Bettwil
Motorräder «Made in Bettwil» haben eine treue Fangemeinde

An diesem Wochenende hat das 30. Egli-Treffen auf dem Militärgelände Bettwil statt gefunden. Die Motorradmarke verfügt über einen eingeschworenen Kreis an Liebhabern. Denn jede Maschine ist ist ein Einzelstück.

Roger Wetli
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Fachsimpeln, «Benzin- und Ölgespräche», stolze Präsentation der prächtigen Maschinen vor dem «Ride-Out» in Bettwil.

Fachsimpeln, «Benzin- und Ölgespräche», stolze Präsentation der prächtigen Maschinen vor dem «Ride-Out» in Bettwil.

«Für mich ist ein Jugendtraum in Erfüllung gegangen, als ich mir vor Jahren eine halb fertige Egli kaufen konnte», schwärmt Martin Armbruster aus Freudenstadt. Der Schwarzwälder Auto- und Motorradmechaniker kann sich erinnern, dass die Egli in den 70er-Jahren die einzigen Motorräder waren, die ohne Wackeln gefahren sind und über eine sehr gute Kurvenstabilität verfügten.

Die Bedeutung der Maschinen «Made in Bettwil» hebt auch der gebürtige Hamburger Bernd Stell hervor: «Vor rund 35 Jahren, als ich 16 Jahre alt war, fuhren täglich zwei Eglis bei mir Zu Hause vorbei.»

Zwei Jahre später habe er die beiden Typen kennen gelernt, sei dann aber zunächst Motorräder aus Japan gefahren. 1989 konnte sich Stell dann endlich eine Egli kaufen, die er bis zu einem Unfall 1997 fuhr. «Seit 1999 schraube ich nun an einer gebrauchten Egli, die bald fertig sein sollte», so Bernd Stell. Für ihn sei die Egli «das Motorrad schlechthin!».

Obwohl die stangenfertigen Motorräder heute technisch wie qualitativ einer Egli in nichts mehr nachstehen, verfügt die Marke über einen eingeschworenen Kreis an Liebhabern.

Fragt man einen Egli-Fahrer, sind es vor allem zwei Dinge, welche das Motorrad so speziell machen: «Jedes Bike ist ein Unikat und wer das Fachwissen hat, kann seine Egli individuell und in Eigenregie seinen Bedürfnissen anpassen», schwärmt Martin Armbruster und fügt hinzu: «Jede Egli hat ihr eigenes Design, jede ist einzigartig!» Bernd Stell sieht in der Egli sogar eine Art Sucht: «Man fängt billig an, und hört teuer auf.»

Das allmähliche Ausbauen und Weiterentwickeln gehöre schlicht dazu. «Eine Egli ist etwas Besonderes, ein Hingucker», strahlt Stell. Man werde von andern Motorradfahrern oft auf die Egli angesprochen.

Wer seinen Egli nicht selber restaurieren will oder kann, bringt ihn zurück zu seinem Geburtsort bei Egli-Racing in Bettwil. «Wir sorgen dafür, dass Träume wahr werden», weiss Inhaber Fritz Egli.

Grenzen seien keine gesetzt, solange es technisch machbar sei und die Finanzen stimmen würden. «Unsere Motorräder sind keine Massenprodukte, sondern Einzelstücke, welche durch Handarbeit entstehen», ist seine Tochter und Geschäftsführerin Heidi Egli stolz. Dabei werde das Augenmerk darauf gerichtet, dass die Eglis auch wirklich fahrbar seien.

Die grosse Liebe zu den Eglis äussert sich gerade in den Egli-Treffen. Diese finden in der Schweiz, im Schwarzwald und im Sauerland statt. 100 bis 150 Fahrer treffen sich regelmässig, um «Benzin- und Ölgespräche» zu führen. Klar, dass da jeder jeden kennt. Daneben gibt es auch Egli-Stammtische und «Freunde von Fritz»-Treffen.

«Mit dem 30. Egli-Treff wollen wir möglichst viele Motorräder zu ihrem Heimatort zurückbringen», erzählt Heidi Egli. Die vielen roten Flitzer im Militärgelände geben ihr recht.

Thomas Waldmann ist extra aus Mainz am Rhein mit seiner orangen Egli nach Bettwil gefahren. «Es geht bei diesem Motorrad nicht zuletzt um Selbstverwirklichung», sagt er. Setzt seinen Helm auf, startet die Egli und fährt an den Startplatz zum grossen Ride-Out.