Hilfikon
Motocross Wohlen: Der Bändeli-Kontrolleur sorgt dafür, dass keiner reinschleicht

Markus Senn kontrolliert seit neun Jahren die Bändeli am Motocross Wohlen – und kennt alle Ausreden. «Wir Trialisten sind eben etwas doof und stur, wir tun genau das, was der OK-Chef uns sagt», so Markus Senn, Eingangskontrolleur beim Motocross Wohlen

Andrea Weibel
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Dieses Wochenende fliegen sie wieder: Die Motocrössler auf der Piste oberhalb des Schlosses Hilfikon.

Dieses Wochenende fliegen sie wieder: Die Motocrössler auf der Piste oberhalb des Schlosses Hilfikon.

Archiv/Toni Widmer

Niemand im ganzen Land hat wohl eine so grosse Verwandtschaft wie Ueli Hilfiker, OK-Präsident des Motocross Wohlen. «Das könnte man zumindest glauben, wenn man hört, wie viele Leute sich am Eingang als meine Geschwister, Cousins oder zumindest als gute Freunde von mir ausgegeben haben», lacht der ehemalige internationale Motocrossfahrer aus Boswil. «Einer sagte das sogar einmal, als ich daneben stand. Mich hat er aber nicht erkannt.» Einer kennt all diese Geschichten noch genauer: Markus Senn aus Aristau ist mit seinen Trial-Kollegen seit 2009 für die Bändelikontrolle am Eingang zuständig.

«Ich habe wohl jede Ausrede schon gehört, die es gibt», erzählt er kopfschüttelnd. Dennoch muss er lachen: «Einige waren schon fast herzig.» Auch er erinnert sich an eine ähnliche Situation wie Hilfiker: Jemand behauptete stur, er hätte sich mit seinem Kumpel, dem OK-Präsidenten, verabredet und fände ihn drinnen schon. «Doch als Ueli dann da war, hat er ihn auch nicht erkannt.» Einige Geschichten seien aber sogar noch schöner gewesen, das werde er nie vergessen. Sein Liebling: der «Chefreinschleicher».

Über 400 Fahrer in zwölf Kategorien

Am 1. und 2. April starten am Motocross Wohlen über 400 Fahrer in zwölf Kategorien. Ein Highlight vom Samstag sind die Töfflifahrer an ihrer Moped-Meisterschaft. Die schnellsten Fahrer der Schweiz stehen am Sonntag in der Kategorie der Inter Motocross Swiss Championships am Startbalken. Ebenfalls am Sonntag findet gar die Seitenwagen-Europameisterschaft statt. Das Schweizer Team hat berechtigte Hoffnungen auf den Sieg.

Sie spielen jedes Spiel mit

«Einmal sah ich von weitem einen kleinen Jungen, ungefähr 10 oder 12 Jahre war der alt. Der kam so auffällig unauffällig auf uns zu, dass ich zu meinem Kollegen sagte, den müssten wir rasch im Auge behalten.» Und tatsächlich habe sich der Kleine schon bald ins Gebüsch geschlichen und versucht, ganz in der Nähe des Eingangs durch den Zaun zu schlüpfen. «Wir haben ihn dann eben wieder rausgeschickt», erinnert sich Senn. «Danach hat ers an einer anderen Stelle versucht. Wir behielten ihn halt im Auge und haben alle seine Versuche bemerkt. Zugegeben, sie waren auch nicht schwierig zu durchschauen. Aber er versuchte es den ganzen Tag lang, jedes Mal schickten wir ihn wieder raus.» Das Spezielle an der Geschichte mit dem kleinen Chefreinschleicher, wie ihn die Männer liebevoll nannten, war jedoch: «Damals hätte er vom Alter her sogar gratis rein gedurft, aber der wollte uns so konsequent austricksen, dass wir das Spiel eben mitgespielt haben», lacht Markus Senn.

Ein anderes Mal, bei schönem Wetter, sei jemand mit seinem Glacewagen gekommen und hätte gefragt, wo er sein Eis verkaufen könne. «Wir wussten nichts von einem Glacewagen, wir hatten ja schon unseren Softeis-Stand, aber der trat so selbstbewusst auf, dass wir nicht mehr sicher waren, ob er nicht doch zum Programm gehörte», erinnert sich Senn. «Aber Ueli Hilfiker liess ihn uns dann wegschicken. Das war eine spezielle Erfahrung. Probieren kann er es ja.»

So sind die Trialisten eben

Als die Trialisten des Motosport Clubs Wohlen, die seit 2009 für die Eingangskontrolle zuständig sind, damals ihre Arbeit aufgenommen haben, seien einige Zuschauer noch ziemlich rabiat vorgegangen. «Jeder Fahrer erhält eine gewisse Anzahl von Tickets, wenn er die Startgebühr bezahlt hat. Alle seine Freunde und Verwandten, die keines dieser Tickets erhalten, müssen normal bezahlen. Das haben sie damals überhaupt nicht verstanden, das ist früher wohl nicht so streng geregelt worden. Aber wir Trialisten sind eben etwas doof und stur, wir tun genau das, was der OK-Chef uns sagt», fasst Markus Senn augenzwinkernd zusammen. «Aber mittlerweile läuft das ziemlich zivilisiert ab.» Auch die Handys tragen dazu bei, sagt er: «Wenn heute jemand sein Ticket von einem Fahrer noch nicht erhalten hat, ruft er diesen rasch an und der bringt es ihm. Das war früher nicht ganz so leicht.»

Einige Scherzkekse machen sich einen Spass daraus, ihr Bändeli zu verstecken. «Denen sieht man das an der Nasenspitze an. Natürlich spielen wir auch da mit und fragen nach.» Nun sind Senn und die anderen Trialisten, zu denen auch sein Sohn Florian gehört, gespannt, was sich die Leute dieses Jahr wieder einfallen lassen.

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