Vorsichtig heben Oskar Näpflin und sein Kollege Markus Bösiger das alte Uhrwerk in den Schaukasten, den der Schreiner Michel Page aus Oberentfelden hergestellt hat. Das Uhrwerk von 1880 aus der Werkstatt der Uhrmacherdynastie Suter in Kleewald bei Rain LU lief zum letzten Mal am 4. Juni 1979. Bis dann zog Anna Bucher-Belser die Uhr über Jahre hinweg auf.

Vom Estrich geholt

Das alte Uhrwerk fristete seit 1979 ein Schattendasein. Es wurde auf dem Estrichboden der Kirche versorgt. Im Mai dieses Jahres entschied die Kirchenpflege, dass das Uhrwerk restauriert und in der Vorhalle der Kirche ausgestellt werden soll. Man zog den Turmuhrenspezialisten Oskar Näpflin, Chefmonteur und Verkaufsleiter der Firma Josef Muff AG in Triengen, hinzu.

Er zerlegte das Uhrwerk in der Freizeit mit seinem Kollegen Markus Bösiger in seine Einzelteile, reinigte und konservierte diese und baute sie wieder zusammen. Dafür wendeten die beiden 150 Arbeitsstunden auf.

«Das Uhrwerk war stark verschmutzt und lief nicht mehr. Aber keines der Teile hat gefehlt. Das erleichterte uns die Arbeit sehr», sagt Näpflin.

Etwas für den Schulunterricht

Die digitale Turmuhr auszubauen und das alte, mechanische Uhrwerk wieder einzubauen, stand nie zur Debatte. Stattdessen wird das Werk in der Kirche im Schaukasten ausgestellt. «Wir hoffen, dass auch Schulklassen vorbeikommen und das Uhrwerk als Demonstrationsobjekt im Betrieb anschauen, damit sie lernen, wie die Zeit funktioniert», sagt Näpflin.

Das Uhrwerk wurde deshalb mit Kontrollzifferblatt und Stundenzeiger versehen. «Auf die Sekunde genau laufen mechanische Turmuhren nie», weiss Näpflin. «Sie begnügen sich mit einer Genauigkeit von einer bis zwei Minuten. Doch das sollte für den, der die Zeit noch an der Kirchenuhr abliest, genügen.»

Kulturbewusste Bürger

Hans Bissig, katholischer Pfarrer in Mühlau, freut sich über die gelungene Restaurierung: «Eine alte Turmuhr gehört einfach zum Kulturgut einer Gemeinde.» Die Mühlauer hätten ihre Pfarrkirche aus der Mitte des 19.Jahrhunderts schrittweise ausgebaut, berichtet Bissig.

Nach der Turmuhr und dem Taufstein, der um 1880 aufgestellt wurde, seien die ausgemalten Kirchenfenster erst zwischen 1907 und 1909 in die Kirche gekommen. «Das zeigt, dass die Mühlauer früher nie auf Rosen gebettet waren, aber es trotzdem nicht versäumt haben, ein schönes Gotteshaus zu bauen.»