Herr Muntwyler, Sie sind nach zwei Saisons Auszeit wieder in der Manege zu sehen. Wurde es Zeit?

Johannes Muntwyler: Nach 30 Jahren Circus Monti war ich zum ersten Mal nicht Teil des Programms. Es tat gut, mich zurückzunehmen. Ich habe es damals auch offengelassen, ob ich überhaupt wieder in die Manege komme. Durch die Idee, diese Nummer mit meinem Sohn Mario zu machen, habe ich wieder Lust bekommen. Ich habe nicht mehr die Zeit, über Monate hinweg zu trainieren. Von Grund auf etwas völlig Neues zu machen, liegt mit dem heutigen Betrieb und in meinem Alter nicht mehr drin.

War es wichtig, dass der Direktor wieder in der Manege steht?

Mir fehlt das Kribbeln vor dem Auftritt. Grundsätzlich finde ich aber, dass ich als Zirkusdirektor nicht im Programm dabei sein muss. Letztes Jahr war niemand der Familie im Programm und es kam auch gut an. Wir erhielten jedoch Kommentare, dass die Absenz der Familie schade war. Viele Zuschauer begleiten uns seit Jahren und freuen sich, zu sehen, wie sich die Jungen weiterentwickeln. Was ich jedoch wichtiger finde, ist die Anwesenheit der Familie rund um die Vorstellung. Der Circus Monti wird mit der Familie in Verbindung gebracht. Als mein Vater starb, entstand ein riesiges Loch. Er war eine Galionsfigur. Kinder brachten ihm zu den Vorstellungen Zeichnungen.

Ihre drei Söhne bringen Lehre, Schule und Zirkus unter einen Hut. War das immer selbstverständlich?

Ich wollte, dass meine Kinder eine Lehre absolvieren. Nicht, weil alles auf den Zirkus zu setzen zu riskant wäre. Aber sie sind im Zirkus aufgewachsen. Das war bei mir anders, denn ich war schon 20, als wir mit dem Zirkus starteten. Ich fand es wichtig, dass sie mindestens für eine kurze Zeit sich an einem anderen Ort behaupten müssen, wo nicht ihr Vater der Chef ist und ihr Name kein Thema ist. Sie sollen nicht aus Mangel an Alternativen im Zirkus bleiben, sondern sich trotz Alternative frei für den Zirkus entscheiden können.

Die Familie Muntwyler

Im März 1985 gründete die Familie Muntwyler aus Wohlen den Circus
Monti. Johannes Muntwyler war damals 20 Jahre alt und gelernter Jongleur.
Seit 2004 wird der Zirkus von Johannes Muntwyler und seinen drei Söhnen Tobias (25), Mario (21) und Nicola (15) geleitet. 2015 gründete der Zirkus für die Wintermonate «Monti’s Variété», vergrösserte die Zeltvermietung und verkürzte die Saison auf vier Monate.

War es bei Ihnen damals klar, dass sich alle am Zirkus beteiligen?

Wir waren keine Zirkusfamilie, wie wir es heute sind. Ich habe ganz normal in Wohlen die Schule absolviert und mich danach entschieden, Jongleur zu werden. Meine Eltern haben mich dabei unterstützt. Bei meinen Kindern geht es vielmehr darum, aus dieser Welt auszubrechen und eine Entscheidungsgrundlage zu haben. Ich hätte damals durch eine Lehre den Anschluss als Artist verloren, meine Jungs haben neben der Lehre die ganze Zeit auch im Zirkus gearbeitet.

Sie nannten die Gründung des Zirkus 1985 einmal eine verrückte Idee. Warum?

Meine Familie hatte vom Zirkusbusiness wenig Ahnung. Wir hatten einen unglaublichen Willen, dies zu erreichen, und ein Umfeld, das diese Motivation mit uns teilte. Die Familie Muntwyler war ja damals nicht im Zirkusbusiness. Einen Zirkus zu gründen, war für uns ein Sprung ins kalte Wasser, kopfvoran. Dazu kommt, dass es damals schon viel Konkurrenz gab. Niemand hat auf den Circus Monti gewartet.

Was Sie nicht davon abhielt, es trotzdem zu tun …

Es war ein Bauchentscheid, ohne lange abzuwägen. Wir waren drei Jahre mit einem anderen Zirkus unterwegs, danach haben wir uns mit der ganzen Familie an einem anderen Zirkus beteiligt. Dann entschieden wir uns, unsere Ideen in einem eigenen Zirkus umzusetzen.

Wie viel Einfluss haben Sie als Vater darauf, dass Ihre Söhne einmal den Zirkus weiterführen werden?

Ich erwarte von ihnen nicht, dass sie den Zirkus weiterführen. Deshalb wollte ich ja auch, dass sie Alternativen haben. Ich bemühe mich, mit der ganzen Familie zusammen den Zirkus in eine Richtung zu bewegen, wo er uns auch noch ein Leben daneben erlaubt. Ich will noch etwas sehen von der Welt. Auch meine Kinder lieben den Zirkus und sind motiviert, viel dafür zu geben. Wir haben 30 Jahre Pionierzeit hinter uns und für den Zirkus gelebt. Ich war in den letzten 30 Jahren nie mehr als eine Woche am Stück weg, und das hat so gestimmt für mich. Dies will und kann ich jedoch von meinen Kindern nicht erwarten.

Im Jahr 2015 hat sich Ihr Konzept enorm verändert. Hat sich dieser Schritt bewährt?

Nach 30 Jahren merkten wir immer mehr, dass für uns etwas nicht mehr stimmte. Nicht der wirtschaftliche, sondern der persönliche Aufwand und Ertrag stimmten nicht mehr überein. Nach zweieinhalb hektischen Jahren der Umstrukturierung geht es in die richtige Richtung. Die verkürzte Tournee mit neun Standorten macht richtig Freude, das Variété ist bereits nach zwei Spielzeiten sehr erfolgreich, und die zugekaufte Zeltvermietung passt immer besser in unser Unternehmen.

Worauf sind Sie aus den letzten 32 Jahren besonders stolz?

Ich bin besonders stolz darauf, wie sich der Zirkus entwickelt hat. Es war in den ersten Jahren ein riesiger Kampf. Dass es ihn heute noch gibt, ist keine Selbstverständlichkeit. Dass man den Namen kennt und mit einem positiven Erlebnis in Verbindung bringt, ist toll. Damit haben wir unglaublich viel erreicht. Es erfüllt mich mit Stolz, wenn die Leute sagen «Heute gehen wir zum Monti», und nicht «wir gehen in den Zirkus».

«Dreambox» Das neue Programm des Circus Monti feiert Premiere: Fr., 4. August, Schützenhausplatz Wohlen. Infos zur Tournee unter www.circus-monti.ch.