannende Zeit hat sie erleben dürfen seit ihrem Start im August 1997. «Dabei waren Flexibilität und Mut zu Neuem wichtige Weggefährten für mich», erinnert sich die engagierte Jungpensionärin, die aber bereits im Mai eine Urlaubsstellvertretung im angestammten Team übernehmen wird.

Heute gehe es bei der Arbeit einer Mütter- und Väterberaterin längst nicht mehr nur ums Wiegen und Messen, ums Schlafen und die Ernährung. Zum Kerngeschäft gehöre in der heutigen Zeit vor allem auch die Erziehungs- und Entwicklungsberatung. Doris Streit führt dies auf Veränderungen in der Gesellschaft, aber auch auf das heutige Medienverhalten zurück.

Stark veränderte Bedürfnisse

Neue Familienmodelle sowie die Migration hätten die Bedürfnisse der Klienten stark verändert. Als Beraterin müsse man über familienergänzende Kinderbetreuung genauso Bescheid wissen wie über die frühkindliche Sexualität und wie man damit umgeht.

Man müsse Verständnis haben für die unterschiedlichen Bedürfnisse verschiedener Kulturkreise, auch Sprachbarrieren müsse man manchmal überwinden. Daneben führe die ständige Verfügbarkeit einer enormen Informationsmenge durch das Internet bei jungen Eltern häufig zu Verunsicherungen, die es aufzufangen gelte.

Ihr Anliegen sei es immer gewesen, jede Beratung individuell und bedürfnisgerecht zu gestalten. «Ich übergebe meiner Nachfolgerin auch keine Ordner, sondern Beziehungen, die mir wichtig sind», so die Erklärung zu ihrem Engagement. Es sei einfach überwältigend, wie viele ihrer Klienten gekommen seien, um sich zu verabschieden.

Doris Streit hat ihren Beruf mit Überzeugung und Herzblut ausgeübt. Deshalb verwundert es nicht, dass sie sich einerseits auf die bevorstehende Lebensphase freut, andererseits aber auch mit Wehmut zurückschaut. (az)