Freiamt

Müllsammeln sollte nichts Negatives sein

Wam Dennler mit dem Abfall, den sie am vergangenen Sonntag gesammelt hat.

Wam Dennler mit dem Abfall, den sie am vergangenen Sonntag gesammelt hat.

Wam Dennler ist Mitglied von Umweltdottikon und setzt sich in diesem Rahmen, aber auch privat für eine sauberere Umwelt ein.

Mit Gummistiefeln, Leuchtweste und Handschuhen ausgerüstet steht Wam Dennler vor dem Bauamt Dottikon bereit. Mit dabei hat sie drei volle Müllsäcke, die sie vergangenen Sonntag gesammelt hat. Diese beinhalten alleine 68 Dosen, 37 PET-Flaschen sowie 8 Glasflaschen. Von diesen knipsen wir noch ein Bild und fahren los, um Abfall zu sammeln.

Wam Dennler kommt ursprünglich aus Kenia und wohnt seit 21 Jahren in Dintikon. Sie unterrichtet als Englischlehrerin in Wohlen, Lenzburg und Dintikon. Sie setzt sich privat und im Rahmen von Umweltdottikon für ein saubereres Freiamt ein. «Wann immer ich Zeit habe, gehe ich Abfall einsammeln», sagt sie. Das ist mindestens einmal pro Woche, wie sie es sich selbst vorgenommen hat. Zusätzlich geht sie jeden letzten Freitag im Monat, wie auch heute, mit Umweltdottikon und allen Helfern Abfall aufsammeln. Im August veranstaltet sie mit der Interessengruppe zudem die alljährliche Bünzputzete, wo sie mit Freiwilligen die Strassen vom Müll befreit. «Wir haben sogar ein Boot auf der Bünz. Nach der Arbeit stellen wir zudem noch einen Grill auf», erzählt sie. Ihr bisher grösster Erfolg war der Clean-up-Day 2019. «130 Schüler und Lehrkräfte der Bezirks-, Sekundar- und Realschule halfen mit, das Dorf aufzuräumen», berichtet sie stolz.

Man muss die Ursache des Problems bekämpfen

Neben dem Einsammeln von Abfall konfrontiert Wam Dennler auch diejenigen, die das Problem verursachen. «Ich versuche zu verstehen, wieso die Leute Abfall einfach wegwerfen. Wichtig ist, dass man positiv auf die Leute zugeht. Macht man ihnen nur Vorwürfe, blocken die meisten ab.» Das bedeutet aber nicht, dass sie versucht, das Problem schönzureden. Sie scheut nicht davor zurück, fremde Menschen anzusprechen und ihre Meinung zu vertreten. «Hier war eine Stelle, wo ich immer wieder viel Abfall liegen sah», sagt sie, während wir in ihrem Auto neben einer Baustelle halten. «Hier kommen sonst keine Leute vorbei, also muss es von den Arbeitern gewesen sein. Ich sammelte den Abfall ein und sprach mit ihnen. Seitdem liegt hier viel weniger Müll herum.»

Wir steigen aus dem Auto aus und sammeln am Holzbach entlang Abfall ein. Es ist beunruhigend, wie viel davon am Strassenrand liegt. Dennler sagt: «Die Leute können hier weit nach hinten und vorne schauen, ob jemand kommt. Ist die Luft rein, geben sie Gas und schmeissen ihren Müll einfach zum Autofenster raus. Der optimale Platz für Littering.» Während der Aufräumaktion erzählt sie eine weitere Geschichte. Es geht um eine Gruppe, die sie antraf, als diese gerade eine Drohne steuerte und dabei Zigaretten rauchte.

«Ich begann zuerst, mit ihnen über die Drohne zu reden», erzählt Dennler. «Danach machte ich sie auf die Zigaretten auf dem Boden aufmerksam und fragte sie, wie man verhindern kann, dass weniger Stummel herumliegen.» Die Gruppe überlegte daraufhin und einer antwortete voller Überzeugung: «Indem es mehr Aschenbecher gäbe.» Als das Gespräch aber darauf hinauslief, dass es demnach beinahe überall einen Aschenbecher braucht, wurde ihnen schnell bewusst, dass dies keine Lösung sein kann. Die Gruppe überlegte angestrengt weiter. «Hier habe ich etwas», sagte die Frau aus der Gruppe und nahm ein leere PET-Flasche aus ihrer Tasche. Alle anderen entsorgten daraufhin ihre Zigaretten darin.

Müllaufsammeln ist eine heldenhafte Tat

Abfall aufsammeln ist bei uns meistens eine Bestrafung. «Müllaufsammeln sollte aber nichts Negatives sein», sagt Dennler. «Es ist eine selbstlose, heldenhafte Tat, mit der man der Umwelt und seinen Mitmenschen hilft.» Aber sieht man einen Mann mit gelber Leuchtweste am Strassenrand Abfall sammeln, denken doch viele zuerst daran, dass er das sicher nicht freiwillig macht, sondern es eine Strafe ist. Eine andere Denkweise, der sie entgegensteuern will, ist die Ausrede: «Jemand wird sowieso bezahlt, um den Müll aufzusammeln.» Dennler sagt: «Das ist die einfachste Ausrede. Wenn man so argumentiert, wäre es auch in Ordnung, Verbrechen zu begehen, damit die Polizisten etwas zu tun haben.»

Um solchem Verhalten vorzubeugen, will sie auch nach der Schule weiter über dieses Thema aufklären. «Kinder werden stetig über die Folgen von Littering weitergebildet. Aber sie sind nicht das Hauptproblem», sagt Dennler. «Es sind die Erwachsenen, die sich selbst Produkte kaufen, Auto fahren können und dabei die Umwelt verschmutzen. Die Kinder werden zwar auch einmal erwachsen, aber bis dahin wird das Problem nicht gelöst. Es braucht auch Kurse im Erwachsenenalter.» Eine konkrete Idee hat sie schon. «Der meiste Abfall liegt an Strassenrändern und kommt von Autofahrern. Ähnlich, wie es den Nothelferkurs gibt, sollten die Leute auch über Littering informiert werden und selbst Müll sammeln», sagt Dennler.

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