Die 68-jährige Laura (Name geändert) hatte in den Jahren 2010 bis 2015 Schulden in der Höhe von 264'000 Franken angehäuft, indem sie keine Steuern bezahlte, die Krankenkassenprämien nicht beglich, die Wohnung sanieren liess, Möbel nach Mass bestellte und den Garten umgestaltete.

«Moralisch absolut verwerflich»

Daneben leistete sie sich ein luxuriöses Leben, schaffte ein teures Auto an und kaufte unter anderem Hundehalsbänder für 1200 Franken. «Völlig daneben und moralisch absolut verwerflich», hielten Gerichtspräsidentin Isabelle Wipf und Staatsanwältin Sarah Zanolini übereinstimmend fest.

Im genannten Zeitraum stellte das Betreibungsamt acht Pfändungsurkunden und etliche Verlustscheine aus. In allen Pfändungsfällen wurde Laura vom Betreibungsamt einvernommen, wobei sie mehrfach wahrheitswidrig zu Protokoll gab, über keine Aktiven zu verfügen, die beschlagnahmt werden könnten. Auch habe sie kein Bankkonto. Das war alles gelogen, wie sich bald einmal herausstellte. Denn sie pflegte einen völlig überrissenen, luxuriösen Lebensstil und war Inhaberin von zwei Bankkonten.

Das Verhalten von Laura führte nach Angaben der Staatsanwaltschaft Muri-Bremgarten dazu, dass die Gläubiger einen Verlust erlitten. Die Beschuldigte habe mehrfach vorsätzlich ihr Vermögen zum Schein vermindert, Vermögenswerte beiseitegeschafft oder verheimlicht, Schulden vorgetäuscht und fiktive Forderungen anerkannt oder geltend gemacht. Dadurch machte sich die Angeklagte wegen mehrfachen betrügerischen Konkurses und des Pfändungsbetrugs strafbar.

Über Kapitalzahlung gestolpert

Die Angeklagte ist aufgeflogen, nachdem sie eine Kapitalzahlung von 16'830 Franken erhalten und die Versicherungsgesellschaft das Steueramt der Wohngemeinde direkt davon in Kenntnis gesetzt hatte.

Im Laufe der Strafuntersuchung kamen schliesslich zwei Bankkonten zum Vorschein, auf die von 2010 bis 2015 insgesamt über eine Million Franken einbezahlt worden waren. Das hatte Laura bei den über 50 Befragungen durch den Betreibungsbeamten verschwiegen und lediglich gesagt, sie werde von einem Freund unterstützt.

Zuwendung in Millionenhöhe

Dass diese Zuwendung aber gleich in Millionenhöhe erfolgte, erstaunte das Gericht. «Mit dem vielen Geld wäre es der Angeklagten problemlos möglich gewesen, alle Betreibungen abzuwenden und sämtliche Schulden zu begleichen», sagte die Gerichtspräsidentin.

Stattdessen habe die Frau mit dem Millionenbetrag nicht nur ihren Lebensunterhalt bestritten, sondern auch luxuriöse Anschaffungen getätigt. Ob sie sich denn nie Gedanken gemacht und Skrupel gehabt habe, weil sie auf so grossem Fuss lebte, zumal bereits aus den Jahren nach 2004 Verlustscheine in der Höhe von total 485'000 Franken vorlagen, wollte Isabelle Wipf von der Angeklagten wissen. «Ich hatte ja auch immer sehr viele Auslagen, unter anderem durch meine gesundheitlichen Probleme mit schweren Operationen, weil die Krankenkasse nie etwas bezahlt hat», rechtfertigte sich Laura.

Das Gerichtsurteil lautete auf 15 Monate Freiheitsstrafe bedingt bei einer Probezeit von 2 Jahren. Gerichtspräsidentin Isabelle Wipf schärfte der Angeklagten ein, sich künftig bei den Ausgaben nach ihren Einnahmen zu richten und nicht mehr zu überborden.